Fitness? Für diesen Mann mehr als nur Lifestyle

Alexander Kamm in seinem Fitness-Leistungszentrum. Foto: Natalie Friedel.
Alexander Kamm in seinem Fitness-Leistungszentrum. Foto: Natalie Friedel.

Nachdem Alexander Kamm an einem Burnout erkrankt war, macht er sein Hobby zum Beruf. Ein Gespräch über Fitness als Geschäftsmodell.

Das Interview führte Natalie Friedel

Alexander Kamm, der langjährig bei Aldi als Führungskraft tätig war, macht sein Hobby zum Beruf, nachdem der 25-jährige an einem Burnout erkrankt ist. Im Jahr 2015 macht er sich selbstständig und eröffnet sein erstes eigenes Leistungszentrum.

Der Unternehmer ist schon immer sportlich engagiert. Er möchte Menschen mit gesundheitlichen Problemen und Selbstzweifeln helfen, sich selbst in ihren Körpern wohl zu fühlen.

Herr Kamm, wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Leistungszentrum für Fitness auf die Beine zu stellen?

Ich habe 2015 mein erstes Leistungszentrum in Wassertrüdingen eröffnet. Kurze Zeit später kam aufgrund der hohen Nachfrage ein zweites in Gnotzheim hinzu. Zum einen kam die Idee dadurch, dass ich aufgrund eines Burnouts einen Personal Coach hatte, der mich sowohl mental als auch physisch unterstützte. Dieser brachte mich zu dem Entschluss, anderen Menschen bei Übergewicht, Magersucht oder Selbstzweifeln helfen zu wollen. Zum anderen habe ich zwei Jahre lang ein Fernstudium zum staatlich anerkannten Ernährungsberater absolviert. Nun habe ich zwei Standorte mit Leistungszentren, in denen ich Personal Training anbiete. Gleichzeitig inseriere ich meinen Kunden Kochkurse, um ihnen gesunde Ernährung näher zu bringen. Zudem gibt es auch ein Angebot an zusätzlichen Sportkursen.

Welche finanziellen Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung?

Aufgrund dessen, dass ich zuvor sechs Jahre lang gearbeitet habe, finanzierte ich mich mithilfe meiner Spareinlagen selbst.

Gab es nach der Gründung existenzielle Unsicherheiten?

Ich habe zunächst nur ein Leistungszentrum eröffnet, um zu sehen, wie es bei meinen potentiellen Kunden ankommt. Natürlich gab es zu Beginn Unsicherheiten. Ich machte mir Gedanken, ob es wirklich klappt. Aufgrund der positiven Resonanz nach wenigen Monaten gab es keine existenziellen Unsicherheiten mehr.

Wie schwer ist es, sich in dieser Branche von der Konkurrenz abzuheben?

Reines Personal Training in einem Fitness-Studio ist nicht weit verbreitet in der Region, in der meine Leistungszentren positioniert sind. Ich habe mich auf funktionales Training spezialisiert. Dabei wird vor allem mit dem eigenen Körpergewicht trainiert wird anstelle von Geräten. Das ist viel gesünder für die körperliche Haltung. Zudem bin ich ein sehr offener Typ. Vor allem steht für mich nicht der Profit im Vordergrund, was auch meine Klienten merken. Das ist das Geheimnis meines Erfolgs. Bisher habe ich auch keine Probleme mit potentiellen Konkurrenten gehabt.

Wie wichtig ist ein großes Netz an Kontakten für den Einstieg?

Ein großes Netz an Kunden ist besonders in der Fitness-Branche wichtig. Dadurch, dass ich gemeinsam mit meinem damaligen Partner eingestiegen bin, habe ich einen großen Kundenstamm gewinnen können, welcher mich bis heute noch begleitet. Ich bin auch viel in der Fußballbranche tätig. Dadurch konnte ich ebenfalls einen großen Anteil an Klienten werben.

Würden Sie sagen, dass der Standort ihrer Sportzentren eine wichtige Rolle spielt?

Durchaus. Da meine Sportzentren auf ländlicher Ebene positioniert sind, stellt mein Angebot ein seltenes Gut dar. Dadurch konnte ich viele neue Kunden gewinnen. Viele von ihnen haben keine Zeit und Lust in die nächstgelegene Stadt zu fahren, sodass ich davon nur profitieren kann.

Wie haben Sie es geschafft, bekannt zu werden und sich zu positionieren?

Hauptsächlich durch soziale Medien. Meine Hauptwerbeplattform ist Facebook. Dort werbe ich für meine Programme und informiere über Neuigkeiten. Manchmal werbe ich auch mit Vorher-Nachher-Bildern von meinen Klienten, um zu zeigen, dass mein Programm erfolgreich ist.

Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich ebenfalls dazu entscheiden, ein Sportzentrum zu gründen?

Es ist wichtig, sich über das Angebot an Leistungszentren oder Fitnessstudios in der Umgebung zu informieren. Ein zu hohes Angebot könnte zu viel Wettbewerb bedeuten. Zudem ist es hilfreich, langjährige Berufserfahrung zu haben, um sich ein gutes Know-how anzueignen.

Angenommen Sie stehen kurz vor der Gründung. Würde die aktuelle Wirtschaftslage Ihre Entscheidung beeinflussen?

Nein, denn die Fitness-Branche hat sich in den letzten Jahren besonders stark entwickelt. Es ist ein regelrechter Boom, der in dieser Branche herrscht. Ich denke, dass sich dieser Trend in Zukunft noch stark weiterentwickeln wird, sodass man sich vor allem jetzt in dieser Branche gut selbständig machen könnte.

Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbständiger Unternehmer in dieser Branche behaupten zu können?

Man muss definitiv gut mit Menschen umgehen können. Man sollte vor allem sehr offen sein und Selbstbewusstsein ausstrahlen. Außerdem ist es wichtig, ehrlich zu sein, auch wenn das manchmal hart ist. Letztendlich ist es wichtig, eine motivierende, nette und höfliche Person zu sein.

Ist es Ihnen wichtig, dass Sie auch selbst verkörpern, was Ihr Programm bietet?

Ja, definitiv. Mein Körper ist mein Kapital. Zwar bin ich nicht der „Body-Builder-Typ“, aber dennoch sehr athletisch und körperlich fit, würde ich behaupten. Vor allem ist es wichtig darauf zu achten, dass meine Kunden sehen, dass ich absolut hinter dem stehe, was ich selbst anbiete.

Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Nie wieder Angestellter! Es gibt niemanden, der dir Vorschriften oder Aufgaben erteilt. Du bist dein eigener Herr. Man muss auf keinen mehr hören und man kann seinen eigenen Weg gehen.

Was sind Ihre weiteren Ziele als Unternehmer?

Ich möchte mich unbedingt vergrößern. Mein Traum ist es, noch zwei weitere Studios aufzubauen, weiterhin mein eigener Chef und alleiniger Geschäftsführer zu sein. Meine Mitarbeiter will ich weiterhin selbst ausbilden und ihnen meine eigene Philosophie weitergeben.

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