Zwischen Stangentanz und Hundetraining

Carolin Schmitt betreibt in Würzburg ein professionelles Poledance-Studio.
Carolin Schmitt betreibt in Würzburg ein professionelles Poledance-Studio.

Poledance, das verbinden viele immer noch mit Stripclubs und leicht bekleideten Frauen. Dass dahinter eine Sportart steckt, die Kraft, Flexibilität und Tanz miteinander verbindet, das möchte Carolin Schmitt ihren Schülerinnen und Schülern mitgeben. Die Würzburgerin ist Inhaberin des Poledance Studios „Pole Heaven“. Im Interview spricht sie über Vorurteile und ihren Weg in die Selbstständigkeit.

Von Marie Hober

Im Oktober hast du dein eigenes Polestudio „Pole Heaven“ in Würzburg eröffnet. Was ist für dich das Himmlische am Stangentanz?

Da gibt es ganz viele Aspekte. Poledance kann wirklich jeder machen und es verbindet viele Bereiche des Sports. Man kann zum Beispiel an der Flexibilität und der Kraft arbeiten. Zudem stärkt es die Rückenmuskulatur. Außerdem beinhaltet es tänzerische Elemente und vor allem ein Wir-Gefühl. Hinzu kommt, dass es weltweit verbreitet ist. Dadurch habe ich Leute und Städte kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte.

Du hast davor für ein anderes Studio in Würzburg gearbeitet. Wie bist du darauf gekommen dein eigenes Studio zu eröffnen?

Ich bin eigentlich gar nicht darauf gekommen. Vor einem Jahr kamen drei Freundinnen zu mir und baten mich, etwas Eigenes aufzumachen. Damals habe ich das eher abgetan und nicht mehr darüber nachgedacht, weil ich Konkurrenzkampf vermeiden wollte. Aber dann hat mir vieles im anderen Studio nicht mehr gefallen. Im April 2017 habe ich einen Schlussstrich gezogen und entschieden, dass ich mich mit einem eigenen Studio selbstständig machen will.

Haben dich deine Freunde und Familie dabei unterstützt oder gab es auch kritische Stimmen?

Nein gar nicht, ich hatte eigentlich nur Befürworter. Alle waren der Meinung, das hätte ich schon längst machen sollen.

Was war für dich die größte Herausforderung auf deinem Weg zum „Pole Heaven“?

Ich dachte zuerst der Kredit, das war dann aber eine der kleineren Herausforderungen. Ein großes Problem war, dass es in unsere Räumlichkeiten geregnet hat, nachdem wir den Boden frisch gelegt hatten. Es gab noch organisatorische Schwierigkeiten, wie den Stundenplan zu erstellen und die neuen Pläne für die Pole Kurse zu schreiben. Generell ist die größte Herausforderung, dass du, wenn du eine Sache abgehackt hast, schon wieder zwei neue abarbeiten musst.

Kraft, Körperbeherrschung, Koordination: In ihrem Studio schult Carolin Schmitt viele Fähigkeiten.

Du hast neben dem „Pole Heaven“ noch ein zweites Standbein. Du bist seit einigen Jahren auch selbstständige Hundetrainerin. Hat dir deine Erfahrung im Bereich der Selbstständigkeit jetzt bei der Planung deines Studios geholfen?

Es hat mir von vorn herein einfach die Angst genommen. Dazu kommt, dass ich schon ein gewisses Knowhow hatte. Ich weiß, wie man Homepages aufbaut und Fanpages auf Social Media-Plattformen pflegt. Ansonsten ist es ein großer Unterschied, weil ich beim Hundetraining absolut mobil bin und kaum investieren musste. Das war beim Studio natürlich das Gegenteil.

Wie schaffst du es beides zeitlich zu vereinbaren?

In der Regel mache ich am Vormittag ein bis zwei Kundentermine und abends dann das Pole. Da ich das Hundetraining schon so lange mache, muss ich mich auf die Kunden kaum mehr vorbereiten. Die Zeit morgens nach dem Aufstehen nutze ich um E-Mails zu beantworten. Wenn es etwas vorzubereiten gibt, mache ich das am Wochenende oder plane eben nur einen Hundetermin ein.

Hattest du schon einmal Existenzängste seit du dich selbstständig gemacht hast?

Seitdem ich das Studio habe nicht. Ich hatte aber bevor ich mit dem Hundetraining angefangen habe eine Vollzeitstelle im Büro und habe dann auf eine Teilzeitstelle gewechselt. Da hatte ich am Anfang Angst, dass das Hundetraining als finanzieller Ausgleich nicht reicht.

Was sollte man deiner Erfahrung nach unbedingt beachten, wenn man sich selbstständig machen möchte?

Es reicht nicht, einen Schwerpunkt zu haben, wie beispielsweise Sport. Man braucht BWL-Wissen und Marketingverständnis. Außerdem sollte man sich einen guten Steuerberater und einen guten Grafiker suchen. Jedem, der ein bisschen Angst davor hat und eine Vollzeitstelle hat, empfehle ich, erstmal in Teilzeit zu gehen. Aber mein allergrößter Rat ist, dass man nicht zu lang darüber nachdenken darf, ob man den Schritt in die Selbstständigkeit wagen soll.

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