Herr Professorin

Von links nach rechts: Camilla Simon, Susanne Veldung, Andrea Funk, Sarah Göllner (Foto: Katharina Gernet)

Knapp die Hälfte aller Hochschulabsolventen ist weiblich – aber nur wenige entscheiden sich nach ihrem Abschluss für die akademische Laufbahn. Andrea Funk, Sarah Göllner, Camilla Simon und Susanne Veldung sind Doktorandinnen an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Würzburg. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, junge Wissenschaftlerinnen zu fördern. MAIN beantworten sie Fragen zur Gründung ihres Netzwerks Women@WiWi.

Ein Interview von Katharina Gernet

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Netzwerk nur für Doktorandinnen und promotionsinteressierte Frauen zu gründen?

Susanne Veldung: Statistiken der Universität zeigen, dass an vielen Fakultäten ein Missverhältnis zwischen Männern und Frauen existiert. Auch an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist ein höherer Frauenanteil unter dem wissenschaftlichen Personal erwünscht. Daher haben die Verantwortlichen der Fakultät in Kooperation mit dem Frauenbüro der Universität den Anstoß gegeben, Maßnahmen für eine bessere Verteilung zwischen den Geschlechtern umzusetzen.

Camilla Simon: Professor Dr. Pibernik, Professor Dr. Otto und Professorin Dr. Meyer haben uns infolgedessen nach Ideen gefragt, was mehr Frauen zu einer Promotion ermutigen könnte, um daraufhin Lösungen zu erarbeiten, wie der Frauenanteil an der Fakultät angehoben werden kann.

Wen wollen Sie mit dem Netzwerk ansprechen?

Veldung: Wir haben zwei Zielgruppen, die Promotionsinteressierten und die derzeit Promovierenden.

Göllner: Es geht darum, engagierte und talentierte Studentinnen anzusprechen und ihnen eine Informationsplattform zu bieten. So können die Rahmenbedingungen erläutert, über Vorteile und Herausforderungen einer Promotion informiert, und der Weg zu einer Promotion vorgestellt werden.

Funk: Bei den derzeit Promovierenden steht erst einmal der Informationsaustausch im Vordergrund. Viele beschäftigen die gleichen organisatorischen Fragen, etwa wie Familie und Beruf vereinbart werden können. Daher ist es wichtig, sowohl das Angebot für Doktorandinnen bekannt zu machen, als auch Promovierte zu porträtieren. Hiermit wollen wir beispielhaft aufzeigen, wie die Wege der Frauen nach der Promotion verlaufen. Es ist ja nicht zwangsläufig nötig, dass man in der Wissenschaft bleibt.

Veldung: Es ist auch geplant, solche Vorbilder zu Vorträgen oder Workshops einzuladen.

Mit Vorträgen und Workshops haben Sie ja schon zwei Dinge, die Sie planen, anklingen lassen. Wie stellen Sie sich die Arbeit des Netzwerkes in Zukunft vor?

Funk: Ein wichtiger Bestandteil werden regelmäßige Netzwerk-Treffen in der Art eines monatlichen Stammtischs sein. Ende Januar fand bereits ein erstes Doktorandinnen-Frühstück statt. Dabei haben wir in entspannter Atmosphäre erst einmal die aktuellen Doktorandinnen zusammengebracht.

Veldung: So eine Veranstaltung lässt sich auch gut nutzen, um sie mit Gastvorträgen aus der Wirtschaft oder der Wissenschaft zu koppeln, Alumnae einzuladen oder Workshops anzubieten. Dabei wären zum Beispiel die Organisation und das Zeitmanagement einer Promotion mögliche Themen. Aber auch die Vorstellung zukünftiger Entwicklungsperspektiven ist denkbar.

Simon: Das nächste Ziel ist das Erstellen eines Auftritts auf der Uni-Website. So können wir von jeder Interessentin auch gefunden werden. Dabei ist es unsere Idee, Ansprechpartner zu schaffen, indem wir jetzige Promovierende sichtbar machen. Dadurch ist es für Interessierte möglich, sich einfach und informell mit Promovierenden in ihrem Interessensgebiet zu verbinden.

Neben der Tätigkeit am Lehrstuhl und der eigenen Promotion ein Netzwerk aufzubauen, das stelle ich mir sehr zeitintensiv vor. Da ist Unterstützung sicher gerne gesehen, oder?

Veldung: Am Anfang haben wir zunächst externe Unterstützung durch einen Experten im Bereich Gender Diversity gesucht. Hierfür haben wir Ulrich Schübel, den Leiter des Instituts für Diversity Management, akquirieren können. Er ist Alumnus der Universität Würzburg und kennt daher die Zusammenhänge. Er hat strukturiert aufgezeigt, wie sich von unseren Ideen verschiedene Maßnahmen ableiten lassen.

Funk: Aktuell werden wir auch durch wissenschaftliche Hilfskräfte unterstützt und bieten ein Projektseminar mit dem Titel „Business Case Gender Diversity“ an.

Veldung: Dort arbeiten derzeit neun Master-Studierende daran, unsere Ideen weiter zu konkretisieren. Dazu wollen wir zuerst eine Ist-Analyse machen, um dann Handlungsempfehlungen und Entwicklungsperspektiven für das Netzwerk abzuleiten.

Funk: Ein Folgeseminar ist dann für das Sommersemester 2018 geplant, welches an die Arbeit dieses Seminars anschließt und die Umsetzung angeht.

Noch ist das Netzwerk in der Planungsphase. Was sind die nächsten Schritte?

Veldung: Wir haben uns jetzt erstmal zum Frühstück getroffen, um mit den anderen Doktorandinnen dieses Netzwerk zu bestätigen. Die nächsten Schritte sind dann in die digitale und auch analoge Kommunikation zu gehen, das Netzwerk bekannt zu machen und das Projektseminar im kommenden Sommersemester zu realisieren.

Simon: Unser Wunsch ist es, sobald das Netzwerk gegründet ist, es mit Leben zu füllen. Danach soll das Projekt so weit verselbstständigt werden, sodass es weiterläuft, auch wenn wir die Universität bereits verlassen haben.

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