Forschung für eine vernetzte Zukunft

Prof. Dr. Christoph Flath - Juniorprofessor für Operations Management in Würzburg (Foto: Konstantin Winter)

„Ich glaube, dass sich viele Dinge verändern werden. Digitale Innovationen durchdringen immer mehr Themen unseres Alltags“, sagt Prof. Dr. Christoph Flath und erklärt ausführlich, wie er sich eine vernetzte Zukunft vorstellt. Themen wie die Elektromobilität oder das „Internet of things“, also die Verknüpfung von digitalen Systemen mit physischen Gegenständen, gehören für den Forscher dabei zum Arbeitsalltag.

ein Porträt von Konstantin Winter

Bereits seit 2014 ist Flath Juniorprofessor für Operations Management am Betriebswirtschaftlichen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Der Begriff Operations Management meint die mathematische Optimierung von Strategien und Betriebsabläufen. So lassen sich etwa die Produktions-, Energie-, oder Transportwirtschaft verbessern. Inwiefern digitale Technologien und vernetzte Systeme dabei sinnvoll eingesetzt werden können, ist eine der Forschungsfragen, die Flath untersucht.

Verändertes Mobilitätsverhalten

Der junge Forscher geht davon aus, dass sich das Nutzungsverhalten rund um die persönliche Mobilität deutlich verändern wird. „Es ist kaum vorstellbar, dass in 20 Jahren immer noch regelmäßig eine Tonne Stahl bewegt wird, um eine Person von A nach B zu transportieren“, erläutert Flath, der sich intensiv mit den Themen Elektromobilität, Car- und Ridesharing befasst. Vielmehr stellt er sich ein verknüpftes Verkehrsnetz vor, das verschiedene Transportmöglichkeiten verbindet. So sollte es beispielsweise mit nur einem integrierten Ticket möglich sein, vom eigenen Zuhause zum Zielpunkt zu gelangen und währenddessen verschiedene Verkehrsmittel, wie etwa autonom fahrende Autos oder Schnellzüge, zu nutzen, die alle aufeinander abgestimmt nach einem gemeinsamen Fahrplan verkehren. Eine bedeutende Rolle spiele dabei auch die immer weiter voranschreitende Entwicklung von Elektroautos – speziell im Angesicht der in der letzten Zeit aufgedeckten Dieselaffäre. „Es wird klar, dass wir uns mit dem Diesel eine Technologie großgezüchtet haben, die vielleicht schon vor fünf Jahren nicht mehr das geleistet hat, was sie versprochen hat“, erklärt Flath. Dies sei daher eine große Chance für Unternehmen wie Tesla, deren Elektroautos immer attraktiver und alltagstauglicher würden. Lachend gibt der Wissenschaftler dabei jedoch zu, selbst auch noch ein Diesel-Auto zu fahren. Generell sieht Flath das Potenzial für Elektroautos im Autofahrerland Deutschland jedoch zwiegespalten. Zwar seien große Automobilmarken und deren Technologieführerschaft ein starkes Zugpferd für die Weiterentwicklung von Elektromotoren, jedoch könnten diese Marken gleichzeitig auch ein Hindernis sein, wenn sie beständig an etablierten Lösungen festhalten und den Fortschritt somit verlangsamen würden.

Wissenschaftliche Objektivität als Leitmotiv

„Man muss als Wissenschaftler immer eine gewisse Offenheit für neue und aktuelle Dinge haben“, erklärt Flath die Gründe für seine Forschung zu zukunftsorientierten und innovativen Themen. Er ergänzt, dass es besonders wichtig sei, sich schnell anpassen zu können, um langfristig erfolgreich zu sein. Generell seien für den Juniorprofessor aber, unabhängig vom Thema, die angewandte Forschungsmethodik und die wissenschaftliche Objektivität entscheidend. Durch einen zu starken persönlichen Idealismus könnten schnell Scheinargumente und Pseudowissenschaftlichkeit entstehen. Diese Einstellung spiegelt auch Flaths Büro wider, das nicht etwa mit den neusten technischen Innovationen befüllt ist, sondern eher unscheinbar, schlicht und auf die wissenschaftliche Arbeit ausgerichtet wirkt. Seine wissenschaftliche Karriere begann er am Karlsruher Institut für Technologie und forschte auch dort schon zu Themen wie intelligenten Stromnetzen und dem Energiemarkt der Zukunft.

Innovation auf kleinster Ebene

Der 3D-Druck ist für Flath eine weitere Technologie, die sich etablieren und eine bedeutende Rolle spielen wird. Dies werde auch dadurch begünstigt, dass die Preise für 3D-Drucker immer weiter sinken und diese somit für mehr Menschen erschwinglich werden. „Ich sehe dort eine unglaubliche Möglichkeit an Innovation auf der kleinsten Ebene“, schwärmt der Wissenschaftler und zeigt die vielfältigen Einsatzzwecke auf. So sei es beispielsweise möglich, Werkzeuge oder Dinge für den Haushaltsbedarf selbst herzustellen und zu individualisieren. Für den jungen Familienvater ist dabei die vor allem die Möglichkeit, Spielsachen selbst günstig herzustellen interessant, wie er locker anmerkt. Aber auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive sieht Flath großes Potenzial im 3D-Druck, speziell für ein Land wie Deutschland, das bereits einen starken Maschinenbau und hochentwickelte Produktionstechnologien aufweist. Insgesamt müsse man daher untersuchen, wie am Ende sowohl private Haushalte, als auch Unternehmen von dieser neuen Technologie profitieren können. Wie schon bei seinen anderen Forschungsbereichen spannt Flath auch beim Thema 3D-Druck wieder den Bogen zu einer vernetzten Zukunft. „Man darf 3D-Druck nicht nur als isolierte Technologie sehen, sondern muss es als Teil einer vernetzten Welt betrachten“, sagt der Forscher. Diese Vernetzung zeige sich beispielsweise dadurch, dass Nutzer ihre Designs im Internet teilen und weltweit verbreiten können. Andere Nutzer können aus diesen digitalen Dateien wiederum physische Gegenstände in ihrem eigenen Zuhause produzieren. „Die Verbindung von digitalen Plattformen und physischen Technologien macht die Entwicklung hin zu einer vernetzten Welt für alle greifbar“, fasst Flath zusammen und prognostiziert, dass sich dies auch in den kommenden Jahren weiter ausbreiten werde. Durch seine Forschung auf diesem Gebiet will auch Flath einen Teil dazu beitragen.

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