„Feierabend? Das gibt es für mich nicht“

Wenn Alter nur noch eine Zahl ist: Eugen Volbers (Foto: Andrea Deublein)

Unternehmensberater im Ehrenamt: Eugen Volbers hat ein spannendes und erfolgreiches Berufsleben hinter sich. Wir treffen einen Unternehmer im Unruhestand, an den sich Unternehmensgründer sowie regionale Unternehmen bei Fragen und Schwierigkeiten wenden können.

ein Portrait von Andrea Deublein

Der gebürtige Kitzinger studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe und stieg im Jahr 1979 als Marketingingenieur beim internationalen Technologiekonzern Hewlett-Packard – kurz HP – in Böblingen ein. „Mich interessierte diese neue Welt der Computer“, erinnert er sich heute schmunzelnd. „Das war damals eine Hochphase der Entwicklungen, ein rasanter Zuwachs an Technologien.“ Eben dieses rapide Wachstum der Branche war auch dafür verantwortlich, dass es für Volbers innerhalb des Unternehmens schnell bergauf ging: „Im Schnitt hatte ich circa alle sechs Monate eine neue Funktion“. Bereits nach einigen Berufsjahren war er Leiter einer weltweiten Entwicklungs- und Marketingabteilung von HP.

Während Volbers von seinem Werdegang berichtet, sitzt er entspannt vor einem koffeinfreien Kaffee in einem Würzburger Café. Nachdem er vor sieben Jahren in Rente ging, ist er gemeinsam mit seiner Frau zurück nach Unterfranken gezogen. „Wir hatten den Bezug zu Kitzingen nie verloren“, gesteht er, während er lebhaft mit den Händen gestikuliert. Wie ein typischer Rentner wirkt er dabei ganz und gar nicht: Dunkelblaue Fleecejacke über einem karierten Hemd zur schwarzen Hose, gepflegte Frisur und lederne Aktentasche. Er hat eine klare und deutliche Aussprache und eine erstaunliche Wortgewandtheit. Dieses Auftreten rührt wohl daher, dass er seit seinem Berufsausstieg freiberuflich tätig ist und sich ehrenamtlich bei den Aktivsenioren Bayern e.V. einbringt. Durch diese Kombination habe er „aktuell mindestens so viel zu tun wie zu Zeiten der Berufstätigkeit“, wie er mit einer Mischung aus Bedauern, aber auch spürbarem Stolz erklärt.

Die Aktivsenioren Bayern e.V. unterstützen Gründer und bestehende Unternehmen gleichermaßen

Die Mitglieder der Aktivsenioren Bayern e.V. sind pensionierte Führungs- oder Fachkräfte beziehungsweise Unternehmer, die ehrenamtlich Existenzgründungen betreuen sowie bestehende Unternehmen beraten. Gründern stehen sie mit ihrer langjährigen Erfahrung zur Seite und helfen beispielsweise dabei, einen Businessplan, also ein Geschäftskonzept, zu erstellen. Aber auch alteingesessene Unternehmen können die Aktivsenioren zur Hilfe heranziehen, etwa wenn sie aktuell eine Flaute erleben. „Ein nicht verlorener Arbeitsplatz ist aus meiner Sicht mindestens genauso schön wie ein neu entstandener“, erklärt Volbers den Gedanken dahinter. Die Hilfesuchenden müssen dabei nur eine Unkostenpauschale erbringen, die weit unter den Kosten für eine reguläre Unternehmensberatung liegt. Im Gegenzug erhalten sie eine umfassende Unterstützung und eine ehrliche und vor allem unabhängige Meinung, wie Volbers betont. „Manchmal muss man dem Gegenüber leider auch zu verstehen geben, dass dessen Konzept wenig erfolgversprechend ist – jedoch geschieht auch dies stets im Sinne des Klienten.“

Seine Karriere innerhalb des Unternehmens HP fand für Volbers nach circa sieben Jahren im Beruf zunächst ein Ende, als er sich dazu entschied, die Firma zu verlassen. Die regelmäßigen Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns kamen ihm zwar oftmals zu Gute, sorgten jedoch im Jahr 1986 dafür, dass er seine damalige Funktion als Entwicklungsleiter aufgeben musste. Da ein guter Freund zum selben Zeitpunkt dabei war, sich in Karlsruhe mit einer Softwarefirma selbstständig zu machen, wagte Volbers den Einstieg als zweiter Geschäftsführer mit Fokus Vertrieb und Marketing. „Das Unternehmen entwickelte sich jedoch nicht ganz so, wie wir ursprünglich gedacht hatten“, gibt er heute zu, merkt jedoch mit einem leichten Grinsen an: „Um auf andere Art erfolgreich zu sein, mussten wir uns anpassen und unseren Businessplan eben umschreiben.“

Businesspläne – die sind bis heute sein großes Standbein. In seinem Berufsleben habe er unzählige solcher Pläne erstellt, entsinnt sich Volbers, während er mit den Fingern Kreise auf den Tisch zeichnet, um das Gesagte zu unterstreichen. Sein analytisches Gespür ist nicht zu übersehen. Wenn er gerade nicht spricht, nippt er an seinem Kaffee und scheint seine nächsten Worte mit Bedacht zu wählen.

Zahlreiche Berufsstationen im In- und Ausland

Durch den Umbau des Geschäftskonzepts seines Freundes war ein zweiter Geschäftsführer nicht länger vonnöten. Deshalb wechselte Volbers nach nur einem Jahr zu einer kleineren Technologiefirma in Wiesbaden. Kurz darauf kontaktierte ihn jedoch sein früherer Chef von HP mit der Bitte, in die Firma zurückzukommen, wo Volbers vom Jahre 1989 an zahlreiche Positionen innehatte: Vom Geschäftsführer einer Tochterfirma, über diverse Leitungsfunktionen sowie als Direktor eines gesamten Geschäftsbereiches. Sein persönliches Highlight war die Zeit in den USA, wo er von 1994 bis 1996 für die Firma arbeitete. Seine Frau und seine beiden Kinder begleiteten ihn dabei.
Dass diese fortwährende Unterstützung seiner Familie nicht selbstverständlich war, ist ihm heute bewusster denn je: „Die Zeit in den USA war insbesondere für meine Kinder – damals vier und sieben Jahre alt – am Anfang etwas anstrengend. Dennoch hatte ich immer den Eindruck, dass die beiden diese Zeit sehr genossen haben.“ Während Volbers erzählt, lässt er sich etwas tiefer in den Stuhl sinken und lehnt sich entspannt zurück. Man ahnt, dass ihm seine Familie auch heute noch den nötigen Rückhalt für den aktiven Alltag bietet.

Beweggründe für den vorzeiten Karriereausstieg

Nach weiteren erfolgreichen Jahren bei HP in Böblingen trat Volbers im Jahr 2010 freiwillig aus dem Berufsleben aus. Seine Motive waren vielseitig: „Ich wollte mich selbst davor bewahren, bis zum letzten Arbeitstag 150 Prozent zu geben und dann – mit dem Renteneintritt – von einem Tag auf den anderen von der Über- in die Unterforderung zu rutschen. HP bot damals attraktive Austrittsprogramme an, deshalb habe ich mich für den Einstieg in die Teilzeit-Selbstständigkeit sowie meine ehrenamtliche Tätigkeit entschieden.“ Von der Vereinsidee der Aktivsenioren habe Volbers damals begeistert in der Zeitung gelesen und direkt Kontakt aufgenommen, erinnert er sich.

Nach und nach fügt sich im Gespräch das Bild des älteren Mannes im Café mit dem Geschäftsmann zusammen, der nach wie vor in ihm steckt. Trotz seiner Pensionierung bringt Volbers den Großteil seiner Freizeit ehrenamtlich ein. Seit letztem Jahr ist er zudem Regionalleiter der Aktivsenioren in Unterfranken und engagiert sich neben seiner Funktion als Berater auch hinsichtlich der internen Organisation des Vereins. Wie lange er sich noch bei den Aktivsenioren engagieren wird? Er möchte sich nicht festlegen – am liebsten so lange es ihm gesundheitlich möglich ist. Zum Abschluss des Gesprächs reagiert Volbers schmunzelnd auf den Wunsch eines schönen Feierabends: „Das gibt es für mich nicht, ich habe heute noch einiges vor.“

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