Kleider machen Leute – Follower machen Blogger. Interview mit Tanja Haber

Tanja zeigt sich immer modebewusst – egal ob in Würzburg (links) oder in Tel Aviv (rechts). (Fotos: Tanja Haber)

Blümchen-Blusen, Gucci-Taschen und Pool-Ambiente: Tanja Haber beschäftigt sich mit den schönen Dingen des Lebens. Die 27-jährige Würzburgerin ist erfolgreiche Mode- und Reisebloggerin. Auf ihrem Blog „Modelovers“ stellt sie die neuesten Modetrends vor und berichtet von ihren Reisen aus der ganzen Welt. Gemeinsam mit 13 anderen deutschen Bloggerinnen ist sie Teil des digitalen Fashionmagazins „Blogwalk“. Das von den Fernsehsendern RTL und VOX betriebene Portal diene ihnen als Plattform, die laut Tanja mehrere Millionen Seitenaufrufe im Monat habe. Was viele ihrer Kolleginnen hauptberuflich machen, läuft für die IT-Systemkauffrau nebenher. Trotzdem ist ihr Blog nicht nur ein Hobby, sondern auch eine abwechslungsreiche Einnahmequelle. MAIN hat mit Tanja Haber über Fake-Follower, Werbung und die Bedeutung von Inhalten gesprochen.

Das Gespräch führte Anna Unseld

Tanja, wie ging es bei dir los mit dem Bloggen?
Ich habe 2011 mit dem Bloggen angefangen. Am Anfang habe ich überhaupt nicht gewusst, worauf ich mich da einlasse. Mir war die Arbeit, die dahintersteckt, nicht bewusst. Seit 2014 bin ich bei dem Bloggernetzwerk „Blogwalk“ mit dabei. Das war ein großer Schritt für mich.

Wie viel Zeit widmest du deinem Blog?
Ich schreibe ein bis zwei Blogposts in der Woche. Meistens lege ich meine Shootings auf den Sonntag, damit ich den ganzen Tag Zeit habe. Dann treffe ich mich mit einer Freundin in Würzburg und wir machen Bilder. Vom Aussuchen der Outfits, über Schießen und Bearbeiten der Bilder, Schreiben des Texts und alles zusammen mit Links zu einem Post basteln dauert ein Blogpost ungefähr fünf Stunden.

Zahl der Follower als wichtigste Maßeinheit

Woran misst sich der Erfolg eines Bloggers?
Instagram ist bei uns Bloggern zurzeit das Wichtigste. Die Follower-Anzahl auf Instagram ist die einzige Zahl, an der man gemessen werden kann. Die Seitenaufrufe auf einem Blog können Außenstehende ja nicht einsehen.

Ist diese Erfolgswährung noch zuverlässig, wenn man doch Likes, Follower und sogar Kommentare kaufen oder durch Bots programmieren kann?
Bei vielen Profilen sieht man, dass die Leute Follower gekauft haben. Das fällt auf, wenn Profile nur wenige Fotos aber tausende Follower haben oder einzelne Bilder trotz schlechter Qualität unüblich viel geliked wurden. Aber es gibt inzwischen Programme, die mittels Algorithmen die Glaubwürdigkeit der Follower auswerten: Woher kommen sie, könnten sie Bots sein, ist die Follower-Anzahl in Relation zur Zahl der Bilder realistisch? Viele Firmen nutzen das inzwischen.

Was denkst du, wie sieht die Zukunft der Blogger-Szene aus?
Viele Mädels machen keinen Blog mehr, weil sich die Follower abgewöhnt haben, Blogposts zu lesen. Es geht nur noch um das schöne Foto, um die Schuhe von Dior, um die Tasche von Gucci und nicht mehr um mitunter auch kritische Perspektiven, die man auf dem Blog darstellen kann. Ich bin also gespannt, in welche Richtung sich die ganze Blogger-Szene entwickelt. Für viele Firmen wird das Social Business immer wichtiger. Ich gehe davon aus, dass sich Bloggen künftig noch mehr auf die Begleitung der einzelnen Lebensphasen der Blogger beziehen wird. Das ganze Leben wird mitverfolgt: Studium, Job, Hochzeit, erstes Kind. Es wird alles immer persönlicher. Der Blogger ist dann wie eine Freundin oder ein Kumpel. Dieser Draht zu einem Menschen ist schön. Soweit es mir gelingt, nutze ich das auch. Aber manchmal gibt es Momente, wenn ich abends nach Hause komme, in denen ich mich einfach nicht mehr passabel genug fühle, um noch eine Story in Instagram hochzuladen.

In freundlicher Zusammenarbeit mit…

Influencer sind reichweitenstarke Meinungsmacher, die für Marketing- und Kommunikationszwecke eingesetzt werden, um die Glaubwürdigkeit einer Markenbotschaft zu steigern. Du kooperierst mit großen Firmen wie Joop, Pandora oder Tschibo und mischst ordentlich beim Influencer-Marketing mit. Du zeigst Produkte auf Fotos oder erwähnst sie in deinen Beiträgen. Wie suchst du die Marken aus oder kontaktieren diese dich?
Sobald eine Marke zu mir passt und ich mich damit identifizieren kann, stimme ich einer Kooperation zu. Meistens kommen die Firmen auf mich zu, aber wenn ich eine Marke cool finde, schlage ich ihnen schon auch mal eine Kooperation vor. Wenn eine Marke nicht zu mir passt oder ich zum Beispiel schon mit einem Konkurrenzprodukt arbeite, lehne ich Kooperationen auch ab. Bei der Gestaltung der Blogbeiträge bin ich frei und kann schreiben, was ich will. Dadurch bewahre ich mir meine Individualität und Unabhängigkeit.

Blogger und Instagrammer müssen Kooperationen immer kennzeichnen. Glaubst du, dass das ein Nachteil für euch ist?
Unter meinen Blogposts steht in solchen Fällen dann immer „in freundlicher Zusammenarbeit mit…“. Ich finde, es ist kein Nachteil. Es verdeutlicht, dass es sich um ein Advertorial (eine redaktionell dargestellte Werbeanzeige, Anm. d. Red.) handelt, das der Kunde bei mir beauftragt hat. Dadurch, dass ich nur mache, was ich auch gut finde, kommen auch nur Kampagnen zu Stande, hinter denen ich stehe.

Stylisches Würzburg

Hat man es als Würzburger Modeblogger schwerer als die Blogger in den Metropolen?
Die Hamburger und Münchner Blogger haben viel einfacheren Zugang zu Presseveranstaltungen und vermittelnden Agenturen. Sie können sich einfacher verabreden und leben stark vernetzt: Gemeinsames Kaffeetrinken, gegenseitiges Verlinken, sich filmen. Die Würzburger Modeblogger kann man an zwei Händen abzählen. Da findet wenig Austausch statt.

Würdest du Würzburg als modebewusst bezeichnen?
Ja! Ich bin sehr stolz, dass wir es als – sagen wir mal – überschaubare Stadt schaffen, uns so modebewusst zu präsentieren. Es gibt viele coole Leute mit ihrem eigenen Stil. Und weil viele Würzburger Läden einen echt guten Riecher haben, was als nächstes angesagt sein wird, sind wir immer vorne mit dabei. Wir müssen uns auf keinen Fall verstecken.

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