Grüne Zukunft für Würzburgs Innenstadt

Tilman Schenk stellt sich auf die Seite des Bürgerbegehrens: In der Stadt seien genug Parkplätze vorhanden. Foto: Anne Stegner

Der Streit um die Gestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes steht im Moment wie kein anderes Thema im Mittelpunkt der Interessen der Würzburger. Viel wird diskutiert über das Ausmaß der Begrünung, den Bau einer Tiefgarage und die Verkehrsführung. Auf Einladung des Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ sprach Prof. Dr. Tilman Schenk in den Barockhäusern über die aus seiner Sicht fehlende Notwendigkeit zusätzlichen Parkraums in der Innenstadt.

von Anne Stegner

Schenk: Keine neuen Parkplätze

Der in Würzburg geborene Tilman Schenk, Professor für Sozialgeographie an der Bergischen Universität Wuppertal, stellt klar: „Mit 7800 Parkplätzen sind in der Innenstadt ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden.“ Er verweist auf die Auslastung bestehender Parkflächen. So seien zum Zeitpunkt der Höchstauslastung um 12 Uhr noch 800 innerstädtische Parkplätze verfügbar. Mit dem Wegfall der 70 Parkplätze auf dem Faulhaber-Platz blieben somit 99,3 Prozent der Parkfläche in der Innenstadt erhalten.
Schenk räumt ein: „Neue Parkmöglichkeiten müssen zwar geschaffen werden, man sollte sich dabei aber auf einen Parkbereich außerhalb des Stadtkerns konzentrieren.“ Langfristiges Ziel müsse sein, den Großteil des Parkraums auf den außerstädtischen Bereich zu verlagern, meint Schenk. Nur so könne man die Stadtqualität erhöhen und die Feinstaubbelastung in der Innenstadt senken.

Schenk spricht nach dem etwa halbstündigen Vortrag weitere Empfehlungen aus: So sei es wichtig den Nutzern attraktive Angebote wie ein durchgehendes Radwegenetzwerk, Ermäßigungen im Nahverkehr und Pendlerparklätze am Stadtrand mit Nahverkehrsanbindung an die Innenstadt zu bieten.

Ängste der Stadtbewohner

Anschließend diskutieren Jörg Töppner, Sprecher des Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ und anwesende Bürger, was der Bürgerentscheid für die Stadtbewohner bedeutet. Das Publikum zeigt sich dem Referenten gegenüber dankbar, äußert aber auch offene Fragen und Ängste. „Sollen wir dann neben dem Tiefgaragenschacht chillen?“, fragt ein Teilnehmer.
Markus Pilz, Stadtratsvorsitzender der Grünen, zeigt sich positiv bezüglich der einjährigen Bindungsfrist der Stadt an den Bürgerentscheid: „Mit Rücksicht auf die Kommunalwahlen 2020 wird die Stadt die Bindungsfrist nicht verstreichen lassen.“ Hinsichtlich der Investitionskosten für eine Tiefgarage und den laufenden Kosten der Pflege und Bewässerung der Grünanlage kann Pilz keine konkreten Antworten geben. Er verweist darauf, dass der Bau der Tiefgarage im Gegensatz zum Bau eines Pendlerparkplatzes keine öffentlichen Zuschüsse erhalten werde. Außerdem könne man viele Fragen erst nach der Bekanntgabe eines endgültigen Stadtkonzepts klären, so Pilz.

Bürger entscheiden selbst

Laut dem Bundesministerium für Umwelt sind die Städte Nürnberg, Köln und Bonn mit Konzepten wie „Stadtgrün auf Reise“ und „Master Grün 3.0“ Vorreiter in Sachen Verbesserung der eigenen Stadtqualität. Außerdem stellten die Verantwortlichen des Ministeriums die weltweit wachsende Bedeutung des Themas Stadtgrün fest. Ob und inwieweit Würzburg mit diesen Entwicklungen Schritt halten kann, zeigt sich beim heutigen (2. Juli) Bürgerentscheid. Dann entscheiden die Würzburger selbst über die Gestaltung ihrer Innenstadt.

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