The World Is Not Enough – Wie eine globale Identität unseren Planeten retten kann

„Gruppen bringen es“ – das betont Prof. Dr. Reese in seinem Vortrag an der Universität Würzburg. Foto: Lisa Geißendörfer

Studien weisen uns hohes Umweltbewusstsein nach, dennoch verhalten wir uns in vielen Situationen kaum umweltgerecht. Dieser Anomalie geht Prof. Dr. Gerhard Reese in seiner Forschung an der Universität Koblenz-Landau auf den Grund. In einem Vortrag zum Thema „Soziale Identität und Umweltverhalten“ an der Uni Würzburg ließ er interessierte Studierende daran teilhaben. Seine These: Eine globale Identität führt zu Nachhaltigkeit.

von Lisa Geißendörfer

Weltumspannende Identität als Instrument des Wandels

Um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen sei es maßgeblich, eine globale Gruppenidentität in Form einer Weltbürgerschaft, der sogenannten „Global Citizenship“ zu schaffen. Das betont der Referent an diesem Abend immer wieder. Je stärker wir uns selbst als Weltbürger wahrnähmen, desto höher seien die Wirksamkeitserwartungen unseres Handelns und desto umweltbewusster verhielten wir uns.

Wichtig sei daher, dass Umweltschutz als gemeinsame Aufgabe wahrgenommen wird. „Auf kollektiver Ebene können sich Menschen zu effektiven Konglomeraten zusammenfügen“, erklärt Reese. Die soziale Identität, also der Teil unserer Persönlichkeit der sich aus der Mitgliedschaft in Gruppen ergibt, trage stark zu unserem Selbstkonzept bei und führe dazu, dass wir uns im Sinne der Gruppe verhalten. So gehe aus einer stärkeren Identifikation mit der lokalen Gemeinschaft beispielsweise ein sparsamerer Umgang mit Wasserressourcen hervor. „Kollektive Identität ist das Vehikel für sozialen Wandel“, bekräftigt der Forscher. Ganz entscheidend sei dabei, als wie wirksam sich die Gruppe selbst wahrnimmt.

Das Dilemma von Haltung und Handlung

Reese hebt hervor, dass der weltweite Ressourcenverbrauch im Jahr 2010 so hoch gewesen sei, dass langfristig etwa 1,5 Planeten nötig wären, um diesen zu kompensieren. Kein Wunder daher, dass die europaweite Mehrheit der Bevölkerung laut Befragungen eine Energiewende befürworte.

Und dennoch schiene umweltbewusstes Handeln nicht im Alltag angekommen zu sein, betrachte man etwa die weltweiten Berge an Verpackungsmüll oder den Boom an Flugzeugfernreisen. „Wir haben also ein sehr starkes Naturbewusstsein, setzen es in der Regel aber nicht in entsprechendes Verhalten um“, so Reese. „Das Problem ist, dass die Auswirkung für die Umwelt auf individueller Ebene gering ist. Egal ob ich fliege oder nicht fliege, ich werde das Resultat dieser Entscheidung niemals sehen.“

Umsetzungsschwierigkeiten in der Praxis

Dennoch äußert sich Reese auch kritisch: „Global Identity, eine globale Identität, als Konzept ist schön – aber paradox“. Betrachte man etwa Werte, die Teil des Weltbürgertums sind, wie Freihandel, dann werde deutlich, dass Globalität ambivalente Wirkungsweisen hat. Offene Forschungsfragen bestünden außerdem darin, wie globale Identität gefördert werden könne. Denkbar sei hier beispielsweise mehr Bildung oder die Zunahme von internationalen Verflechtungen. Allerdings sei zu bedenken, dass umweltgerechtes Verhalten erst dann relevant werde, wenn andere Bedürfnisse bereits erfüllt seien – und das sei gerade in ärmeren Ländern noch lange nicht der Fall.

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