Von Angst und Wut getrieben

(v.li.) Ralf Stegner (SPD) in der Diskussion mit Michael Reinhard (Main-Post) und Moderator Prof. Kim Otto. Foto: Franziska Lamp

Um das Spiel mit Angst und Wut und die Emotionalisierung von Wahlkämpfen über die Medien ging es bei den zweiten „Würzburger Mediengesprächen“ an der Uni Würzburg.

von Christina Herzich

Würzburger Mediengespräche: „Dieser Wahlkampf wird ein Wahlkampf ganz anderer Qualität“

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) und SPD-Vize Ralf Stegner – die „Meister der Zuspitzung“, so Main-Post Chefredakteur Michael Reinhard. Außerdem auf dem Podium: Moderator Kim Otto, Professor für Wirtschaftsjournalismus (Uni Würzburg), Kommunikationswissenschaftler Professor Wolfgang Schweiger (Uni Hohenheim) und der Leiter des Verifizierungsteams des Bayerischen Rundfunks (BR) Stefan Primbs.

Von Emotionalisierung und Populismus

Entgegen der Erwartungen rückten emotionsgeladene Themen wie die Flüchtlingskrise oder der Terrorismus in den Hintergrund der Veranstaltung. Laut Schweiger würden diese in der öffentlichen Debatte erst im Zuge von Zuwanderung oder eines Anschlags an Bedeutung gewinnen. Söder betonte, dass es die Aufgabe der Politik sei, die Sorgen der Bürger aufzugreifen, was nicht mit dem Schüren von Ängsten gleichzusetzen sei. Stegner entgegnete: „Wenn Sie nach einem Anschlag twittern, wir müssen jetzt über Zuwanderung reden“, sei dies falsch. Die Frage Ottos, ob Söder Populist sei, verneinte er: „Populisten sind Leute, die Ressentiments schüren und keine Lösungen haben“.

Was wir von Trump lernen können

Wie wirksam die Emotionalisierung von Wahlkämpfen sei, zeige die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der sich gegen die „technokratische“ Hillary Clinton durchsetzte. Durch die Produktion eines Feindbildes und unter dem Stichwort der „Elitenverdrossenheit“ bot Trump den Bürgern Raum für ihre Ängste, wodurch sich diese verstanden fühlten. Er besitze den „Stallgeruch einfacher Leute“ – ein schlichter Geselle, der zu Macht gekommen sei, so Schweiger. Damit wirke er authentisch. Stegner zufolge benutze Trump einfache, für jedermann verständliche Worte. Das könnten wir von ihm lernen, führt er fort.

Bedeutung für den deutschen Wahlkampf

Auf die Frage des Moderators, welche Art von Wahlkampf die beiden Politiker erwarten, antwortete Söder, dass sich der Fokus von innen- auf außenpolitische Themen verlagern würde. Söder zufolge fordere die Wahl Trumps und damit verbunden die Veränderung der Weltordnung die innenpolitische Stabilität Deutschlands heraus. Das Resultat: Das Bedürfnis der Bürger nach fortlaufender Sicherheit, das die CDU mit Angela Merkel repräsentiere. Stegner hingehen vertritt die Auffassung, mit Gerechtigkeitsfragen Wähler für sich gewinnen zu können. Ausschlaggebend sei die Frage, ob man lieber zwei Milliarden Euro in militärische Aufrüstung oder in Familien investiere. Damit sei „Martin Schulz näher an den Problemen normaler Menschen dran“.

Die Rolle der Medien

Emotionalisierung gab es laut Reinhard auch in früheren Wahlkämpfen. Journalismus brauche, wie auch die Politik selbst, Zuspitzung. Anders sei es nicht möglich, komplexe Themen ansprechend „in 80 Zeilen“ darzustellen. Der Job von Journalisten sei es, zu vereinfachen, aber dennoch faktengestützt zu informieren. Laut Schweiger sei das Fernsehen nach wie vor das Medium, mit dem große Aufmerksamkeit erzielt werden könne. Allerdings sei der Meinungsbildungseinfluss der sozialen Medien durch die öffentliche Bürgerkommunikation höher.

Die Würzburger Mediengespräche sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Universität Würzburg und der Medienhäusern Main-Post, Bayerischer Rundfunk und Vogel Business Media.

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