„Die Weltsicht von Leuten umzudrehen ist relativ schwer“

„Was mir an dieser Auftragsforschung auch gefallen hat war, dass man sicher wusste, dass es danach jemand liest“: Thomas Zwick in seinem Büro. Foto: Claudia Werner

An einem großen Tisch mitten im Büro sitzt ein zurückhaltender Mann mittleren Alters. Hinter ihm ein Bücherregal mit verschiedenen Fachbüchern der Wirtschaftswissenschaften. Ein großer Eckschreibtisch steht vor einer Fensterfront mit dem Blick auf ein paar Bäume. Drei Pflanzen zieren das Büro, das ansonsten wenig Dekoration aufweist. Es passt zu dem Herren, der am Tisch sitzt. Sein Leben ist geprägt von fachlichen Erfolgen, prahlen hört man ihn jedoch nicht.

von Claudia Werner

Prof. Dr. Thomas Zwick promovierte an der Universität Maastricht. Schon damals war das Thema Humankapital und Arbeitslosigkeit Inhalt seiner Forschung. Doch den heutigen Inhaber des Lehrstuhls für Personal und Organisation an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Julius-Maximilians Universität Würzburg hielt zu diesem Zeitpunkt nichts an der Uni. Nachdem er ein paar Monate am Ende der Promotionszeit in der Schweiz bei Ernst Fehr, Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung am Institut für Volkswirtschaftslehre, gearbeitet hatte, zog es ihn in die Praxis. „Ich hatte mich nach der Promotion ganz bewusst dagegen entschieden an der Uni zu bleiben“. Praktische Erfahrung sammeln sei für ihn zu dieser Zeit der einzig logische Schritt gewesen, um sich weiterzuentwickeln und „wettbewerbsfähiger“ zu werden, wie er selbst sagt. „Die meisten meiner Kollegen sehen außer der Uni nichts“, sagt Zwick. Er habe einen eher unüblichen Weg eingeschlagen und war dadurch auch ein „ziemlich alter“ Professor, als er wieder zurück in die Lehre wechselte.

Weg vom Elfenbeinturm Uni

Zehn Jahre lang war er nach seiner Promotion erst als wissenschaftlicher Mitarbeiter dann als stellvertretender Forschungsbereichsleiter am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim beschäftigt. Dort hatte er die Möglichkeit die Dinge, an denen er forschte auch zu kommunizieren. „Was mir an dieser Auftragsforschung auch gefallen hat war, dass man sicher wusste, dass es danach jemand liest“, sagt Zwick schmunzelnd. Ganz anders als im „Elfenbeinturm Uni“.

In der Praxis gelten jedoch ganz andere Regeln als an der Uni. Das bekam auch er zu spüren. Seine Arbeiten wurden von Politikern, arbeitgeber- und arbeitnehmerorientieren Verbänden und Lobbygruppen aufgegriffen, aber es waren immer unterschiedliche Arbeiten. „Es war nie so, dass die Gewerkschaften etwas toll fanden, was auch Arbeitgeberverbände toll fanden und umgekehrt.“ Seine Idee sei es anfangs gewesen, Leute von Dingen zu überzeugen, „die ihnen zunächst mal gegen den Strich laufen“. Allerdings habe Zwick schnell feststellen müssen, dass man Leute zwar für Sachen begeistern könne, die sie schon vermutet hatten, aber „die Weltsicht von Leuten umzudrehen ist relativ schwer“. Solange man aus den Erkenntnissen einen Mehrwert für Unternehmen herausziehen könne, ließen sich viele dafür begeistern, dennoch gebe es auch diejenigen, die sagten „Da brauche ich keine Forschung, das weiß ich sowieso alles“.

Zurück in die Wissenschaft und Lehre

Durch seine forschungsorientierten Tätigkeiten wurde er im Jahr 2006 als Habilitand von Bildungsexpertin Uschi Backes-Gellner an der Universität Zürich angenommen. So wurde der Wechsel von der Praxis zurück in die Wissenschaft eingeleitet und durch einen Ruf der Ludwig-Maximilians Universität München 2008 komplett vollzogen. Dort hatte er bis zum Jahr 2012 die Professur für Human Resource Management inne. „Um mich weiterzuentwickeln habe ich mich dann von dort an weiteren Universitäten beworben.“ So entschied er sich nach vier Jahren in München seine Karriere an der Julius-Maximilians Universität Würzburg weiterzuführen.

Dass es ihn nach seiner Erfahrung in der Praxis an die Universitäten in München und Würzburg verschlagen hat, sei gar nicht so verwunderlich. Professuren seien sehr spezifisch ausgeschrieben. Je nach Vorgeschichte des Bewerbers, bewerbe man sich dort, wo die Ausrichtung am besten zu der eigenen Forschung passe. Tatsächlich sei es nämlich so, dass Universitäten in manchen dieser Ausrichtungen eine Tradition haben, die sie gerne aufrechterhielten. So auch München und Würzburg. „Sowohl die Professur in München als auch die in Würzburg war traditionell eher ökonomisch ausgerichtet und hat dadurch auf meine Art der Herangehensweise besser gepasst als Professuren, die eher managementorientiert ausgerichtet waren“, erklärt Zwick.

In seiner Forschung beschäftigt sich der Inhaber des Lehrstuhls mit Managementthemen aus ökonomischer Sicht. So sind z.B. die Auswahl von Bewerbern mit unterschiedlichem Bildungshintergrund und Kosten-Nutzen-Rechnungen bei der Wahl des Bildungswegs Themen seiner Untersuchungen. Das Thema Bildung und Weiterbildung greift der Professor auch in seiner Forschung rund um Arbeitsmärkte für Ältere auf. Er untersucht, welchen Einfluss Betriebe oder Individuen darauf haben, wann Arbeitnehmer in Rente gehen. Dieses Thema zieht sich schon durch seine ganze Hochschulkarriere und ist nun auch in Würzburg ein wichtiger Bereich seiner Forschung. Für ein laufendes Projekt zu diesem Thema haben seine Kollegen und er neue Fördergelder beantragt. „Die Einreichung war gerade letzte Woche und das ist somit aktuell das große Thema bei uns. Wir hoffen darauf, dass es klappt.“ In seiner Stimme schwingt Aufregung mit. Denn würde der Antrag genehmigt, könne man an dem Thema weiterforschen und die Forschungsergebnisse könnten wiederum die Arbeitsagenda für die nächsten Jahre beeinflussen.

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