Der Single Malt aus Ochsenfurt

Old Owl Whisky mit Fass
Nach der Lagerung wird der Whisky auf 43 Prozent verdünnt und in Flaschen abgefüllt. Für Kenner wird auch eine unverdünnte Abfüllung direkt aus dem Fass angeboten. Foto: Rebecca Vogt

Dass Whisky nicht zwangsläufig aus Schottland, Irland oder den USA kommen muss, zeigt das Ochsenfurter Unternehmen Kauzen-Bräu. Seit 2011 stellt die unterfränkische Brauerei mit „Old Owl“ ihren eigenen Whisky her.

Von Rebecca Vogt

Der Inhalt der Flasche schimmert bernsteinfarben. „Old Owl – feinster fränkischer Single Malt Whisky“ steht auf einem weißen Etikett. „Destilliert 2013, abgefüllt 2016.“ Öffnet man die Flasche und schenkt sich einen kleinen Schluck ein, strömt einem schon vor dem Probieren ein intensives Aroma entgegen. Es riecht nach Honig, ein wenig nach Mandel. Beim Trinken dann überwiegt der Mandelgeschmack. Was aber nicht bei jedem, der sich einen Schluck zum Testen genehmigt, so sein muss. Denn die Wahrnehmung ist Sache der individuellen Geschmacksnerven. „Bei der Vorstellung im vergangenen Jahr hat jemand gesagt: ‚Der schmeckt total nach Mandeln.‘ Ein anderer meinte: ‚Das ist nicht wahr, der schmeckt total nach Honig.‘“, erinnert sich Otto Resch, Braumeister bei Kauzen-Bräu, wo seit sechs Jahren unter dem Namen „Old Owl“ (engl.: alte Eule beziehungsweise Kauz) Single Malt Whisky hergestellt wird.

Auswahl der Fässer ist entscheidendes Kriterium

Whisky Fässer mit Kreide beschriftet
Drei Jahre muss der Whisky nach dem Brennen mindestens gelagert werden. Die Brauerei setzt hier auf Barrique-Fässer. Foto: Rebecca Vogt

„Der Aktuelle ist wirklich sehr komplex und vielschichtig. Der hat viele Nuancen“, fährt Resch begeistert fort. „Das hätte ich so nie erwartet.“ Eine entscheidende Rolle für den späteren Geschmack spielen die Fässer, in denen der Whisky gelagert wird. Diese sucht sich Braumeister Resch bei ausgewählten Winzern aus. „Ich begutachte die Fässer, rieche daran. Damit wirklich das rauskommt, was ich mir so vorstelle“, erklärt er. Verwendet werden bei Kauzen-Bräu Barrique-Fässer, in denen zuvor ein oder zwei Jahrgänge fränkischen Rotweins gelagert wurden. Wie wichtig die Auswahl des richtigen Fasses ist, unterstreicht auch Brauereichef Karl-Heinz Pritzl: „Man denkt sonst immer als Laie: ‚Holz ist Holz.‘ Aber da bestehen gewaltige Unterschiede.“ Während der Lagerzeit nimmt der Whisky dann das Aroma vom zuvor im Fass gelagerten Rotwein und auch vereinzelt Gerbstoffe des Holzes auf. Die Fässer für den 2016er Whisky seien damals schon vom ersten Geruchseindruck sehr gut gewesen, berichtet Resch. Ein guter Wein schlage sich dann eben später im Whisky nieder.

Brennrecht und Brennanlage bereits vorhanden

Mann macht eine Whisky Probe
Braumeister Otto Resch überwacht den Brennvorgang. Nur der Mittellauf des gewonnenen Alkohols wird für den Whisky verwendet. Foto: Rebecca Vogt

Die Idee, Whisky herzustellen, entstand im Jahr 2010. Anders als man meinen könnte, war der Schritt dorthin kein Großer. Bereits seit der Jahrtausendwende wird auf dem Brauereigelände eine andere Spirituose produziert: Bierbrand. So waren sowohl eine Brennanlage, Destille genannt, als auch ein entsprechendes Brennrecht „für mehlhaltige Stoffe“ bereits vorhanden. Die Zutaten schließlich entsprechen denen, die auch zum Bierbrauen benötigt werden: Gerstenmalz, Wasser und Hefe. Lediglich der Hopfen kommt beim Whisky nicht hinzu. „Die Lagerung vom Whisky – da hab ich mich einlesen und auch viel dazulernen müssen“, erzählt Resch. Begünstigend kam hinzu, dass Resch in einem Betrieb groß wurde, der auch Spirituosen verkaufte, und so über die Jahre eine Leidenschaft für den Whisky entwickelt hat. „Ich schätze einen guten Whisky und habe verschiedene schottische und irische Whiskys zuhause“, erzählt er.

Mindestens drei Jahre muss der Whisky gelagert werden

Mann blickt in den Maischebottich
Braumeister Otto Resch wirft einen prüfenden Blick in den Maischebottich im Sudhaus. Foto: Rebecca Vogt

Von Anfang an sei aber auch klar gewesen, betont Brauereichef Pritzl: „Wenn wir’s schon machen, dann muss es gut sein.“ Am Ende soll ein qualitativ hochwertiger Whisky angeboten werden können. Hauptgeschäft ist aber nach wie vor das Bierbrauen. Die Whisky-Produktion beginnt bei Kauzen-Bräu mit dem Einkauf des Gerstenmalzes. In Sudhaus und Gärkeller wird dann aus Gerstenmalz, Wasser und Hefe die sogenannte Maische hergestellt und vergoren. Der durch den Gärprozess entstandene Alkohol kann anschließend beim Brennen in der Destille auf 77 bis 80 Prozent konzentriert werden. Dann kommt das Destillat in die Fässer. Während der Lagerzeit prüft Braumeister Resch immer wieder, wie sich der Whisky entwickelt. Um das Produkt Whisky nennen zu dürfen, ist eine Lagerzeit von mindestens drei Jahren einzuhalten. Nach dieser wird der Whisky auf 43 Prozent verdünnt und in Flaschen abgefüllt. Aktuell befindet sich auch noch ein Fass des 2013er Brandes im Lager. „Das lagern wir jetzt mal fünf Jahre“, erklärt Resch, „damit wir auch mal einen etwas älteren Whisky machen können.“

Heimisch und international erfolgreiches Produkt

Insgesamt kommt der Whisky aus Ochsenfurt bei den Konsumenten gut an. „Die Leute waren überrascht und extrem neugierig, wie der Whisky schmeckt“, erzählt Brauereichef Pritzl von den ersten Reaktionen. 1600 Flaschen umfasste die erste Abfüllung aus dem Jahr 2014. Diese sei dann relativ schnell ausverkauft gewesen, fügt Pritzl an. Die 2015er-Abfüllung habe sich ebenfalls schnell verkauft. Auch der Absatz der aktuellen Abfüllung aus dem Jahr 2016 laufe gut. International ist man inzwischen auf den Whisky aus Ochsenfurt aufmerksam geworden. Whisky-Kenner Jim Murray zeigte sich begeistert und widmete dem Ochsenfurter Single Malt in seiner Whisky-Bibel 2017 gleich einen kompletten Absatz. Und bei der „International Wine & Spirit Competition“ (IWSC), einem in England stattfindenden Wettbewerb für Weine und Spirituosen, gewann „Old Owl“ im ersten Anlauf eine Bronzemedaille. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Uwe Meuren, zuständig für Einkauf und Marketing bei Kauzen-Bräu. „Für einen deutschen Whisky ist das schon eine beachtliche Leistung.“

Der deutsche Whisky-Markt:

Mit dem Erfolg des Slyrs, einem Whisky aus Oberbayern, im Jahr 2002 hätten plötzlich viele Brenner damit begonnen, neben Obstbränden auch Whisky herzustellen, erklärt Jürgen Müller, Betreiber des Online-Portals Deutsche-Whiskys.de. Einen Boom sieht Müller aktuell nicht, aber: „Whisky trinken ist seit einigen Jahren wieder angesagt.“ Die Anzahl der Brennerei-Neueröffnungen sei nach wie vor hoch, berichtet Horst Lüning, der mit Whisky.de ebenfalls ein Online-Portal betreibt. „Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht über das Erscheinen eines neuen deutschen Whiskys informiert werde.“  Der deutsche Whisky spiele eher lokal eine Rolle, marktbeherrschend seien nach wie vor schottische, irische und US-amerikanische Whiskys.

Über Kauzen-Bräu:

Die 1809 gegründete Brauerei mit Sitz in Ochsenfurt befindet sich seit 1848 in Familienbesitz. Im Laufe der Jahre wechselte sie mehrmals den Namen – bis 1972 zu Kauzen-Bräu umfirmiert wurde. Der Name geht auf den Kauzentrunk zurück, mit dem in der Stadt Ochsenfurt Gäste willkommen geheißen werden. Aktuell beschäftigt die Brauerei 33 Mitarbeiter. Hergestellt werden Bier, Limonaden, Bierbrand und Whisky.

© Main-Magazin 2017

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