100 Jahre Lions Club:
Tradition, Gemeinschaft, Lebensaufgabe

Mitglieder des Lions Clubs Würzburg
Mitglieder des Lions Clubs Würzburg bei der Veranstaltung "Safari ins fränkische Weinland" mit Old-Timer Mercedes-Bus. Foto: Max Berthold

Der Lions Club International engagiert sich weltweit für soziale Projekte. In diesem Jahr feiert die Organisation ihr 100-jähriges Jubiläum. Auch in Mainfranken sind die Lions seit vielen Jahren aktiv. Mitglieder berichten von ihren Erfahrungen und ihrer Motivation.

Von Jennifer Brach

Vom Bingo-Spielen im Seniorenzentrum über Benefizveranstaltungen und Spendenaktionen bis hin zu praktischen Hilfsprojekten in Afrika: Die Liste der „Activities“ des Lions Club International ist lang. In über 200 Ländern ist die Organisation aktiv. „We serve – wir dienen“, lautet dabei das Motto der weltweit rund 1,4 Millionen Lions-Mitglieder. Sie alle haben es sich zur Aufgabe gemacht, sich für die Gesellschaft einzusetzen und Menschen in Not zu unterstützen.

Friedenplakatwettbewerb 2016/2017
Friedenplakatwettbewerb 2016/2017. Wahl des Distrikt-Siegerplakats. V. l.: Die Juroren Dr. Nico Kirchberger (stellv. Direktor des Museums Kulturspeicher in Würzburg), Prof. Hermann Gerlinger, Uschi Siewert, Jutta Künast-Ilg (Distriktgovernor des Lions Distrikts Bayern-Nord), Irene Meeh (Kunsthistorikerin), Bettina Zuckle (Lehrerin Grund- und Mittelschule Gerbrunn) und Dr. Max Berthold (Lions Club Würzburg). Foto: Max Berthold

Im Jahr 2017 feiern die Lions ihr großes Jubiläum: 100 Jahre ist es her, seit der Chicagoer Geschäftsmann Melvin Jones am 7.Juni 1917 die „Association of Lions Clubs“ ins Leben gerufen hat. Heute fasst die weltgrößte Service-Organisation etwa 50.000 einzelne Clubs – davon fast 1.500 allein in Deutschland. Auch in Mainfranken blicken die Lions auf eine lange Tradition zurück: Bereits 1955 wurde der erste Club in Würzburg gegründet. Über die Jahre kamen stetig neue dazu, sodass es heute mehr als 20 Clubs in der Region gibt. Der Lions Club Würzburg ist nicht nur der älteste, sondern mit aktuell 56 Mitgliedern auch der größte Club in Mainfranken.

Das Gefühl von Gemeinschaft

Max Berthold ist schon über zwei Jahrzehnte dabei: Seit 1989 ist der promovierte Jurist Mitglied im Lions Club Würzburg, zuvor war er 19 Jahre lang im Emsland aktiv. Bereits sein Vater war Mitglied der Lions-Bewegung. „Ich war quasi infiziert“, lacht der 77-Jährige. Jedoch habe er auch selbst rasch gemerkt, dass die anderen Mitglieder ähnliche Vorstellungen und Prinzipien haben wie er. „Das hat mich dazu motiviert, mich intensiver mit der Idee des Lions Club auseinanderzusetzen“, so Berthold. Anfangs sei der Lions Club  noch eher ein „Portemonnaie-Club“ gewesen, dessen Mitglieder aus wohlhabenden Kreisen stammten und die finanziellen Mittel für die gemeinnützigen Projekte selbst bereitstellten. Heute hingegen finanziert der Club seine Aktivitäten vor allem durch geldbringende Maßnahmen wie das Veranstalten von Benefizkonzerten oder den alljährlichen Verkauf des Lions Club Adventskalenders. Für diesen Schritt habe sich Berthold damals stark gemacht: „1972 haben wir das erste Mal eine Tombola veranstaltet und dadurch 3000 Mark eingenommen“, erzählt er freudig.

Obwohl beim Lions Club das wohltätige Handeln im Vordergrund steht, ist die Mitgliedschaft auch mit einem gewissen Status verbunden. So kann nicht jeder dem Club beitreten, sondern muss zunächst von einem anderen Mitglied vorgeschlagen werden. Für Berthold ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl wichtig. Der Lions Club sei sein Freundeskreis. Gerne erinnert er sich an die gemeinsame Weinsafari mit einem Oldtimer-Bus im vergangenen Sommer zurück – das sei ein tolles Erlebnis gewesen. Der Lions Club bedeutet dem Witwer viel und er ist stolz, bald 50 Jahre dabei zu sein.

Siegerehrung im Röntgen-Gymnasium Würzburg
Friedensplakatwettbewerb 2015/2016. Siegerehrung im Röntgen-Gymnasium Würzburg. V. l.: Kunsterzieher Zimmermann, Siegerinnen der Klassen 6a und 6b, Kristine Kobsar und Hannah Oschmann, Dr. Max Berthold, Lions Club Würzburg. Foto: Max Berthold

Auch auf Distriktebene engagiert sich der Rentner und ehemalige Personalleiter der Firma Noell. Im Kabinett des Distrikts Bayern-Nord hat er verschiedene Aufgaben. Unter anderem betreut er die vier Lions Clubs in Würzburg und die im Umkreis. Seit zwei Jahren ist er für den jährlich stattfindenden internationalen Friedensplakat-Wettbewerb zuständig, bei dem  Schüler Plakate zum jeweiligen Jahresthema malen. Eine Jury bestimmt anschließend das Sieger-Plakat, welches den Distrikt dann im Wettbewerb gegen die anderen 18 Distrikte in Deutschland vertritt.

Als Nikolaus im Kindergarten

Anderen Menschen helfen will auch Nicolas Scheuplein. Der 25-jährige Chemiestudent ist seit dreieinhalb Jahren Mitglied im Leo Club Würzburg, der Jugendorganisation des Lions Clubs. Im vergangenen Jahr war er Präsident und vertrat die Leos nach außen, jetzt ist er Schatzmeister und damit für die Verwaltung des Vereinskontos zuständig. „Auf den Leo Club bin ich damals durch einen Kommilitonen aufmerksam geworden, der jedes Jahr als Nikolaus verkleidet in den Kindergarten gegangen ist“, erzählt Scheuplein. Er habe diesen dann zu einem Clubtreffen begleitet und dort viele Gleichaltrige mit ähnlichen Interessen und Ansichten kennen gelernt. „Und jetzt bin ich selbst seit drei Jahren der Nikolaus“, lacht der Student.

Leo Club Übergabe mit Kuscheltier
Übergabe der Präsidentschaft im Leo Club Julius Echter Würzburg im Juni 2016. V. l.: Barbara Klinger (neue Präsidentin 2016/2017) mit dem Löwe-Maskottchen und Nicolas Scheuplein (alter Präsident 2015/2016). Foto: Max Berthold

Die Aktivitäten des Leo Clubs haben ihm gleich gefallen: „Die Mitglieder sind zwischen 16 und 30 Jahre alt, deshalb machen wir vor allem Aktionen für die junge Zielgruppe“, so der Schatzmeister. Zum Beispiel organisieren sie jährlich einen Glühweinverkauf auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt und spenden den Gewinn an soziale Einrichtungen. „Wir haben uns auch schon mit einem Einkaufswagen vor den Edeka gestellt und Spenden und Lebensmittel für Bedürftige gesammelt“, erzählt Scheuplein begeistert. Ein Highlight sei für ihn das Event „Profs legen auf“, bei dem Professoren der Universität Würzburg als DJ im Club Musik auflegen. Obwohl Scheuplein gerade seine Masterarbeit schreibt und im Studium viel zu tun hat, nimmt er sich Zeit für die Clubaktivitäten. Seinen Wechsel zum Lions Club mit Erreichen des Höchstalters für Leo-Mitglieder hat er schon fest geplant: „Ich betrachte das als Lebensaufgabe und bin mir sicher, dass ich danach zu den Lions gehe“.

Winterkleidung, eine warme Mahlzeit und Ausflüge

Während die Mitgliedschaft bei den Lions lange Zeit ausschließlich Männern vorbehalten war, existieren heute auch zahlreiche gemischte Clubs wie der Lions Club Würzburg Löwenbrücke. Reine Frauenclubs gibt es dagegen nur selten. Dagmar Kröplin ist ehemalige Präsidentin des Lions Club Löwenbrücke und zugleich Vorsitzende des Hilfswerks für Kinder. Gemeinsam mit Club-Mitglied Kathrin Reinhard setzt sie sich seit einigen Jahren für das Kinderhaus St. Albert in der Lindleinsmühle ein.

„Viele der Kinder im St. Albert stammen aus Migranten- und sozial schwachen Familien“, erklärt die Einrichtungsleiterin Bärbel Deckler. Mit dem Geld, das der Lions Club dem Kindergarten gespendet hat, konnte beispielsweise warme Winterkleidung für einen der Jungen gekauft werden. Über den Lions Club Löwenbrücke sei außerdem der Kontakt zur Würzburger Tafel entstanden, die das Kinderhaus seit März 2016 mit Essen beliefere. „Damit können wir allen Kindern eine warme Mahlzeit zubereiten“, so Deckler. Auch Ausflüge werden durch die Spendengelder ermöglicht: „Dank der finanziellen Hilfe können auch die Kinder mitkommen, deren Eltern kein Geld für Bustickets oder Eintrittskarten haben“, erzählt die Leiterin und man merkt ihr die Freude darüber deutlich an.

© Main-Magazin 2017

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