Schöpfer einer Tattoo Revolution

Tätowierter männlicher Oberkörper
Dieses Tattoo ist ein künstlerisches Werk von Volker Merschky und Simone Pfaff – Tätowierer aus Würzburg. Foto: Buena Vista Tattoo Club

Im Buena Vista Tattoo Studio in Würzburg werden Geschichten auf der Haut erzählt. Der von den Inhabern erfundene Stil  „Realistic Trash Polka“ gilt als einzig­artig in der Szene. Anders als in anderen Studios kaufen Kunden hier fertige Entwürfe der Künstler und werden so zur mensch­lichen Leinwand.

Von Christian Soja

Hinweis: Beim folgenden Artikel handelt es sich um einen PR-Text.

Schwarze Elefanten schreiten über die Brust der Person, vorbei an einem verdorrt wirkenden Baum. Über den Elefanten und gleichzeitig partiell in den Baum herein­ragend, erkennt der Betrachter einen roten Farb­klecks, der auf den ersten Blick an Blut erinnert. Links davon wiederum befindet sich ein über­dimensional wirkender Nashorn­kopf, der große Teile der Schulter und der Brust ein­nimmt und aufgrund seiner feinen Aus­arbeitung nahezu real erscheint. Am Unter­arm stehen Zebras an einem Wasser­loch, spiegeln sich beim Trinken in der Ober­fläche des Wassers, während auf dem rechten Arm eine schwarze Person im Gras unter einem Baum zu stehen scheint. Umrahmt werden diese Bild­eindrücke von grafischen Elementen wie Linien oder geo­metrischen Formen.

„Realistic Trash Polka“ als unverwechselbarerer, innovativer Tattoo Stil

Was zunächst scheint wie un­heim­liche Phantasien aus einem Traum, ist ein künstlerisches Werk von Volker Merschky und Simone Pfaff, das 2016 auf dem Körper eines Kunden ver­wirk­licht wurde. Den beiden Tätowierern aus dem Buena Vista Tattoo Club in Würzburg ist ge­lungen, wovon viele Künstler in ihrem Leben nur träumen können. Sie haben mit „Realistic Trash Polka“ einen eigenen Stil ge­schaffen, der sie in der Szene inter­national berühmt ge­macht hat. „Eine eigene Hand­schrift haben viele Künstler“, sagt Volker Merschky. „Dass wir es geschafft haben einen Stil zu entwickeln, der welt­weit anerkannt und geschätzt wird, macht uns sehr stolz.“ Ihre Stil­richtung wird in inter­nationalen Tattoo-Fach­magazinen oft als revolutionär, inno­vativ und tech­nisch perfekt beschrieben und hat mit klassischen Tattoo-Motiven und Darstellungs­weisen wenig bis gar nichts gemein. Statt­­dessen kombinieren sie naturalistische und foto­realistische Motive mit grafischen Elementen und Typo­grafie. Die klaren Motive mit starker Symbolik und prägnanten knappen Texten scheinen zum Nach­denken anregen zu wollen und wirken dabei oft melancholisch und düster. Seit dem Jahr 1998, als der Stil das erste Mal tätowiert wurde, hat sich der Buena Vista Tattoo Club in der Szene zu einer Institution entwickelt.

„Es ist nicht genau möglich zu beschreiben, was wir fühlen oder denken.“

Die beiden Künstler tätowieren ihren Stil aber nicht nur – sie leben ihn. Das wird deutlich als Volker Merschky den Stil näher zu definieren versucht: „Realistic Trash Polka kann man nur schwierig beschreiben, weil es eigentlich kein Stil ist, sondern ein Name, den wir unserem gesamten künstlerischen Schaffen gegeben haben“, erklärt er. „Es umfasst unter anderem unsere Musik, unser Malen und natürlich unsere Tattookunst. Es ist einfach nicht genau möglich, den Leuten zu beschreiben, was wir fühlen oder denken während wir unsere Arbeit machen.“ Neben ihrer Tätig­keit als Tätowierer haben Merschky und Pfaff die Band Dobbs Dead gegründet, deren Werke von den Künstlern als „morbider country folk“ beschrieben werden. Zudem widmen sie sich der Malerei. Die dabei entstandenen Werke werden regel­mäßig in Galerien in Städten wie Paris, London oder Hamburg ausgestellt.

Sozialer Status spielt keine Rolle

Während sich die Künstler selber weniger Gedanken über gesell­schaftliche Akzeptanz ihrer Werke machen, werden Tattoos in der Gesellschaft nach wie vor leiden­schaftlich diskutiert. Schon lange sind sich Experten einig, dass Tattoos eine bestimmte Lebens­einstellung und auch Persönlich­keitsstruktur signalisieren. So geht es den Tätowierten meist um ein Hervor­stechen aus der Masse und dem Betonen ihrer Individualität. Desweiteren spielen bei den Motiven ein bestimmtes Schönheits­ideal und das Zugehörig­keits­gefühl zu einer bestimmten Gruppe eine Rolle. In einer Studie fanden Experten der Gesell­schaft für Konsum­forschung für die Dermato­logen der Uni Bochum im Jahre 2014 heraus, dass zu diesem Zeit­punkt rund 6,3 Millionen Menschen in Deutsch­land Tattoos als Körper­schmuck trugen. Bis heute dürfte diese Zahl weiter ange­stiegen sein. Dies liegt an der zunehmenden Akzeptanz von Tattoos als Körper­schmuck und den vielfältiger werdenden Möglich­keiten ihrer Umsetzung. Des­weiteren stellte sich bei der Studie heraus, dass der soziale Status bei der Frage, ob jemand tätowiert ist, keine Rolle spielt. So besteht, entgegen viel­läufiger Annahmen, keinerlei Zusammen­hang mit Schul­bildung, Einkommen oder Beruf.

Änderungswünsche der Kunden sind nicht vorgesehen

Ein Hervorstechen aus der Masse ist den Kunden, mit dem seit dem Jahr 2000 von Merschky und Pfaff entwickelten Stil, jedenfalls sicher. Die für die Tattooszene eher unüblichen Motive, die teil­weise mit an Malerei angelegten Stilen verbunden werden, gelten als inter­national einzigartig. Ebenso beispiel­los wie die hier ausgeführte Kunst, sind die Regeln, an die sich die Kunden des Tattoo-Studios halten müssen. Anders als in anderen Studios kommt der Kunde hier nicht mit einer Vorlage zu den Künstlern. Statt­dessen entscheidet der Künstler, was beim Kunden unter die Haut kommt. Um dies heraus­zuarbeiten, führen beide Tätowierer lange Gespräche mit ihren Kunden und arbeiten anschließend ein maßge­schneidertes Konzept aus. Alternativ kann der Kunde aus bereits vorge­fertigten Arbeiten der Künstler wählen. Diese werden anschließend an den Körper der entsprechenden Person angepasst. Der Preis für das Tattoo hängt dabei in erster Linie von der Motiv­größe ab. Ein den gesamten Rücken ein­nehmen­des Tattoo beginnt ab rund 10.000€. „Der Kunde kann bei uns wie in einer Galerie fertige Entwürfe kaufen“, erklärt Volker Merschky. „Alternativ kann er uns auch ein Thema nennen, zu dem wir dann nach unserer Vor­stellung Konzepte und Designs entwickeln.“ Das war es dann aber auch schon mit dem Mitsprache­recht des Kunden.

„Der Körper fungiert als unsere Leinwand“

Beide Künstler legen höchsten Wert darauf nur eigene Entwürfe mit eigenen Farb­kompo­sitionen zu stechen. Dies verhindert Fließ­band­arbeit, wie sie teilweise in anderen Studios der Fall ist. Stattdessen wird exklusive Kunst am lebenden Objekt umgesetzt. „Der Körper ist uns gegeben und wir nutzen diesen“, so Merschky. „Er fungiert als unsere Leinwand, die wir mit kleinen Ein­schränkungen nach unseren Vorstellungen gestalten können.“ Was zunächst einmal absurd klingt, wirkt schlüssig, wenn man das Tattoo mit dem Werk eines malenden Künstlers vergleicht. Diesem wird beim Erschaffen eines Werkes auch nicht von den Kunden vorgegeben, wie das Werk am Ende auszu­sehen hat. Stattdessen erhält  jeder Kunde am Ende ein „Realistic Trash Polka“-Unikat mit unver­wechsel­barem Ausdruck und einer ein­maligem Geschichte hinter dem Motiv. Und das möchten viele. Die Warte­zeit für einen Termin beträgt nicht selten über ein Jahr.

Buena Vista Tattoo Club
Peterstraße 1
97070 Würzburg
Deutschland
http://buenavistatattooclub.de/
Instagram: @buenavistatattooclub

© Main-Magazin 2017

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