Gesunde Konkurrenz
statt Verdrängungswettbewerb

Mannschaftsautos der Basketballer
Die Mannschaftsautos der Würzburger Basketballer parken in Reih und Glied vor der s.Oliver Arena. Foto: Lisa Naumann

Würzburg ist Domstadt, Weinstadt und, wenn es um Sport geht: Basketball­stadt. Die Mann­schaft von s.Oliver Würzburg erfreut sich großer Beliebt­heit. Seit dem Aufstieg der Würzburger Kickers in die 2. Fußball­bundesliga buhlt jedoch eine weitere hoch­klassige Mann­schaft um die Gunst von Zuschauern und Sponsoren.  

Von Lisa Naumann

Das Team von s.Oliver Würzburg prägt das Stadtbild wie kein anderes: Ob man die Mann­schafts­autos mit dem großen roten Basketball­aufdruck durch die Stadt fahren sieht, lebens­große Plakate der Spieler Bau­zäune auf­hübschen oder man die zahl­reichen rot-weiß beschalten Fans an Heimspiel­tagen in die Sanderau Richtung s.Oliver Arena strömen sieht – Basket­ball ist allgegen­wärtig.

Nach dem vergleichslosen Durchmarsch der Würzburger Kickers ringt nun ein zweiter hoch­klassiger Verein um gute Zuschauer­zahlen und Sponsoren­verträge in der Stadt. Vor rund fünf Jahren spielten die Fuß­baller noch vor durch­schnittlich 300 Zuschauern in der Regional­liga. Der Aufstieg in Liga drei im Sommer 2015 grenzte an eine kleine Sensation – dann kletterte das Team direkt weiter in die 2. Liga. Nach 40 Jahren spielen sie heute wieder in der zweit­höchsten deutschen Spiel­klasse – das ist für das Publikum natürlich interessant.

Steffen Liebler, Geschäfts­führer von s.Oliver Würzburg, hat den rasanten Aufstieg ebenso mit großem Interesse verfolgt: „Als Würzburger freut man sich natürlich immer für eine heimische Mann­schaft“, sagt er und erkennt neidlos an: „Die 2. Liga im Fußball ist schon eine Haus­nummer.“ Als Würzburger geht ihm das leicht von den Lippen. Sieht er das auch als Geschäfts­führer von s.Oliver Würzburg so? „In der Rolle habe ich das gleiche gedacht, wohl wissend, dass daraus jetzt ein gesunder Wett­bewerb entsteht“, fügt er hinzu.

Kickers mit großer Sogwirkung

Fußball hat zweifels­ohne eine größere Sog­wirkung als Basketball und zieht mehr Publikum an: Laut dem Top 100 Ranking Deutschland der Zeitschrift „Stadion­welt“ besuchten die Dritt­liga­spiele der Würzburger Kickers im Schnitt 5.262 Zuschauer bei einer Stadion­auslastung von nur 50 Prozent. Nach dem Aufstieg waren die Spiele in der Flyeralarm-Arena in der aktuellen Saison bislang mehr als doppelt so gut besucht.

Die Zuschauer­zahlen der Basketball-Bundesliga für die Saison 2015/16 zeigen dagegen eine 100-prozentige Auslastung bei s.Oliver Würzburg. Auch in der laufenden Saison sahen im Schnitt 3.108 Zuschauer die Spiele in der s.Oliver Arena, bei einer Auslastung von 99,0 Prozent. Die Kapazität von 3.140 Plätzen gehört allerdings zu den kleinsten der Liga und ist schnell erschöpft.

Die Plätze auf der Tribüne während der Basketballspiele in der s.Oliver Arena sind besetzt. Foto: Lisa Naumann
Alle Plätze sind während des Basketballspiels in der s.Oliver Arena besetzt. Foto: Lisa Naumann

Dennoch: Ein Abwandern der Zuschauer ist nicht zu erkennen. „Zuschauer wandern ab, wenn die sportliche Leistung nicht gebracht wird“, sagt Liebler. Tabellen­platz 14 in der 1. Basketball-Bundes­liga sorgt aktuell eher für Unzufrieden­heit. „Wenn wir die Zuschauer halten wollen, dann müssen wir besseren Basket­ball spielen“, so der Geschäfts­führer von s.Oliver Würzburg. Der Erfolg der Kickers könne da auch zu beitragen: „Das motiviert uns positiv. Wir möchten diesen Weg mitgehen.“

Neue Halle prägt wirtschaftliche Basis des Vereins

Die geplante Mehrzweck­halle nahe des Haupt­bahnhofs hat einen großen Symbol­wert, denn sie steht nicht zuletzt für die Zukunft des Basketballs in Würzburg. Die neue Arena soll Platz für 6.000 bis 8.000 Personen bieten. Zudem war sie wohl auch für den neuen Trainer Dirk Bauer­mann ein wichtiges Entscheidungs­kriterium für seine Verpflichtung in Würzburg. Die Halle prägt die wirtschaftliche Basis des Vereins und unter­mauert die sportlichen Ziele. Dennoch hat der Verein nur bedingt Einfluss auf die Planung: „Wir bauen die Halle nicht, wir sind nur ein emotionaler Treiber“, erklärt Liebler: „Wir versuchen, das Projekt positiv zu unterstützen.“ Einen Zeitpunkt für die Verwirklichung des Projektes gibt es bislang noch nicht.

Basektball mit voller Tribüne
Der Basketball in Würzburg bekommt bald ein neues Zuhause – mit knapp 8.000 Sitzplätzen soll in der Nähe des Hauptbahnhofs eine neue Halle gebaut werden. Foto: Lisa Naumann

Fast drei Jahre nach dem Abstieg aus der 1. Liga und einer finanziellen Beinahe-Pleite geht die Entwicklung wieder in die richtige Richtung: „Der Wieder­aufstieg war sehr wichtig für uns“, sagt Liebler, „wir sind unserem Sanierungs­plan voraus. Wir haben aktuell zwar noch Alt­lasten zu bewältigen, unser Ziel ist es aber, am Ende der laufenden Saison sauber da zu stehen.“ Dann bleiben immer noch zwei weitere Jahre mit dem Haupt­sponsor s.Oliver: Mit der Verlängerung des Vertrages um drei Jahre hat s.Oliver zu Beginn der Saison ein starkes Bekenntnis für den Basket­ball abgelegt.

Dass Sponsoren langfristig abwandern könnten, befürchtet Robert Daumann nicht. Der Präsi­dent des Bayerischen Basketball Verbandes sagt: „Basketball ist und bleibt eine attraktive Sportart, die viel action­reicher ist als Fußball. Ich sehe daher keine Gefahr, dass Basketball in Würzburg uninteressant wird – für Sponsoren genauso wenig wie für Zuschauer.“

Als Verband sei es dennoch enorm wichtig, Aufbau­arbeit zu leisten – breit­angelegt an der Basis. „Nur wenn man unten in die Breite geht, kann auch in der Spitze etwas ankommen“, erklärt Daumann. „Wir haben viele Kooperationen mit Schulen, zum Beispiel ‚Sport nach 1‘. Deutschlandweit gesehen nehmen wir in Bayern mit unseren Schul­kooperationen eine Vorreiter­rolle ein.“ Basketball als Sportart soll schon früh in den Köpfen der Kinder verankert sowie Regeln vertraut gemacht werden. „Jugend­arbeit ist das Kapital der Zukunft“, so Daumann.

Win-Win-Situation für Stadt und Vereine

Hochklassiger Sport sorgt für viel Aufmerksamkeit und bietet eine große Plattform, auf der sich Unternehmen gerne platzieren. Gleich mehrere Vereine in einer Stadt zu haben, die diese Möglich­keit bieten, hat für beide Seiten, Stadt und Vereine, einen positiven Effekt. Mit den Rimparer Wölfen in der 2. Handball-Bundesliga sowie dem hoch­klassigen Basketball- und Fußball­angebot der Stadt ist Würzburg gut aufgestellt und kann davon als Sport­stadt nur profitieren. „In der Vergangenheit wurde oft behauptet, Leistungssport sei in Unterfranken nicht möglich, das ist absolut nicht der Fall“, meint Jens Röder, Fach­bereichsleiter des Sport­amts Würzburg. „Der Boom wird in Deutschland schon wahr­genommen“, ist er sich sicher: „Das bringt die Sport­stadt Würzburg allgemein voran, von daher ist es eine tolle Sache.“

© Main-Magazin 2017

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