Zutritt verweigert

Einbrecher an der Tür
Das Sicherheitsbedürfnis in Privathaushalten steigt – Einbrecher haben kein leichtes Spiel.

Einbrüche haben Konjunktur in Deutschland. Fast täglich vermelden Polizei und Presse neuerliche Vorfälle. Doch immer mehr Bürger sind nicht gewillt, dies tatenlos hinzunehmen. Im Wettrüsten mit den Tätern setzen viele Haus­halte auf zunehmend pro­fessionelle Technik und ver­helfen der Sicherheits­branche so zu einem Aufschwung. Auch in Unterfranken.

Von Stefan Boron

Es ist kurz nach 12 Uhr in dieser Silvesternacht. Noch während die ersten Raketen das neue Jahr begrüßen und die Menschen auf den Straßen ihre Glück­wünsche austauschen, schleicht sich ein maskierter Mann an die Wohnungs­tür des unbeleuchteten Hauses in der Wein­garten­straße. Unbemerkt setzt er das Brech­eisen in seiner Hand am dünnen Spalt zwischen Tür und Rahmen an. Er hebelt und rüttelt, doch zu seiner Ver­wunderung will das Schloss nicht nach­geben. Zwei zähe Minuten ver­gehen, aber die Tür bleibt verschlossen. Aufge­schreckt vom ver­ursachten Lärm lässt der Dieb schließlich ab und flieht un­verrichteter Dinge. Er hinter­lässt einen zerkratzten Türrahmen.

So oder ähnlich dürfte sich ein am 31.12.2016 in Würzburg ereigneter Vorfall abgespielt haben. Es war eines von mehreren hundert Einbruchs­delikten, die jedes Jahr in Unter­franken verübt werden. Dass ein Erfolg des Täters verhindert wurde, könnte dabei auf den Einsatz professioneller Sicherheits­technik zurück­zuführen sein. Denn nachdem die Zahl der Wohnungs­einbrüche in Deutschland und Unter­franken in den letzten Jahren stetigen Zuwachs erfuhr, setzen auf der Gegen­seite nun immer mehr Privat­haushalte auf Prävention. Die zunehmende mediale Präsenz des Themas, aber auch staatliche Förder­programme erneuerten bei vielen Bürgern das Bewusstsein für Sicherheit und Eigen­schutz – und dies führt nun zu einem regelrechten Boom in der Sicherheits­branche.

Verdopplung der Wohnungseinbrüche

Die Zahlen der aktuellen Sicherheits­bilanz der Polizei in Unterfranken legitimieren diesen Handlungs­bedarf. Wurden 2008 noch 342 Delikte im Bereich der Wohnungs­einbrüche gezählt, so stieg deren Anzahl bis zum Jahr 2014 um gut das Doppelte auf insgesamt 713 Vor­fälle an. „Diese Entwicklung entspricht einem bundes­weiten Trend, welcher sich auch auf Unter­franken auswirkte“, erklärt Michael Zimmer, Pressesprecher des Polizei­präsidiums Unter­franken. Vor allem eine Zunahme organisierter Banden­kriminalität aus Südost- und Ost­europa wird in diesem Zusammen­hang oft als ursächlich diskutiert. Trotz eines leichten Rück­gangs der Einbrüche in Unter­franken im Jahr 2015 (708) und voraussichtlich auch 2016, befinde man sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau, bekräftigt Polizei­sprecher Zimmer.

Auf diese abstrakte Gefahren­lage stellen sich nun immer mehr Privat­bürger ein und entscheiden sich dabei häufiger für professionelle Sicherheits­lösungen. Deutlich wird das ver­mehrte Sicherheits­verlangen anhand einer aktuellen Markt­erhebung des BHE Bundes­verband Sicherheits­technik e.V. Demnach rechnen die deutschen Sicherheits­anbieter nach steigenden Tendenzen in den Vor­jahren für 2016 mit einem weiteren Umsatz­plus von 4,9 Prozent. Anke Sepp, Presse­sprecherin des BHE, führt diesen Zuwachs auch auf eine verstärkte Nachfrage im Privat­bereich zurück. „Wir merken an den Umsätzen und der Aus­lastung unserer Mitglieds­firmen deutlich, dass bei den Privat­bürgern langsam ein Verständnis für die Notwendig­keit eigener Sicherheits­vor­kehrungen ange­kommen ist“, bilanziert Sepp.

Der private Sektor verspürt erhöhten Bedarf an Sicherheit

Von dieser Erkenntnis profitieren auch in Unterfranken regionale Sicherheits­firmen. So verzeichnete Klaus Fuchs, Geschäfts­führer der Fuchs Sicherheits­technik GmbH, die in Schwein­furt und Würzburg vertreten ist, beispiels­weise in den letzten drei Jahren einen Anstieg der Anfragen und beauftragten Installationen in Privat­haushalten um nahezu das Drei­fache. Auch Simon Wagner, Geschäfts­führer der in Gerbrunn beheimateten Wagner Sicherheits­technik GmbH, bestätigt diese Tendenz. „Gerade im privaten Bereich verspüren wir in letzter Zeit einen stark erhöhten Bedarf“, so Wagner.

Abseits klassischer Fenster- und Tür­sicherungen, seien vor allem Alarm- und Melde­systeme für Privat­anwender im Kommen, stellt Wagner dabei fest. Diese Ein­schätzung spiegelt sich auch in der Er­hebung des BHE wider. Mit einer erwarteten Umsatz­steigerung von 8,0 Prozent verzeichnet das Segment Einbruch­melde­technik bundes­weit den kräftigsten Zuwachs am Sicherheits­markt. Aber auch professionelle Video­technik (+6,6 Prozent) und Zutritt­steuerungs­systeme (+4,1 Prozent) erfreuen sich zu­nehmender Beliebtheit. Den Empfehlungen von Polizei und Versicherungen würde damit Rechnung getragen, erläutert Klaus Fuchs von der Fuchs Sicherheits­­technik GmbH. Gerade die Bereitschaft zu einer höheren Investition für qualitativ bessere Systeme sei deutlich verstärkt.

Bereitgestellte Mittel waren schnell aufgebraucht

Dazu beigetragen haben dürfte wohl auch eine im November 2015 auf bundes­politischer Ebene beschlossene Förderung privater Einbruch­schutz­maßnahmen durch die staatliche Förder­bank KfW. Privat­personen können seither einen zehn­prozentigen Zuschuss für die pro­fes­sionelle Ausstattung ihrer Wohnung mit Sicherheits­systemen beantragen. Voraus­setzung dafür ist eine Mindest­investition von 2000 Euro und die Erfüllung bestimmter sicherheits­technischer Normen. Dass dieses Angebot bei den Bürgern auf ein vorhandenes Bedürfnis nach Sicherheit stieß, zeigte sich, als die für das Förder­programm bereitgestellten Mittel von 10 Millionen Euro nach nicht einmal ein­jähriger Laufzeit bereits im September 2016 aufge­braucht waren. Für das Jahr 2017 reagierte man nun mit einer Auf­stockung des Topfes auf 50 Millionen Euro.

In Zukunft werde sich vor allem der Trend zur Vernetzung sämtlicher technischer Kompo­nenten in den Haus­halten auf die Sicherheits­technik auswirken. Schon heute können Videos oder Alarme aus den eigenen vier Wänden auf dem Handy empfangen oder gar elektronische Schlüssel per App an vertrauens­würdige Besucher verschickt werden, erklärt Sicherheits­fachmann Simon Wagner. Doch einen Einbruch verhindern könnten auch diese Anwendungen nicht uneinge­schränkt. Anke Sepp vom BHE macht darauf aufmerksam, dass bei aller Technik bestimmte Sicherheits­aspekte nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Viele Systeme auf dem Markt entsprächen keinen Sicherheits­standards und seien nur Gimmicks. „Wenn man es richtig machen will, dann mit Hilfe eines Fachmanns, der die entsprechende Vernetzung herstellt“, rät Sepp.

Dass solche privaten Sicherheits­vorkehrungen bereits Früchte tragen, zeigt eine weitere Statistik der Polizei in Unter­franken: In mittlerweile 43,1 Prozent der Fälle bleibt es für den Täter beim Versuch. Denn treten bei der Tatbegehung unerwartete Hindernisse auf, lassen viele Delinquenten schnell von ihrem Vorhaben ab – nicht nur an Silvesterabenden.

© Main-Magazin 2017 (Foto: Stefan Boron)

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