Rauchverbot

Aschenbecher
Aschenbecher findet man mittlerweile nur noch vor den Gaststätten.

Vor 10 Jahren trat das Bundesnichtraucher­schutzgesetz in Kraft. Die Grundlage für das heutige Rauchverbot in allen bayerischen – und somit auch unterfränkischen – Gaststätten war damals ein Schock für die meisten Gastronomen. Doch wie sehen sie das Verbot heute?

Von Daniela Kalb

Egal ob Regen, Wind oder eisige Kälte – bei jedem Wetter stehen sie vor den Türen der Schwein­furter Restaurants, Bars und Kneipen: Raucher. Die eine Hand in der Jacken­tasche vergraben, in der anderen Hand eine glimmende Zigarette. Es ist ein Bild, an das man sich mittler­weile gewöhnt hat. Denn seit der Einführung des Nichtraucher­schutzgesetzes vor zehn Jahren, muss zum Rauchen die Gaststätte verlassen werden.

Während in anderen Bundesländern unter Berücksichtigung einiger Auflagen und Bedingungen zumindest noch in Kneipen geraucht werden darf, herrscht in Bayern eines der striktesten Rauch­verbote bundesweit. Keine Neben­zimmer, keine Raucher-Clubs, keine Schlupf­löcher, um die gesetz­lichen Vorgaben doch irgendwie umgehen zu können. Wer rauchen will, muss vor die Tür.

Panik bei den Gastronomen

Die Einführung dieses strengen Gesetzes versetzte viele Gastronomen damals geradezu in Panik. „Am Anfang macht man sich natürlich schon Sorgen, dass die Gäste weg­bleiben oder zumindest nicht mehr so oft kommen wie sonst“, erzählt Christine Schneider*, Wirtin der „Rumpelkammer“ in Werneck. Das Bistro verbindet Restaurant und Kneipe. Die Gäste kommen sowohl zum Essen als auch, um abends am Tresen ein Bier zu trinken. „Anfangs war es fürchter­lich. Die Gäste sind in Lokale gewechselt, wo sie noch rauchen durften“, erinnert sich die Wirtin. „In kleinen Kneipen war es zu Beginn ja noch erlaubt, zu rauchen, aber weil wir zu groß sind, waren die Regelungen bei uns gleich strenger.“

So ging es zahlreichen Kneipen in Deutschland, viele verkrafteten das Rauch­verbot nicht. Um mehr als 39% sank die Zahl der sogenannten Schankwirtschaften innerhalb von 10 Jahren. Gab es im Jahr 2001 deutschlandweit insgesamt noch knapp 48.000 Kneipen, Bars und Pubs, so waren es 2011 nicht einmal mehr 35.000 – ein drastischer Rückgang.

Der Deutsche Hotel- und Gaststätten­verband (DEHOGA) sieht in erster Linie das Rauchverbot als Grund hierfür. „Wir haben immer davor gewarnt, dass durch das strikte Rauchverbot in der getränke­geprägten Gastronomie die Umsätze teilweise dramatisch einbrechen“, erklärt Christopher Lück, Pressesprecher des DEHOGA. „Zurecht, wie die Zahlen untermauern: Viele kleine Eckkneipen sind mit den Jahren auf der Strecke geblieben.“ Allerdings räumt  Lück auch ein, dass andere Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Der allgemeine Bevölkerungs­rückgang in den ländlichen Regionen beispiels­weise oder das geänderte Freizeitverhalten der Menschen, durch das Rituale wie Frühschoppen und Feierabendbier zunehmend wegfallen.

Kneipen und Bars besonders betroffen

Die Wernecker Rumpelkammer hat das Rauchverbot überstanden. „Natürlich gab es anfangs auch finanzielle Auswirkungen. Aber das hat sich mit der Zeit wieder eingependelt“, erklärt Schneider. Nachdem das strenge Rauchverbot für alle Gaststätten durchgesetzt wurde, kehrten die abge­wanderten Gäste zunehmend wieder zurück.

Ähnlich sieht es auch bei anderen Restaurants und Gaststätten aus. „Es gab schon Umsatz­einbrüche, allerdings hat es uns nicht so stark getroffen wie Gastronomie­betriebe, die auf Getränke spezialisiert sind, wie Kneipen oder Bars“, erzählt Karin Reppert, Inhaberin des Schweinfurter Brauhauses am Markt­platz.

Es wirkt, als wäre gerade in Gastbetrieben, die in erster Linie Speisen anbieten, das Ver­ständnis der Menschen für das Rauchverbot groß. „Anfangs wurde das Verbot schon teilweise nur schwierig angenommen, mittlerweile ist das aber kein Thema mehr. Bei uns halten sich alle Gäste an die gesetzlichen Vorgaben.“ Und doch hatte die Einführung des Rauchverbots langfristige Folgen für das Schweinfurter Brauhaus. „Man merkt, dass das Geschäft eher schließt als früher“, sagt Reppert. Die Leute kommen hierher zum Essen, und gehen dann abends eben woandershin, wo sie auch rauchen können.“ Gegen 10 Uhr könne sie meist bereits Schluss machen, wohingegen früher viele noch länger sitzen blieben, etwas tranken und noch eine Zigarette rauchten.

Und doch kommt bei den Gästen das Rauchverbot überwiegend positiv an. „Es ist einfach angenehm, Essen gehen zu können, ohne dass die Kleidung danach nach Rauch stinkt.“, sagt eine Restaurant­besucherin, „Mir schmeckt das Essen so auch besser.“ So wie ihr geht es wohl den meisten Gästen. Sie schätzen es, beim Essen keinen Zigarettenqualm einatmen zu müssen.

Der zweiterfolgreichste Volksentscheid

Dass das Rauchverbot derart gut angenommen wird, scheint angesichts der Freiräume und Schlupf­löcher, die in anderen Bundes­ländern existieren, kaum zu glauben. Doch tatsächlich war der Volks­entscheid, der für die Durchsetzung eines noch strengeren Nichtraucher­schutzes sorgte (siehe Infobox), der zweit­erfolgreichste aller Zeiten. Fast 1,3 Millionen Bayern gaben damals ihre Unter­schrift ab, damit der Glimm­stängel in allen Gaststätten ausbleiben muss.

Obwohl das zu Beginn sicher für viele Raucher eine schwierige Umstellung bedeutete, so gilt das Rauch­verbot heute für die meisten als eine Selbst­verständlichkeit. Und auch in der Gastronomie ist überwiegend Ruhe eingekehrt, bestätigt Christine Schneider. „Inzwischen finde ich, dass das Rauch­verbot eine gute Sache ist. Es ist einfach angenehmer. Und das sage ich, obwohl ich selbst auch rauche.“

*Name wurde von der Redaktion geändert

Das Bundesnichtraucherschutzgesetz

Das heute geltende Rauchverbot beruht auf dem Bundesnichtraucher­schutzgesetz. Dieses Gesetz verbietet das Rauchen in Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater oder Museen. Für die Gastronomie gelten jedoch je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen. Während in manchen Bundes­ländern das Rauchen zumindest noch in Neben­räumen oder Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind, erlaubt ist, wurde in Bayern durch den Volks­entscheid im Juli 2010 das bis dahin umfassendste Rauch­verbot auf den Weg gebracht. Als Folge wurde das Rauchverbot in allen gastro­nomischen Betrieben eingeführt und Ausweich­möglichkeiten wie Neben­räume und Raucher­clubs gestrichen.

© Main-Magazin 2017 (Foto: Daniela Kalb)

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