Das Gesicht der Welt verändern

Kind mal Mann auf die Handfläche
Für die Standpunkt-Aktion "Liebe im Karton" war der Verein auch in Flüchtlingslagern in Griechenland tätig.

Seit acht Jahren gibt es den Verein Standpunkt bereits. Die von Flyeralarm Mitarbeitern gegründete Hilfs­organisation unterstützt Menschen und Tiere, besetzt Umwelt­themen und tut all dies vor allem in der Region Unter­franken.

Von Pilar Hammerl

Hinweis: Beim folgenden Artikel handelt es sich um einen PR-Text.

Waldenburg, so nennen Deutsche Wałbrzych in Polen. Ein Ort in der Woiwodschaft Nieder­schlesien, an dem die Menschen in unglaublich armen Verhältnissen leben. Ein Ort, an dem immer wieder kleine Kinder in Heime abgegeben werden, weil Zuhause die finanziellen Mittel fehlen. Feuchte, kalte Wohnungen ohne Putz und ohne Möbel. Zwei Zimmer für eine fünf­köpfige Familie, kaum Privatsphäre, kaum Hilfe vom Staat. Kinder­heime, die spartanisch einge­richtet und renovierungs­bedürftig sind. „Zustände, die ich erstmal nicht begreifen konnte“,erinnert sich Tanja Hammerl an eines ihrer ersten Projekte. „Hier mussten wir helfen.“

Hammerl ist Vorstands­vorsitzende und Gründungs­mitglied des gemein­nützigen Vereins Standpunkt e.V. Der Verein wurde 2008 von der Geschäfts­führung und Mitarbeitern der Online-Druckerei Flyer­alarm gegründet und unterstützt seitdem Menschen und Tiere in Not, hat sich zudem Umwelt­projekten und der Nach­haltigkeit verschrieben. Tanja Hammerl und Thorsten Fischer, die beiden Flyeralarm-Geschäfts­führer, haben ein ausgeprägtes Bewusstsein für ihre soziale Verantwortung und wollen durch den Verein die Struktur schaffen, um helfen zu können. „Ich vertrete den Standpunkt, dass jeder Mensch, der erfolgreich ist, eine persönliche Ver­pflichtung hat, anderen zu helfen“, sagt Hammerl: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es,“ zitiert Thorsten Fischer den Schriftsteller Erich Kästner.

Ihr Unternehmen steht für eine rasante Erfolgs­geschichte: vom Ein-Mann Unternehmen zu einer der größten Online Druckereien Europas. Diesen Erfolg wolle man teilen, erklärt Hammerl. „Ich bin mir bewusst, dass es uns sehr gut geht. Da möchte ich unbedingt etwas weitergeben.“ Das sieht auch Thorsten Fischer so: „Wenn man als Unter­nehmer über finanzielle Mittel und die nötigen Kontakte verfügt, dann soll man die Möglichkeit nutzen und damit die­jenigen unter­stützen, die Hilfe brauchen.“ Diese Erkenntnis war der Start­schuss für die Gründung von Standpunkt e.V.

Seitdem hat sich einiges getan. „Durch die Manpower von Flyer­alarm können wir schnell und unkompliziert da unterstützen, wo wirklich Hilfe benötigt wird“, weiß Claudia Hahn, die seit zwei Jahren das Ruder bei Standpunkt e.V. übernommen hat. Man helfe nicht nur durch finanzielle Unterstützung, sondern vor allem auch durch ein großes Netzwerk, viele Talente, Schweiß und Handarbeit. Dabei werden sowohl eigene Projekte ins Leben gerufen, als auch vor­handene Projekte und Organisationen unterstützt. „Mittler­weile haben wir uns ein Netzwerk aufgebaut, das uns auch eine enge Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Organisationen ermöglicht.“

Flüchtlingslager in Griechenland
Im griechischen Flüchtlingslager gab es für die Helfer vom Standpunkt Verein viel zu tun.

Sobald ein Projekt ausgewählt wurde, werden über E-Mail­verteiler und Intranet freiwillige Helfer gesucht. Unter den etwa 2.000 Mitarbeitern von Flyerlarm tummeln sich viele hilfreiche Talente und Fachkräfte. „Und alle packen dort mit an, wo ihre Stärken liegen“, sagt Hahn. „Unbürokratisch, denn die Hilfe soll direkt und vor allem schnell dort ankommen, wo sie benötigt wird.“

Regionale Unterstützung – Ziegenmist Ahoi

Die Projekte von Standpunkt e.V. konzentrieren sich mittlerweile vor allem auf die Region Main­franken. „Hier leben wir, hier arbeiten wir und hier gibt es genug, wo wir uns einbringen können und möchten“, sagt Claudia Hahn. Dennoch sei man sich bewusst: „Die Not ist überall groß. Doch wo fängt man an, wo hört man auf?“ Deshalb unterstützt Standpunkt e.V.  auch einzelne welt­weite Projekte. Auf viele dieser Projekte sei man dabei durch Mitarbeiter aufmerksam geworden. „Soziale Arbeit kann seelisch auch sehr belastend sein“, weiß Hahn aus Erfahrung: „Manchen fällt das bei Menschen leichter, manchen bei Tieren, andere entscheiden sich bewusst für ein Umwelt­thema.“

Alexandra Lange, Key Account Managerin bei Flyeralarm, beispiels­weise unterstützt einige Samstage im Jahr, im Rahmen von Standpunkt e.V., den Gnadenhof Gollachostheim. Er bietet über 150 Tieren, wie z.B. Hunden, Katzen, Rindern oder Eseln ein sicheres Zuhause und ist auf die Unter­stützung von verschiedenen Initiativen und Vereinen angewiesen.

Gnadenhof in Gollachostheim – die Tiere werden mit ausreichend Streicheleinheiten versorgt.
Gnadenhof in Gollachostheim – die Tiere werden mit ausreichend Streicheleinheiten versorgt.

„Ziegenmist Ahoi“, so nennt sich die Whatsapp-Gruppe, in der sich Alexandra mit ihren Arbeitskollegen verabredet. Dann heißt es wieder: Zieht die Gummistiefel an und los geht’s! Es werden neue Zäune und Gehege gebaut, die Ställe ausge­mistet, die Tiere gefüttert und mit viel Streichel­einheiten bedacht. „Man lernt enorm viel und es macht Spaß“, erzählt Alexandra. Sie mache das vor allem, weil sie wisse, wie viel Arbeit so ein Tierhof machen kann. „Daher helfe ich gerne.“ Es sei ein guter Ausgleich zum Tagesgeschäft im Büro. Während die Arbeit auf dem Gnadenhof an den Wochenenden stattfindet, werden für einige Projekte auch mal Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Arbeit freigestellt. „Gerade bei großen Projekten zählt jede Unterstützung“, erklärt Claudia Hahn.

Neues Projekt in Teamarbeit mit Integrai.de

Seit einigen Wochen unterstützt Standpunkt e.V. die Initiative Integrai.de, Flüchtlingen den Weg in das Arbeits­leben zu erleichtern. Dafür bildet Integrai.de ehren­amtliche Job-Coaches aus, die den Flüchtlingen beim Einstieg in den Beruf helfen und gleichzeitig als Brücke zwischen Unter­nehmen und Flüchtling fungieren. Durch die lang­jährige Zusammen­arbeit von Standpunkt e.V. mit der Gemeinschafts­unterkunft in Würzburg bestehe bereits guter Kontakt zu den Menschen dort. Es werden feste Sprech­stunden zwischen Job-Coaches und Flüchtlingen organisiert, Kontakte zu Firmen hergestellt und auch finanzielle Hilfe geleistet. Die beiden Standpunkt e.V.-Mitarbeiter Claudia Hahn und Britta Balling lassen sich dazu selber von Integrai.de zum Job-Coach ausbilden. Freiwillig, versteht sich.

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.

Tanja Hammerl hat eine feste innere Überzeugung: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Die Welt vieler Familien im polnischen Waldenburg konnte auf jeden Fall verändert werden. Unzählige Lkw, beladen mit Kleidung, Hygieneartikeln, Möbeln, Waschmaschinen und vielem mehr fuhren immer wieder nach Waldenburg, um die Familien vor Ort zu unterstützen.

© Main-Magazin 2017 (Fotos: Flyeralarm)

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