Von Muckibuden und Premium-Clubs

McFit Filiale Wuerzburg
Vor 20 Jahren gründete Unternehmer Rainer Schaller das erste McFit-Studio in Würzburg.

Fitness und Würzburg, das gehört zusammen. Vor 20 Jahren entstand in der Studentenstadt damals das erste McFit-Studio. Doch auch abseits der bekannten Ketten existiert ein ausgeprägter Markt.

Von Pirmin Breninek

Januar, die Feiertage rund um Weihnachten und Neujahr waren üppig. Das Würzburger McFit nahe der Bahnlinie zum Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten. Es ist warm, die Luft ist feucht, Fenster beschlagen. In der Vorweihnachtszeit hatte McFit mit einem Geschenkpaket geworben: einen Monat Training im Januar, inklusive Trainings- und Ernährungsplan. Vor den Geräten bilden sich Schlangen.

Würzburg ist sogar der älteste McFit-Standort in Deutschland. Vor 20 Jahren gründete Unternehmer Rainer Schaller hier sein erstes Studio. Eine Erfolgsgeschichte: Europaweit gibt es heute 240 Filialen. Das Unternehmen beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter. Schaller gelang es das Discount-Prinzip auf den Fitness-Markt anzuwenden. Reguläre Mitglieder zahlen monatlich knapp 20 Euro, können dafür Anlagen, Parkplätze und Duschen nutzen. Die Strategie funktioniert. 2014 erwirtschaftete die McFit GmbH laut Bundesanzeiger einen Umsatz von rund 233 Millionen Euro.

„Würzburg wird immer eine Schlüsselrolle in der Unternehmensgeschichte spielen“, heißt es von McFit. Trotz Expansion und mittlerweile über 1,4 Millionen Mitgliedern ist die Region für das Unternehmen bis heute von Bedeutung. Der Firmensitz liegt lediglich 70 Kilometer entfernt, im oberfränkischen Schlüsselfeld. Dort ist Firmengründer Schaller aufgewachsen. McFit steht auf solidem Fundament. Trotzdem ist anhaltender Erfolg in der Branche schwer: Der Markt ist hart umkämpft.

Discount oder Premium?

Nur wenige Meter vom Würzburger McFit soll in der Nürnberger Straße ein neues Großraum-Studio des Anbieters Fit/One entstehen. Fertigstellung wohl noch dieses Jahr, wenngleich sich das Unternehmen zum geplanten Eröffnungstermin auf Anfrage noch nicht äußern wollte. Fit/One ist recht neu auf dem Markt und betreibt derzeit Studios in acht deutschen Städten.

Die Kette ist eine Marke der Harlekin Spiel- und Unterhaltungsautomaten Betriebsgesellschaft mit Sitz in Waldbrunn (Landkreis Würzburg). Harlekin betreibt für gewöhnlich Spielotheken, die bekannteste Marke ist „Magic Casino“. Ende 2015 stieg Harlekin unter dem Namen Fit/One in den Fitness-Markt ein. Ähnlich wie McFit verfolgt die Kette grundsätzlich eine Discount-Strategie; mit dem Unterschied, dass Kunden hier zwischen unterschiedlich gestaffelten Tarifen wählen können.

Die günstigste Mitgliedschaft kostet 18 Euro monatlich. Wer zusätzliche Leistungen wie Sauna oder Körperfettanalysen nutzen möchte, zahlt monatlich 28 oder 38 Euro. Damit deckt Fit/One gleich mehrere Preis-Schienen ab – und steuert dem Trend der zunehmenden Preis-Differenzierung der Marktanbieter entgegen.

Mehr als beim Discounter-Gym

Denn neben den günstigen Ketten wie McFit oder Clever-Fit gibt es auch in Würzburg Anbieter aus dem Premium-Segment. Einer davon ist W1-Fitness. Das Studio liegt im Erdgeschoss des GHotels am Berliner Platz. Hotelbesucher trainieren dabei kostenlos, im Gegenzug dürfen W1-Mitglieder die Tiefgarage des Hotels nutzen. Wer bei W1 auch in den Abendstunden Sport treiben möchte zahlt knapp 60 Euro im Monat. Die Vertragslaufzeit: zwei Jahre.

Melissa Lutz ist Fitnesstrainerin
Die 26-Jährige Melissa Lutz ist Trainerin beim Premium-Anbieter W1 Fitness.

Dafür bietet das Studio seinen Mitgliedern deutlich mehr als viele Discount-Ketten. Soll heißen: einen vollen Kursplan, regelmäßige Body-Checks und geschultes Personal. „Um eine professionelle Kundenbetreuung und gesundheitsgerechte Trainingsatmosphäre zu schaffen, bilden wir momentan nur duale Studenten der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheits­management aus“, erzählt Melissa Lutz. Die 26-Jährige arbeitet bei W1 und studiert den Master Prävention und Gesundheits­management : „Wir legen großen Wert auf die Professionalität unserer Trainer.“ Acht Vollzeit-Kräfte beschäftigt das Gym momentan, rund 35 Leute insgesamt. Die gewährleisten somit die persönliche Betreuung der Kunden. „Wir kennen unsere Mitglieder mit Namen“, sagt Lutz. Etwa 1.500 sind angemeldet.

Doch nicht nur nach oben ist die Preisspanne offen. Auch im Niedrigpreis-Segment geht es günstiger. Gerade einmal 9,90 Euro monatlich kostet der Beitrag bei der McFit-Tochter High5. „Mitgliedern stehen neben einem komplett ausgestatteten Cardio-, Freihantel- und Gerätebereich auch vielfältige funktionelle Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung“, so McFit. Mit High5 wagt das Unternehmen einerseits einen Vorstoß in Sachen Preis, andererseits in Richtung des populärer werdenden „Cross Fit“. Das Ganzkörpertraining ohne Geräte wird bereits an drei anderen Standorten in Würzburg angeboten.

Erschließung neuer Marktsegmente

Die angesprochene Differenzierung des Marktes findet jedoch nicht nur beim Preis statt. Längst sind Anbieter dabei, ihr Leistungsportfolio auszuweiten. McFit hat auf diese Weise beinahe ein eigenes Ökosystem rund um die Themen Fitness und Gesundheit erschaffen. Neben den Studios gibt es beispielsweise die Tochterunternehmung Qi2 für Nahrungsergänzung. Der Unternehmenseigene „Loox Fitness Planer“ bietet Trainingsplanung via App. Mit „McFit Models“ verfügt das Unter­nehmen über eine eigene Model-Agentur. – Inwieweit sich die neuen Geschäftszweige positiv auf den Unternehmens­erfolg auswirken, ist anhand der bisherigen Zahlen allerdings nur schwer abschätzbar.

In der Gesamtbetrachtung hält dabei auch der Arbeitgeberverband der deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) fest: „Immer mehr Studios spezialisieren sich auf einzelne Zielgruppen.“ Eine Zielgruppe, die Fitness-Studios bereits sehr rege nutzt, sind Frauen. Wie der DSSV auf Anfrage mitteilt, beträgt ihr Gesamtanteil in Ketten- und Einzelstudios 53,5 Prozent. Über die Hälfte also – und das, obwohl den „Muckibuden“ lange Zeit ein eher maskulines Image vorauseilte.

Frauen-Studios

Besonders zu dieser positiven Entwicklung beigetragen, haben dabei reine Frauen-Studios wie Curves in Versbach. Das Studio ist ein Franchise einer US-amerikanischen Kette. Dort bleiben Frauen unter sich. Doch auch Ketten wie McFit versuchen vor allem für Frauen ein „Trainingsambiente mit Wohlfühl-Charakter“ zu gewährleisten. Insbesondere durch sein digitales Kursprogramm „Cyberobics“ möchte McFit noch mehr Frauen locken. Das Angebot ist auch beim Bezahlsender Sky verfügbar; mit „sehr hohen Abrufzahlen“, wie McFit sagt.

Für die Gesamtbranche ist weiteres Marktwachstum insofern nicht unwahrscheinlich. Vergangenes Jahr prognostizierte der DSSV deutschlandweit rund 12 Millionen Studio-Mitglieder bis 2020. Das wäre somit mindestens einer aus sieben Bundesbürgern. Unter solchen Voraussetzungen braucht man sich also auch in Würzburg um ein üppiges Angebot keine Sorgen machen.

Die deutsche Fitnessbranche

Mehr als 20 Fitnessstudios gibt es in Würzburg. Mitglieder zahlen 9,90 Euro bei Billig-Anbietern wie High5 und bis zu 69,90 Euro bei Premium-Studios wie W1. Laut Arbeitgeberverband der deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) waren 2015 etwa 9,5 Millionen Deutsche in Fitnessstudios angemeldet. Das sind mehr als in Fußballvereinen. Der Umsatz der gesamten Fitnessbranche soll sich auf 4,8 Milliarden Euro belaufen haben.

© Main-Magazin 2017 (Fotos: Pirmin Breninek)

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