Klimawandel gefährdet Kulturgut Wein in Franken

Neue Lagen, aufwendigere Technik oder gar andere Rebsorten? Heiko Paeth erklärt, wie Mainfrankens Winzer auf den Klimawandel reagieren und wieso der Klimawandel gerade hier besonders deutlich spürbar ist. Foto: Michael Ottersbach/pixelio.de

Der Weinbau in Mainfranken verändert sich durch den Klimawandel, sagt Dr. Heiko Paeth. Der Klimaforscher ist seit 2006 Professor am Lehrstuhl für Physische Geographie an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Sein zentrales Anliegen ist es, für den Klimawandel zu sensibilisieren und die regionalen Folgen zu beleuchten.

Der Weinbau gehöre zur Identität der Region Mainfranken. Diese werde durch die Veränderungen des Klimas nicht verloren gehen, so die Einschätzung Paeths. Doch Investitionen und technischen Neuerungen seien notwendig, um sich der Herausforderung zu stellen.

Das Gespräch führte Patricia Schätzler

Warum wird die Region Mainfranken bezüglich des Klimawandels als „Hotspot“ bezeichnet?

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs können wir auf Messdaten zurückgreifen. Der Temperaturanstieg im Winter in Mainfranken ist seitdem mit 1,6 Grad Celsius doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Der Grund hierfür ist, dass Mitteleuropa in einer Spannungszone unterschiedlicher Wetterlagen liegt. Klimawandel heißt, dass sich die Häufigkeiten von Hochdruckgebieten und Tiefdruckgebieten verändern.

In Süddeutschland kommt es im Sommer häufiger zu Hochdruckgebieten, deshalb wird es wärmer. Außerdem spielt die Entfernung zum Meer eine Rolle – weil Wasser sich langsamer als das Land erwärmt, verändert sich das Klima im Landesinneren schneller.

"Die Weinbauer mussten schon immer innovativ sein, da sie stets vom Klima abhängig waren." Klimaforscher Heiko Paeth
„Die Weinbauer mussten schon immer innovativ sein, da sie stets vom Klima abhängig waren.“ Klimaforscher Heiko Paeth

Welche Herausforderungen ergeben sich daher für den Weinbau in Mainfranken?

Der Weinbau ist seit den 80er Jahren wegen der Veränderung des Klimas im Wandel. Hieraus ergeben sich sowohl Risiken als auch Chancen: Eine Chance ist, dass durch den Klimawandel auch andere Weinsorten, wie rote Reben, angebaut werden.

Ein Risiko ist beispielsweise, dass durch die Veränderung der Sonneneinstrahlung die Pflanzen Sonnenbrand bekommen können und dann anfälliger gegenüber Keimen sind. Außerdem tritt häufiger Spätfrost auf. Das kommt daher, dass die Pflanzen sich an das wärmere Klima anpassen und daher viel früher austreiben oder Trauben tragen. So kann Frost im Mai einen viel größeren Schaden anrichten.

Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die den Winzern helfen können und wie findet ein Austausch statt?

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim erforscht Formen der Kultivierung, Bewässerung, günstige Standorte sowie die Züchtung pilzresistenter Pflanzen. Die Landesanstalt bildet Winzer nicht nur aus, es gibt auch zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen zu aktuellen Themen des Weinbaus. So findet hier immer ein Austausch statt. Abgesehen davon sind Winzer auch in Vereinen und Verbänden organisiert. Daher können sie auf existierende Strukturen zurückgreifen, um Informationen zu bekommen.

Welche Technischen Neuerungen werden für die Winzer in Mainfranken relevant sein?

Das Maindreieck ist eine der trockensten Regionen Deutschlands. Auch wenn Wein im Vergleich zu anderen Pflanzen trockenresistenter ist, haben die langen Trockenperioden in den letzten Jahren auch zu vertrockneten Blättern an den Reben geführt. Eine Technik, mit der sich in den letzten Jahren beispielsweise die Winzer in Sommerach und Volkach ausgestattet haben, ist die so genannte Tröpfchenbewässerung. Dabei handelt es sich um Bewässerungssysteme, die sehr punktuell, ohne Unkraut und Zwischengrün zu bewässern, Wasser auf den Weinbergen verteilen.

Ein weiterer Punkt ist die Lagerung. Nach der Ernte im Herbst führen höhere Temperaturen zu unkontrollierter Gärung des Weins. Deshalb haben einige Winzer in ihren Weinkellern Klimaanlagen installiert – das bedeutet dann schnell Investitionen im sechsstelligen Bereich.

Können kleine, traditionelle Winzerbetriebe diese Investitionen stemmen?

Nicht jeder Betrieb wird sich eine Anlage zur Tröpfchenbewässerung oder eine Klimaanlage leisten können. Daher schließen sich die Winzer oft für größere Investitionen zusammen. Für manch einen Winzer wird der finanzielle Aufwand vielleicht bedeuten, dass er seine Rebflächen lieber verpachtet und das Lesegut an Genossenschaften zur Weiterverarbeitung gibt.

Aber ein Strukturwandel der Weingüter zeichnet sich auch unabhängig davon ab. Durch Nachwuchsprobleme sinkt die Anzahl der Betriebe. Auf der anderen Seite können Winzer durch neue Technologien ihre Weinberge leichter bewirtschaften, wodurch die Anzahl der Rebflächen aktuell ansteigt.

Gibt es denn Veränderung der Wahl der Rebsorten durch die Veränderung des Klimas?

Inzwischen wird auch in Südschweden Wein angebaut. Aber die regionale Identität der Weine ist nicht zu unterschätzen. Daher kann man als fränkischer Winzer nicht einfach nur noch Cabernet Sauvignon anbauen. Aber ebenso wenig kann man beim „business as usual“ bleiben, sondern Winzer müssen sich anpassen. Eine Strategie ist es, den Standort innerhalb eines Anbaugebiets zu verändern. War man früher auf Südhänge angewiesen, können in Zukunft die West- und Osthänge an Relevanz gewinnen.

Die Weinbauer mussten schon immer innovativ sein, da sie stets vom Klima abhängig waren. So befinden sich auch die Weinsorten und deren Kreuzungen in ständigem Wandel. Fast wie in der Mode kann der alte Hut von gestern in der neuen Saison wieder angesagt sein.

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