Soziale Roboter sollen niemanden ersetzen

Maschinen und soziale Interaktion: Prof. Birgit Lugrin forscht an Robotern, die in Pädagogik und Altenpflege eingesetzt werden sollen. Symboldbild: Hexe110/pixelio.de

Prof. Dr. Birgit Lugrin ist seit dem Sommersemester 2015 Professorin für Medieninformatik an der Universität Würzburg und beschäftigt sich mit Trends in der Mensch-Computer-Interaktion. Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte liegt dabei auf sozialen Robotern. Solche Roboter sollen zu sozialen Interaktionen fähig sein, also im Gegensatz zu industriellen Maschinen zwischenmenschliche Aufgaben übernehmen können. Noch findet man sie hauptsächlich in Forschungslaboren – laut der Professorin sind sie jedoch auf dem besten Weg, Teil unseres Alltags zu werden. Im Interview spricht Lugrin über den Einsatz solcher Roboter sowie über damit verbundene Aspekte der Privatsphäre.

Das Gespräch führte Andrea Deublein

Frau Lugrin, in welchen Bereichen werden wir in Zukunft mit sozialen Robotern in Kontakt treten?

Da sind viele verschiedene Berührungspunkte denkbar. Am Lehrstuhl untersuchen wir aktuell vor allem die Integration sozialer Roboter in die Bereiche der Pädagogik und Altenpflege. Ich gehe davon aus, dass soziale Roboter zu gegebener Zeit in sämtlichen Bereichen zu finden sein werden, in denen technisch unterstützt werden kann und soll.

Wann werden soziale Roboter Teil unseres Alltags sein?

Mit konkreten Schätzungen bin ich in dieser Hinsicht vorsichtig, das Ganze wird aber schon noch etwas Zeit brauchen. Ich vermute, dass wir in den nächsten fünf Jahren mit zahlreichen Entwicklungen rechnen können – ob die Technik dann von Beginn an die breite Masse erobert, ist natürlich fraglich. Ähnlich war es bei der Einführung von Smartphones, da hatte auch nicht jeder direkt nach der Markteinführung eines. Allerdings gehe ich schon davon aus, dass die Interaktion mit sozialen Robotern normaler und alltäglicher wird.

"Eigentlich geht es auch im aktuellen Fall wieder nur um eine Art Änderung des Arbeitsmarktes – und zwar durchaus im positiven Sinn." - Prof. Birgit Lugrin
„Eigentlich geht es auch im aktuellen Fall wieder nur um eine Art Änderung des Arbeitsmarktes – und zwar durchaus im positiven Sinn.“ – Prof. Birgit Lugrin

Aktuell spekuliert man vermehrt darüber, dass durch den Einsatz von Robotern zahlreichen Menschen der Arbeitsplatz weggenommen werden könnte. Wie sehen Sie das, müssen wir uns da nicht Sorgen um unsere Berufe machen?

Zunächst einmal muss man sagen, dass Roboter in der Regel unterstützend zum vorhandenen, oftmals überlasteten Personal eingesetzt werden sollen. Weiterhin wird bei solchen Aussagen ignoriert, dass, wenn Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden, meist andere Arbeitsplätze geschaffen werden. Eine ähnliche Situation hatte man zu Zeiten der industriellen Revolution. Dadurch, dass Maschinen Einzug in die Fabrikhallen erhielten, fielen zwar Arbeitsplätze weg, gleichzeitig etablierten sich aber auch zahlreiche neue Beschäftigungsfelder. Diese lagen beispielsweise in der Entwicklung, Bedienung und Wartung eben dieser Maschinen. Eigentlich geht es auch im aktuellen Fall wieder nur um eine Art Änderung des Arbeitsmarktes – und zwar durchaus im positiven Sinn.

Allerdings sollen soziale Roboter ja auch Aufgaben übernehmen, die über maschinelle Routineaufgaben hinausgehen. Wie sind die genannten Befürchtungen unter diesem Aspekt zu betrachten?

Im Prinzip ist es hier ähnlich. Soziale Roboter sollen anspruchsvollere Aufgaben übernehmen, das ist richtig. Jedoch sollen auch sie insbesondere dort eingesetzt werden, wo nicht immer eine menschliche Fachkraft zur Verfügung steht. Gerade bezüglich sozialer Roboter in der Altenpflege werde ich sehr oft gefragt, ob denn die Pflegekräfte dadurch ersetzt werden sollen. Genau das ist aber keineswegs der Fall, da hier gezielt ein Markt erschlossen wird, wo deutliche Missstände herrschen. Durch den demographischen Wandel werden wir auf lange Sicht hin immer mehr ältere Menschen haben und bereits jetzt gibt es viel zu wenige Pflegekräfte. Meines Erachtens wird es einen Bedarf geben, der kaum gedeckt werden kann. Dementsprechend versucht man also soziale Roboter da einzusetzen, wo auch wirklich Hilfe benötigt wird.

Wie kann diese Unterstützung dann konkret aussehen?

Senioren können beispielsweise dadurch unterstützt werden, dass der Roboter sie an ihre Termine oder Aufgaben erinnert. Auch in anderen Bereichen ist der Einsatz sozialer Roboter denkbar – beispielsweise als gezielte, motivierende Unterstützung beim Lernen oder bei den Hausaufgaben. Auch in diesem Fall soll der Roboter den klassischen Lehrer nicht ersetzen, sondern zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Ich bin gespannt, wie viele Generationen Studierender es noch dauert, bis jeder Haushalt einen Roboter haben wird.

Sie wirken sehr begeistert von dieser Idee – aber muss man sich da keine Sorgen um den Abgriff persönlicher Daten machen? Der Großteil solcher Roboter ist ja permanent mit dem Internet verbunden.

Das ist definitiv ein Problem, allerdings eher ein generelles. Wir geben bereits viel mehr persönliche Informationen preis, als uns vielleicht bewusst ist. Dadurch, dass wir unser Smartphone ständig dabei haben, online einkaufen und alleine dadurch, dass wir das Internet überhaupt nutzen. Das wird in Zukunft sicher nicht weniger werden, im Gegenteil. Aber ob wir unsere Daten nun via Smartphone, unserem vernetzten Auto oder durch einen sozialen Roboter preisgeben unterscheidet sich im Endeffekt nur durch den Kanal.

Was würden Sie Nutzern intelligenter Technik abschließend zur Wahrung der eigenen Privatsphäre raten?

Keine Technik ist heutzutage hundertprozentig sicher, deshalb ist bei der Nutzung gesunder Menschenverstand wichtig. Man sollte sich bewusst machen, was man preisgeben möchte und mit persönlichen Informationen vorsichtig umgehen. Hundertprozentig schützen könnte man sich nur durch einen konsequenten Verzicht auf jegliche intelligente Technik – dazu gehört auch das Internet. Damit gäbe man in der heutigen Zeit aber einen gewissen Komfort auf, der für viele nicht mehr wegzudenken ist.

Vielen Dank für das Interview!

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