Ein Slam, zwei Sieger – Von Kolibris, Faultieren und verpassten Bussen

Teilen sich den ersten Platz beim Poetry Slam: Kaleb Erdmann (li.) und Miguel Fugaz. Foto: Daniel Elster

Der jüngste Würzburger Poetry-Slam hielt, was er versprach: mitreißende Auftritte, vollendeten Sprachwitz und Gesellschaftskritik in literarischem Gewand. Novum: statt eines Gewinners konnten sich gleich zwei Nachwuchsdichter über den Tagessieg am Abend des 4. Dezembers 2016 freuen.

von Daniel Elster

Eine herzliche Umarmung, ein respektvoller Handschlag. Kaleb Erdmann aus Frankfurt am Main und Miguel Fugaz aus Bad Kissingen durften gemeinsam am Sonntagabend die Bühne der Posthalle als Sieger des Poetry-Slams verlassen.

Während der Frankfurter das Publikum mit einem Text über unpassende Vergleiche von Leid mit dem Titel „Wie viel mal Bus verpassen sind ein Mal Ebola?“ im Finale überzeugen konnte, punktete Fugaz mit seinen Gedanken zu Vorurteilen und Versagensängsten mit dem Titel „Hummel, Faultier, Kolibri“.

Sie setzten sich im Finale gegen den bekannten Freiburger Dichter und Buchautoren Thomas Spitzer durch.

Gesellschaftskritik, Vorurteile und Ungerechtigkeit

Erdmann zeichnete das Bild einer ungerechten Welt, in der wenige Menschen viel Kapital besäßen und die Tendenz bestehe, Leid aufzuwiegen. Fugaz hinterfragte mit seinem Text gesellschaftliche Zwänge und beschrieb, wie schön es doch sei, sich von all dem loszusagen und frei zu sein.

Beiden Künstlern sei es gelungen, dem Publikum in brillanter Art und Weise den Spiegel vorzuhalten, so ein begeisterter Zuschauer. „Fantastisch, dass es beide auf so unterschiedlichen Wegen geschafft haben, die Leute dermaßen in ihren Bann zu ziehen.“, urteilte ein anderer der etwa 500 anwesenden Gäste.

Die Regularien des Würzburger Slams

Die Regeln des Würzburger Poetry-Slams sind simpel: sieben Minuten Redezeit pro Dichter, die Künstler treten mit selbstverfassten Texten auf und über Sieg und Niederlage entscheidet allein das Publikum. Im Vorlauf bewerten fünf Jurymitglieder die Auftritte, im Finale, welches die punktbesten Künstler erreichen, entscheidet die Lautstärke des Beifalls für die Dichter.

Nachdem sich die drei Finalisten in einer Vorrunde gegen fünf weitere Kontrahenten durchgesetzt hatten, trat im Finale eine außergewöhnliche Situation ein: beim Publikumsapplaus für Erdmann und Fugaz war kein hörbarer Unterschied auszumachen. Damit konnten sich beide Wortakrobaten über einen besonderen Sieg freuen.

LAMPE und Lacher

Den Abend moderierte der bekannte Slammer Christian Ritter. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Mannheimer Alternative-Band LAMPE, die mit ihren humoristischen Texten für Gelächter sorgte.

Das Würzburger Publikum kam in den Genuss verschiedenster Texte: kritisch, vulgär, humorvoll, tiefsinnig, politisch. Die Künstler zeigten eindrucksvoll wie facettenreich und unterhaltsam diese Wettbewerbe sein können, die sich in Würzburg immer größerer Beliebtheit erfreuen, was steigende Besucherzahlen und die Teilnahme einer Vielzahl bekannter Größen der Slam-Szene unterstreichen. Die Sieger der monatlich bis zum Saisonfinale stattfindenden Wettbewerbe treten im Juli 2017 gegeneinander an.

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