Mit Bakterien zum Sieg

Weiß, was Schleimschichten und WG gemein haben: Charlotte Wermser erhält den Wanderpokal beim Science-Slam. Foto: Patricia Schätzler

Beim ausverkauften Science Slam am 09. November im Zentralen Hörsaalgebäude am Hubland wagen Slammer den Balanceakt zwischen Wissenschaft und Unterhaltung. Das Erfolgsrezept der Siegerin Charlotte Wermser: der Vergleich von Studierenden mit Bakterien.

von Patricia Schätzler

Wissenschaft unterhaltsam und anschaulich in sieben Minuten zu vermitteln: Darum geht es laut Ankündigung des Alumnivereins, der den Wettstreit zum zweiten Mal in Kooperation mit der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) und der Stadt Würzburg organisiert.

Doktorandin setzt sich gegen Professoren durch

Die Siegerin Charlotte Wermser weiß, wie das geht. Die Doktorandin des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie vergleicht anschaulich einen Bakterienfilm mit einer Studenten-WG. Der sogenannte Film, der vergleichbar mit einer Schleimschicht ist, habe für die Bakterien den gleichen Nutzen wie die WG für den Studierenden: man sei nicht so allein. Sie selbst stellt sich in ihrem Vortrag als den nervigen Nachbarn dar, der die Studenten anschwärze, wenn sie zu laut feierten. „Ich stehe somit in der Riege der Bösen mit Skar, Darth Vader, Sauron und anderen Bösewichten aus Kinofilmen“, erklärt sie schmunzelnd. Damit erntet sie einen Applaus mit der Lautstärke von 106 Dezibel; gleichbedeutend mit dem Sieg im Science Slam.

Die Auszeichnung, einen Wanderpokal, überreicht Michaela Thiel. Die Leiterin des Alumni-Büros eröffnet und beschließt den Abend gemeinsam mit dem Moderator Johannes Keppner. Er ist selbst Alumnus der Julius-Maximilians Universität und verspricht einen „extravaganten, amüsanten und kurzweiligen Abend“.

Slammer mit unterschiedlichsten Fachgebieten

Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Steffen Hillebrecht von der FHWS war kurzfristig verhindert. Deshalb tritt der Sieger des Vorjahres, Professor Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie, außer Konkurrenz an. Er gibt Einblicke in das Sexualverhalten der Bandwürmer. Mit dem Kuscheltier-Bandwurm „Klausi“ in der Hand, hat er durch gekonnte Wortwitze die Lacher schnell auf seiner Seite.

Als „richtiger“ Slammer tritt Professor Robert Luxenhofer vom Lehrstuhl für Chemische Technologie der Materialsynthese an. Er setzt auf Effekte, während er über die Problematik bei der Lösung von Polymeren für die Krebsforschung berichtet: Er lässt eine kleine Drohne durch den Hörsaal fliegen. Zum Abschluss zerplatzen zwei mit Glitzer gefüllte Luftballons, die ein Volumen von 400 Litern fassen und zur Veranschaulichung dienen. „Also knallt es doch am Ende, wie man der Chemie nachsagt“, kommentiert Johannes Keppner diesen Effekt.

Einen publikumswirksamen Titel wählt Professor Volker Herrmann von der FHWS. „Kann man Gummis wiederverwenden“ fragt sich der Experte der Kunststoff- und Elastomertechnik und sorgt für zweideutige Spitzen.

Von Idealismus und Moral

Ihm folgt Julien Bobineau, Mitarbeiter der Romanistik. Mit viel „schwarzem Humor“ spielt er mit den existierenden Stereotypen gegenüber dem afrikanischen Kontinent und seinen Bewohnern. Doktor Manuela Scheuermann vom Institut für Politikwissenschaften und Soziologie tritt im Wonder-Woman-T-Shirt auf. Mit Gesangseinlagen von Tim Bendzkos „Nur noch kurz die Welt retten“ untermalt sie die Aussage, dass „Frauen die Welt besser machen“.

Zum Abschluss schafft es Professor Eric Hilgendorf, Lehrstuhlinhaber an der Juristischen Fakultät, eine Brücke zwischen vermeintlich angestaubter Rechtslehre, einem moralischen Dilemma und dem Faktor Unterhaltung zu bauen.

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