Memo: Das Geschäft mit der Nachhaltigkeit

Memo AG Gebäude
Memo: Der umweltfreundliche Versandhandel aus Greußenheim legt Wert auf Nachhaltigkeit

Die Memo AG feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum: Der Mittelständler aus Greußenheim behauptet sich als umweltfreundlicher Versandhandel. Inzwischen beliefert er nicht mehr nur Geschäftskunden.

Von Svenja Gelowicz

Mineralölfreie Farben, 100 Prozent Recyclingpapier, emissionsarme Klebstoffe: Der Druck des Nachhaltigkeitsberichts von Memo muss strengen Qualitätskriterien entsprechen. Der Auftrag geht an ein klimaneutrales Berliner Druckhaus, das Siegel „Blauer Engel“ ziert am Ende den Bericht: Prädikat umweltfreundlich. Versandhandel und Nachhaltigkeit stehen naturgemäß im Widerspruch – Unmengen an Verpackung, lange Transportwege, Ware aus aller Herren Länder.

Firmengründer Jürgen Schmidt verkaufte schon auf dem Pausenhof recyceltes Papier und setzt sich für Umweltschutz ein; inzwischen ist der Manager aus dem operativen Geschäft von Memo ausgetreten. „Die ersten Kunden waren die sogenannten „Ökos“ – Naturkostläden, alternative Buchläden. Die Verwendung von umweltfreundlichen Produkten war zu dieser Zeit auch ein politisches Statement“, erzählt Vorstand und Memo-Mitbegründerin Ulrike Wolf. „Wir wollten uns aber nicht in eine politische oder ideologische Ecke stellen lassen“. Ein bisschen Politik ist trotzdem dabei: In sozialen Netzwerken ruft das Unternehmen zum Glyphosat-Verbot auf, setzt sich gegen die industrielle Lebensmittelverschwendung ein.

memo Firmengebäude
Das Firmengebäude der Memo AG in Greußenheim

Von Bürozubehör über Schulausstattung, Haushaltswaren und Werbeartikeln: Memo, aktuell mit 122 Mitarbeitern, entscheidet sich gegen den „Öko-Aufschlag“ und für die konventionellen Marktpreise. Denn nur dann gelinge eine große Marktdurchdringung der Bio-Waren. Dieser Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie ist nicht immer leicht: „Uns ist es auch nicht recht, wenn ein Produkt von weit herkommt. Manchmal geht es aber nicht anders“, erklärt Unternehmenssprecherin Claudia Silber. „Natürlich müssen wir auch auf den Preis schauen. Es bringt nichts, wenn wir unseren Kunden ein durch und durch nachhaltiges Produkt anbieten, das nicht erschwinglich ist.“

Nachhaltigkeit als Kerngeschäft

1995, knapp fünf Jahre nach der Gründung, zieht Memo von Würzburg 15 Kilometer westlich nach Greußenheim: Ein eigenes Firmengebäude, gebaut nach umwelt- und gesundheitsverträglichen Kriterien. Hier verwirklichen die Unterfranken ihr Ökokonzept in jedem Winkel – Dachbegrünung, Holz-Hackschnitzel-Heizung, gedämmte Fenster; die Rolltore verhindern Wärmeverlust bei Warenlieferungen. Unvermeidbare Emissionen kompensieren die Franken, indem sie in Klimaschutzprojekte investieren. Grüne Mehrweg-Versandkisten sparen Transportmaterial; Wertstoffe wie leere Tonerkartuschen oder alte CDs nimmt das Unternehmen in selbiger Kiste zurück: zum Recycling. Immer wieder werden die Unterfranken für ihr Umweltengagement ausgezeichnet.

Memo Logistik
Die Mehrweg-Versandkisten der Memo AG gehen auf die Reise

Dass Memo es ernst meint, zeigt auch ein 14-seitiger Fragenkatalog, den Produzenten ausfüllen müssen, bevor ein Erzeugnis in das Sortiment der Ökohändler wandert. Der Bio-Versandhandel wählte jedes der rund 18.000 Produkte nach strengen Beschaffungskriterien aus: Herstellung, Materialien und Verpackung sind genauso entscheidend wie Sozialverträglichkeit, fairer Handel und Reparaturfähigkeit. „Wir haben natürlich auch einige Hersteller, die in Übersee produzieren, beispielsweise Textilien und Beleuchtung“, berichtet Silber. „Für ein kleines Unternehmen wie Memo ist es schwierig, die Produktionsstätten außerhalb Europas vor Ort zu besichtigen.“

Nachhaltigkeit als Kerngeschäft in Zeiten von Discounterpreisen, boomenden Internetverkaufsriesen wie Amazon und einer generellen Wegwerf-Mentalität? Seit der Gründung im Jahr 1991 schreibt der Öko-Versandhandel schwarze Zahlen und fährt 2015 einen Umsatz von 19,1 Millionen Euro ein; um die 124.000 Kunden beliefern die Unterfranken jährlich. Åsa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH, sieht die Öko-Mittelständler als Vorbild: „Unternehmen wie die Memo AG treten den Beweis an, dass Ökonomie, Ökologie und Soziales durchaus in Einklang zu bringen sind, ohne den wirtschaftlichen Erfolg zu gefährden“, konstatiert die Regionalmanagerin. Und doch: In den letzten fünf Jahren steigt der Umsatz nur um 3,3 Prozentpunkte, 90 Prozent des Absatzes erwirtschaften die Unterfranken in der Bundesrepublik – nichtsdestotrotz strebt das Unternehmen die europäische Marktführerschaft als Bio-Versandhändler an.

Die Leute wollen Bio

Der zunehmende Trend zu mehr Bio und Nachhaltigkeit, auch als Gegenbewegung zum Massenkonsum, spielt den Greußenheimern in die Karten. Seit einem Jahr adressieren sie gezielt Privatkunden mit einer eigenen Business-to-Consumer-(B2C)-Verkaufsplattform. Die Endverbraucher können das Sortiment per Mausklick nach Umweltsiegeln filtern, egal ob Öko-Smartphone, Standmixer oder Schimmelentferner. „Wir bedienen zum Großteil Business-to-Business-Kunden, etwa 75 bis 80 Prozent“, sagt Silber. „Da es aber immer mehr Menschen gibt, die nachhaltig leben möchten, sehen wir viel Potenzial im B2C-Sektor. Die gesellschaftlichen Veränderungen hin zu mehr Umweltbewusstsein sind dabei ein Vorteil für uns.“

Die Verbraucher Initiative e.V. sieht auch zukünftig viel Potenzial bei den Konsumenten. „Unsere Erfahrung zeigt, dass nachhaltige Produkte möglichst einfach im Handel erhältlich und zugänglich sein müssen, damit die Leute nachhaltiger einkaufen“, berichtet Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative e.V.: „Im Vergleich zu unseren vorangegangenen CSR-Untersuchungen ist die Umwelt- und Sozialverantwortung von Unternehmen an Standorten in Deutschland weiter gestiegen“, so der Verbraucherschützer. Für Memos Kerngeschäft bedeutet das: mehr Nachfrage, aber auch mehr Konkurrenz – Nachhaltigkeit ist dann vielleicht kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

© Main-Magazin 2016 (Fotos: Memo AG)

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