Coredinate: Hightech in der Sicherheitsbranche

CEOs von Coredinate
Die beiden CEOs von Coredinate: Michael und Sebastian Kulig. Während sich Michael Kulig im Unternehmen um die Produktentwicklung kümmert, ist Sebastian Kulig für Vertrieb und Finanzen zuständig.

Zwei Brüder, mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Sicherheitsbranche und die eine zündende Idee. Aus einer von Sebastian und Michael Kulig entwickelten Software entstand im fränkischen Uffenheim das Unternehmen Coredinate.

Von Eva Hetzner

Manchmal ist es ein simpler Einfall, aus dem sich eine ungeahnte Zukunft entwickelt. Einen simplen Einfall hatten auch Sebastian und Michael Kulig, als sie sich dazu entschlossen, eine Software für die Mitarbeiter ihres Sicherheitsunternehmens Kulig Security GmbH & Co. KG zu entwickeln. Dass aus dieser Software im Jahr 2014 ein Hightech Unternehmen namens Coredinate in der Kleinstadt Uffenheim entstehen würde, ahnten die beiden Brüder damals noch nicht. „Bei uns stand zu Beginn nicht die Überlegung, welche Verbesserung die Welt noch brauchen könnte“, sagt Geschäftsführer Michael Kulig. „Wir hatten ein reales Problem und haben es selbst gelöst.“

Mit ihrem Sicherheitsdienst Kulig Security GmbH & Co. KG sorgen Sebastian und Michael Kulig seit über 23 Jahren für den Schutz von mittelständischen und größeren Unternehmen gegen Einbruch und Diebstahl außerhalb der Betriebszeiten. Das Problem der beiden Brüder war folgendes: Ihre Mitarbeiter benutzten sogenannte „Wächterkontrollsysteme“, um durch einfaches Scannen von Kontrollpunkten an wichtigen Stellen in den Unternehmen ihre Anwesenheit zu protokollieren. Die Hardware war allerdings veraltet und unzuverlässig: „Bei dieser ‚alten Technik’, die wir im Einsatz hatten, war leider nicht nur das Auslesen umständlich“, erklärt Michael Kulig. „Es fehlten oft auch ganze Datenreihen und man konnte beispielsweise nach einem Einbruch nicht belegen, dass man vor Ort war.“

Coredinate als Lösung des Problems

Deshalb entwickelten die beiden Brüder einfach eine Software, die klassische Wächterkontrollsysteme ersetzt und nannten sie Coredinate. Via App auf dem Smartphone scannt das System die wichtigsten Kontrollpunkte im Unternehmen ab und speichert den genauen Aufenthaltsort des Mitarbeiters zusammen mit der Uhrzeit. Diese Daten können in Echtzeit über ein Internetportal abgerufen werden. Das bedeutet: Zu jeder Zeit kann nachverfolgt werden, ob die Dienstleistung erfolgt ist oder nicht.

Das System teilt dem zuständigen Wachdienst über sein Smartphone aber auch detailliert mit, ob alles erledigt ist oder ob noch Aufgaben vorliegen. Besondere Vorkommnisse können vom Mitarbeiter auch protokolliert werden, wenn beispielsweise am oder im Gebäude etwas vorgefallen ist.

Hightech in der fränkischen Provinz

Prompt war klar, dass das neu geschaffene System auch anderen Unternehmen in der Sicherheitsbranche helfen könnte. So entstand aus der Software ein Unternehmen, ebenfalls namens Coredinate. Das Hightech-Unternehmen hat seinen Sitz in Uffenheim, einer 6000-Einwohner großen Stadt in Mittelfranken. „Klassische Startup-Zentren sind ja eher Nürnberg, München oder Berlin. Aber die Idee, aller Skepsis zum Trotz ein Hightech-Unternehmen in Uffenheim anzusiedeln und dort auch zu halten, hat uns von Anfang an gereizt“, sagt Michael Kulig.

Deutlich an Bekanntheit gewann das Unternehmen im Jahr 2014 durch den „Businessplan Wettbewerb Nordbayern“, einen für Startups ausgelegten Wettbewerb, bei dem junge Unternehmen Preisgelder und Investoren gewinnen können. Mit Coredinate belegten Sebastian und Michael unter 130 Gründerteams den 3. Platz. Für das Startup ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte: „Obwohl wir von Beginn an Coredinate geglaubt haben, schließlich hat es die Arbeit in unserem eigenen Sicherheitsdienst ja enorm erleichtert, haben wir den Erfolg enorm unterschätzt“, sagt Michael Kulig. „Das Echo in Presse und Gründerszene war überwältigend und zeitweise etwas surreal“, so der Geschäftsführer weiter.

Neue Geschäftsfelder: Die Wartungs- und Reinigungsbranche

Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 12 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in der Türkei. Während das Unternehmen der beiden Brüder im Gründungsjahr 2014 einen Umsatz von 6.000 Euro verzeichnete, brachte es 2015 etwa 55.000 Euro ein. Für das Jahr 2016 rechnen die beiden Brüder und Geschäftsführer Sebastian und Michael Kulig mit einem Umsatz von 300.000 Euro. Da Coredinate als Startup durch Eigenmittel und Investoren finanziert wurde, hat das Unternehmen noch keinen Gewinn erzielt. Die Gewinnschwelle wollen die Kulig Brüder spätestens im Februar 2017 erreicht haben.

Die Software wurde mittlerweile sogar für Reinigungs- und Wartungsunternehmen weiterentwickelt. „Der Weg zu diesen beiden Zielbranchen war dann nicht mehr weit, weil die Tätigkeiten hier auf gewisse Weise sehr ähnlich sind.“ Ob Wachmann, Wartungstechniker oder Reinigungskraft: Es geht immer darum, die Anwesenheit vor Ort zu dokumentieren, mögliche Ereignisse vor Ort zu erfassen und keine Aufgaben zu verpassen. Auch in Zukunft sollen die Funktionen von Coredinate ausgebaut werden.

Bei jedem Schritt der Entwicklung sind die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der beiden Kulig Brüder Erstnutzer und Beta-Tester. Für Michael Kulig der Erfolgsfaktor des Unternehmens: „Unsere Kunden bestätigen immer wieder: Man sieht dem Produkt an jeder Stelle an, dass es von Praktikern entwickelt wurde.“ Nächstes Ziel der beiden Brüder ist es, die Software zu internationalisieren und weltweit auf den Markt zu bringen: „Wir wollen, dass Coredinate der neue Standard wird.“

© Main-Magazin 2016 (Fotos: Coredinate)

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