Ebert+Jacobi: Vom familiären Kleinbetrieb zum Millionen-Unternehmen

Lagerhalle des Pharmagroßhändler Ebert+Jacobi
Lagerhalle des Pharmagroßhändlers Ebert+Jacobi

Der inhabergeführte Pharmagroßhändler Ebert+Jacobi versorgt täglich mehr als 2.600 Apotheken in ganz Süd- und Mitteldeutschland mit Arzneimitteln. Dafür müssen alle Prozesse in der Lieferkette genau aufeinander abgestimmt sein. Der Konkurrenzdruck innerhalb der Pharmaziebranche ist groß, weshalb Ebert+Jacobi besonders auf die persönliche Nähe zu Kunden und Partnern setzt.

Von Jennifer Brach

Von Schmerzmitteln, Antibiotika und Impfstoffen über Homöopathika bis hin zu Blutzuckermessgeräten und Schwangerschaftstests: In den meterhohen Metallregalen reiht sich eine riesige Auswahl an Arzneimitteln und anderen medizinischen Produkten. Rund 90.000 verschiedene Artikel sind im Lager von Ebert+Jacobi in Würzburg ständig verfügbar, im gesamten Verbundsystem sind es sogar mehr als 120.000 Artikel. Den größten Teil davon machen die Arzneimittel aus, doch das Sortiment des Pharmagroßhändlers umfasst noch weit mehr. Neben gängigen Produkten wie Sonnencreme, Taschentüchern und Verbandsmaterial findet sich zwischen den Regalen auch Außergewöhnliches – wie zum Beispiel Blutegel. In großen, mit Wasser gefüllten Eimern schwimmen Dutzende der schwarzen Blutsauger. Auf Bestellung werden die medizinischen Helferlein in kleine Behältnisse verpackt und an die Apotheken geliefert.

Lagerhalle Ebert+Jacobi
Arzneimittel türmen sich in der riesigen Lagerhalle des Pharmagroßhändlers Ebert+Jacobi in Würzburg Lengfeld

Der gesamte Warenbestand auf der rund 8.000 Quadratmeter großen Lagerfläche hat ein Lagervolumen von etwa 2 Millionen Packungen. Der Umsatz der Ebert+Jacobi Gruppe ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen: Während er 2006 bei noch bei rund 600 Millionen Euro lag, so konnte der Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 900 Millionen Euro verzeichnen. „Dieses Wachstum ist zum einen auf den demografischen Wandel und den damit verbundenen erhöhten Bedarf an Medikamenten zurückzuführen und zum anderen darauf, dass in den letzten Jahren viele Hochpreisartikel auf den Markt gekommen sind“, erklärt Daniela Schüller, Leiterin der Marketingabteilung und Mitglied der Geschäftsführung. Jeden Tag gehen etwa 5.500 Aufträge per Internetbestellung in der Zentrale in Würzburg ein. „Das Haus bearbeitet täglich 60.000 Bestellzeilen und 8.500 Kommissionierbehälter“, so die gelernte Diplomkauffrau. Als Kommissionierbehälter werden die verschließbaren Plastikboxen bezeichnet, in denen der Großhändler die Medikamente an die einzelnen Apotheken liefert. Insgesamt beliefert das Stammhaus mehr als 1.000 Apotheken in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen – und das im Schnitt dreimal pro Tag.

Ein Unternehmen in der vierten Generation

Fließband von Ebert+Jacobi
Eine logistische Herausforderung: Am Fließband werden die Produkte sortiert

Die durchschnittliche Auslieferungszeit des Großhändlers beträgt 2,5 Stunden. „Dafür ist es erforderlich, dass alle logistischen Prozesse exakt aufeinander abgestimmt sind“, so Schüller. Vom Eingang der Bestellung über die Kommissionierung im Lager bis hin zum Versand im Fuhrpark muss alles reibungslos funktionieren. Ein großer Teil der Prozesse läuft dabei mittlerweile maschinell ab. „Der Automatisierungsgrad liegt bei über 62 Prozent“, erklärt die Marketingleiterin. Stündlich starten Lieferfahrten vom Firmengelände im Würzburger Stadtteil Lengfeld. Die Routen der Fahrer sind dabei möglichst kostengünstig und zeitoptimiert festgelegt.

Bestellungen über das Internet, Computersysteme zur Kontrolle der Lagerbestände und moderne Kommissioniermaschinen gab es zu Zeiten der Gründung vor über 130 Jahren noch nicht: Am Neujahrestag 1884 hatten Philipp Jacobi und Emil Ebert eine „Materialwaaren und Droguenhandlung“ erworben und gaben dieser den Namen Ebert+Jacobi. In dem kleinen Laden, der zunächst in der Häfnergasse 6 angesiedelt war, gab es alles zu kaufen, was man im Haushalt so brauchte. 1920 ging der familiäre Kleinbetrieb an die Gründersöhne Fritz Müller und Ludwig Schüller über, später kam Schüllers Sohn Friedrich hinzu. Mit Fahrrädern und drei Transportwagen wurden 1937 bereits die ersten Kunden mit Waren beliefert. Nach der Bombenzerstörung Würzburgs im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb rasch wieder aufgenommen und das Unternehmen wuchs von da an ständig weiter. Im Jahr 1965 wurde schließlich die Niederlassung in Heidenheim gegründet. Mit gerade einmal 25 Jahren wurde der Sohn von Friedrich Schüller, Ralph-D. Schüller, nach dem frühen Tod des Vaters 1987 zum neuen Geschäftsleiter von Ebert+Jacobi. Damit wird das Familienunternehmen bereits in der vierten Generation geführt.

Flächendeckende Versorgung in Mittel- und Süddeutschland

Als Pharmagroßhändler hat Ebert+Jacobi einen Auftrag: die flächendeckende und uneingeschränkte Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Neben dem Hauptsitz der Ebert+Jacobi GmbH & Co. KG im Würzburger Stadtteil Lengfeld und der Niederlassung im baden-württembergischen Heidenheim, verfügt die Ebert+Jacobi Gruppe noch über drei weitere Standorte: spangopharm GmbH & Co. KG im hessischen Spangenberg (seit 1987), Ebert+Jacobi Finze GmbH & Co. KG in Pfreimd in Bayern (seit 2007) sowie Fiebig Ebert+Jacobi GmbH in Ludwigshafen (seit 2014). Von insgesamt fünf Standorten aus beliefert die Gruppe mehr als 2.600 Apotheken im gesamten süd- und mitteldeutschen Raum. Damit ist Ebert+Jacobi der größte private Pharmagroßhändler in Deutschland.

Die größte Herausforderung für das Unternehmen sieht Marketing-Leiterin Schüller im Wettbewerb der Branche: „Der Markt ist hart umkämpft. In Deutschland gibt es rund 20.500 Apotheken, die jeweils von mindestens zwei bis drei verschiedenen pharmazeutischen Großhandlungen mehrmals täglich beliefert werden“. Durch intensiven Kundenkontakt und Serviceangebote wolle man sich vom Wettbewerb differenzieren, betont die 53-Jährige. Gemeinsam mit anderen inhabergeführten privaten Pharmagroßhändlern hat sich Ebert+Jacobi zum Netzwerk „Pharma Privat“ zusammengeschlossen, die gemeinsam einen Marktanteil von 8,5 Prozent ausmachen. Weitere Marktteilnehmer neben Pharma Privat sind Alliance Healthcare (16 Prozent Marktanteil), Noweda (15 Prozent), Phoenix (über 25 Prozent), Sanacrop (16 Prozent) und Celesio (15,8 Prozent).

„Der Markt ist ein hartes Brot“

Bei der Preisbildung spielt auch die Politik eine zentrale Rolle. Die zahlreichen Reformen des Gesundheitswesens betreffen nicht nur Ärzte, Krankenkassen und Apotheken, sondern auch den pharmazeutischen Großhandel. „Der Gesetzgeber legt zum Beispiel im rezeptpflichtigen Bereich die Preise fest. Für jedes rezeptpflichtige Medikament erhalten wir unabhängig von dessen Preis 70 Cent plus einen preisgebundenen Aufschlag von 3,15 Prozent“, erklärt Schüller. Bei apothekenpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten hingegen kann der prozentuale Aufschlag vom Großhändler selbst bestimmt werden, allerdings zwingt der Konkurrenzdruck die Marktteilnehmer dazu, diesen möglichst gering zu halten. Wegen des Preisdrucks und der geringen Gewinnspanne sei es in der Folge oft schwierig, im Preiskampf mitzugehen. „Der Markt ist ein hartes Brot“, so die Marketingleiterin. Deshalb seien ein partnerschaftlicher Umgang und gegenseitiges Vertrauen für die Unternehmensgruppe enorm wichtig.

© Main-Magazin 2016 (Fotos: Ebert+Jacobi)

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