Verödende Innenstädte? Ein wildes Taubsi erscheint!

Das ein oder andere Pokémon lässt sich auch am Schreibtisch fangen, wer den Slogan "gotta catch 'em all" ernst nimmt, wird sich mehr bewegen müssen.

Die neue „Wunderapp“ von Niantic bricht alle Rekorde. Das kostenlose Handyspiel Pokémon Go ist am sechsten Juli in Neuseeland und den USA erschienen und seit Mitte Juli auch in Deutschland verfügbar.

Ein Kommentar von Joshua Liman

Die Aufgabe des Spielers ist es, so viele Pokémon wie möglich zu fangen und mit diesen dann untereinander um Arenen zu kämpfen. Was die App jedoch so erfolgreich macht ist, dass man zum Spielen durch viel besuchte Gegenden laufen muss. Man kann also nicht länger zu Hause auf der Couch sitzen und währenddessen spielen, sondern muss sich aktiv bewegen. Es hatten schon einige App-Hersteller ähnliche Ideen wie man Spieler nach draußen an die Luft bekommt, jedoch hat es noch nie jemand so gut gemacht wie Nintendo in Zusammenarbeit mit der Entwicklerfirma Niantic. Das brillante Konzept von Pokémon in Verbindung mit Bewegung setzt neue Maßstäbe. Die Zahlen sprechen für sich: Die App hat Social-Media-Anwendungen wie Twitter und Facebook in täglichen Benutzern innerhalb weniger Tage überholt. Pokémon Go schafft, was zuvor noch niemand geschafft hat. Und die App beeinflusst nicht nur die Spieler. In den USA haben einige Einkaufszentren und Geschäfte angefangen mit Pokémon Go zu werben. Sie versprechen zum Beispiel, dass man seltene Pokémon bei Ihnen fangen könne.

Hat die App Nachteile? Was sind die Gefahren?

Die größte Gefahr die von der App ausgeht ist tatsächlich, dass man sich während des Spielens zu sehr auf sein Smartphone konzentriert und nicht mehr auf seine Umgebung achtet. Darauf weist das Spiel bei jedem Starten hin. Abgesehen davon ist wahrscheinlich die größte Gefahr einen Wadenkrampf vom vielen Laufen zu bekommen.

Seit einer Woche habe ich das Spiel jeden Tag für mehrere Stunden und Kilometer selbst gespielt: Die Entwickler haben es geschafft, in einem an Genres, Subgenres und Nachahmungen reichen Medium ein Spielerlebnis zu erschaffen, das ich tatsächlich als neu empfunden habe.

In meinem Wohnort, einer Kleinstadt mit circa zwölftausend Einwohnern ist die Innenstadt ruhig und überschaubar. Seit dem Erscheinen von Pokémon Go ist sie so belebt wie seit Jahren nicht mehr. Man sieht und trifft rund um die Uhr Spieler aus allen Altersgruppen. Meine Freunde hatten sich die App zum ersten Mal am Tag des EM-Finales heruntergeladen. Wir hatten so viel Spaß beim Spielen, dass wir anstatt der zweiten Halbzeit lieber durch den Ort gelaufen sind, um Pokémon zu fangen. Und sogar dann, um zehn Uhr abends, traf man häufig noch auf andere Spieler die beispielsweise Tipps gaben, wo man die besten Pokémon fangen kann. Wenn mir jemand vor einigen Wochen erzählt hätte, dass ich anstatt das EM Finales anzuschauen, durch die Innenstadt laufen würde, um virtuelle Pokémon zu fangen, hätte ich das für komplett undenkbar gehalten.

Pokémon Go ist es gelungen, mehrere Generationen von Spielern aus dem Haus zu bekommen und Ihnen Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Interessant anzuschauen wird sein, wie lange der Enthusiasmus noch anhält.

Written By
More from Redaktion

Klimawandel gefährdet Kulturgut Wein in Franken

Der Weinbau in Mainfranken verändert sich durch den Klimawandel, sagt Dr. Heiko...
Read More