Kuba: Der Wandel ist eingeläutet

Die Altstadt Havannas: Anzugspunkt für Touristen, von denen immer mehr nach Kuba kommen. Der Botschafter Deutschlands in Kuba und gebürtige Würzburger Karl Neisinger berichtete über die Marktöffnung im Land. Foto: Wikimedia Commons

Die Zeichen stehen auf Veränderung. Mit der historischen Marktöffnung Kubas bietet sich ausländischen Investoren ein neues Terrain. Der deutsche Botschafter in Havanna sieht die Investitionschancen für deutsche Unternehmen im Bereich Photovoltaik, Chemie und Maschinenbau, vor allem in der Verpackungs- und Nahrungsmittelindustrie.  

von Annika Kapp

Kuba braucht Geld

Das 1962 durch John F. Kennedy verhängte Handelsembargo habe trotz der Marktöffnung und Annäherung mit den USA immer noch große Auswirkungen auf Kubas Wirtschaft, hat Thomas Karl Neisinger am zweiten Juni, in der IHK Würzburg-Schweinfurt berichtet. Seit September 2015 ist der gebürtige Würzburger nun deutscher Botschafter in Havanna und bietet deutschen Firmen seine Unterstützung an. Besonders die negative Außenbilanz belaste die Wirtschaft Kubas. Die Warenimporte sind circa dreimal so hoch wie die Warenexporte des Landes. Einkünfte werden vorranging im Dienstleistungssektor, insbesondere mit dem Export von Fachkräften, erzielt. Aufgrund des großen Interesses der kubanischen Regierung an erneuerbaren Energien steige auch die Nachfrage nach ausländischen Investoren. Diese scheuen sich allerdings noch vor Beteiligungen. Da Kuba eine Staatswirtschaft ist, können Investoren keinen direkten Anspruch auf Land als Sicherheit geltend machen. Das bilaterale Investitionsschutzgesetz biete aber Sicherheit, so Neisinger.

Investitionen in Kuba? Karl Neisinger sieht Chancen für deutsche Unternehmen. Foto: Annika Kapp
Investitionen in Kuba? Karl Neisinger sieht Chancen für deutsche Unternehmen. Foto: Annika Kapp

Ungenutztes Potential

Trotz fruchtbarer Agrarflächen und damit guten Voraussetzungen für die Landwirtschaft, ist der Anteil des Agrarsektors am BIP von 50 Prozent in den 60er Jahren auf heute nur noch unter fünf Prozent gesunken. Das Land produziere nicht einmal ausreichend Nahrungsmittel, um sich selbst zu versorgen. Vielmehr müsse es 80 Prozent der Lebensmittel importieren, was den vorherrschenden Devisenmangel weiter verschärfe. Wenn das Land seine Agrarflächen besser nutze, könne es nach vorne gebracht werden, erklärte Botschafter Neisinger. Die dortigen NGOs stünden jedoch vor limitierten Möglichkeiten und könnten nur innerhalb der institutionellen Strukturen und Grenzen handeln.

Tourismussektor auf dem Vormarsch

Die steigenden Tourismuszahlen als Haupteinnahmequelle für Devisen könnten zusätzlich dem Devisenmangel entgegenwirken. Obwohl sich die Preise im Jahr 2015 verdoppelt haben, sind die Tourismuszahlen auf Rekordkurs. Deutsche Urlauber sind nach den Kanadiern auf Platz zwei der einreisenden Touristen. Kuba als Reiseziel boome, auch wenn die Kapazitäten der Hotels in der Hauptreisezeit so überfüllt seien, dass die Gäste kurzerhand umgebucht würden – notfalls auch in eine andere Stadt.

Kubanische Fachkräfte für deutsche Firmen?

Im Gegensatz zu mehr als 3,5 Millionen Touristen im vergangenen Jahr, fühlen sich vor allem junge Kubaner nicht bedingungslos zu ihrem Heimatland hingezogen. Mit der Öffnung des Landes ist nun auch die Reisefreiheit weitgehend zurück, was der jungen Generation neue Perspektiven bietet. Wegen des geringen Lohnniveaus verlassen viele das Land, um im Ausland zu arbeiten. Immer mehr Kubaner würden nun deutsche Pässe beantragen. Viele hätten deutsche Vorfahren, was es einfach mache, deutsche Papiere zu erhalten.

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