Fränkischer Braustolz im globalen Bierkonzern

Würzburger Hofbräu ist das älteste noch existierende Wirtschaftsunternehmen der Stadt. Obwohl die Brauerei inzwischen einer internationalen Holding gehört, will sie mit Regionalität und Historie punkten. Keine leichte Aufgabe in einem umkämpften Markt mit hohem Innovationsdruck.    

Von Manuel Kern

Dirk Nowitzki ist ein Rotweintrinker. Die Flasche Pils von Würzburger Hofbräu in seinem Spind bei den Dallas Mavericks ist für das „German Wunderkind“ vor allem eine Erinnerung an die Heimat. Für die Umsätze sorgt sein Vater, der, so verriet der Basketball-Superstar aus Würzburg kürzlich einer TV-Reporterin, täglich ein Bier aus der heimischen Brauerei zum Frühstück verzehrt.

Dabei wäre das fränkische Bier selbst im fernen Texas nicht schwer aufzutreiben. Die USA sind der größte ausländische Markt für Würzburger Hofbräu. Die ersten Fässer gelangten schon Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika, Anbieter von transatlantischen Schiffsreisen hatten sie an Bord. Man freue sich zwar, dass neben den USA auch Kunden in Italien und Japan die Qualität des Biers zu schätzen wüssten, sagt Matthias Klingbeil, Produktmanager bei Würzburger Hofbräu und zuständig für das Marketing. „In Sachen Absatz spielt der Export für uns heute aber eine Nebenrolle“, erzählt Klingbeil beim Rundgang über das Brauereigelände.

Die Firmengeschichte begann im Dreißigjährigen Krieg

Viel wichtiger, das betont er bei jeder Gelegenheit, sei für das Traditionsunternehmen der regionale Biermarkt. „Wir sind das älteste noch bestehende Wirtschaftsunternehmen in Würzburg“, sagt er. Und tatsächlich: Die Firmengeschichte beginnt bereits im Jahr 1643. Während des Dreißigjährigen Kriegs, so der Gründungsmythos, hatten schwedische Truppen Würzburgs Weinvorräte aufgebraucht. Um die Soldaten zu besänftigen, ließ der mainfränkische Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn Bier brauen. Auf diese Weise konnte schneller Alkohol produziert werden als bei der Weinherstellung. Dem Gründungsjahr hat Würzburger Hofbräu sein Lager-Bier „1643“ gewidmet. An den Gründungsvater erinnert ein Gemälde an der Fassade des Empfangsgebäudes an der Höchberger Straße, zudem verweist die Krone im Unternehmens-Logo auf die Anfänge des Unternehmens. Ergänzt wird es von einem Stern, dem Zunftzeichen der Brauer und Mälzer.

Rund 70 Mitarbeiter hat Würzburger Hofbräu heute. Wechsel gibt es nur selten. „Wir stellen ein Produkt her, das viel Freude bereitet, das motiviert ungemein“, sagt Marketing-Mann Klingbeil und betont den Stolz der Mitarbeiter auf die regionale Brauerei. Der Hopfen stammt aus der Hallertau in Südbayern, das Brauwasser aus dem eigenen Tiefbrunnen im Würzburger Steinbachtal, Malz und Gerste größtenteils aus Franken. Doch allein mit Regionalität und Tradition kann auch die mit einem Jahresausstoß von rund 250.000 Hektolitern größte Brauerei Unterfrankens auf dem umkämpften Biermarkt nicht mehr punkten.

Zum Feste feiern gehört auch der Bierkonsum. Und Würzburger Hofbräu organisiert einschlägige Festivitäten.
Würzburger Hofbräu organisiert auch einschlägige Festivitäten, um den Bierkonsum zu fördern.

Nach wirtschaftlich turbulenten Jahren zu Beginn des Jahrtausends gehört Würzburger Hofbräu inzwischen zur Kulmbacher Gruppe, die größtenteils in Besitz der Münchner „Brau Holding International“ ist. Diese wiederum gehört knapp zur Hälfte dem niederländischen Brau-Giganten Heineken. Der Umsatz von Würzburger Hofbräu betrug im Jahr 2015 laut Geschäftsbericht der Kulmbacher Gruppe 5,8 Millionen Euro, knapp ein Drittel des Vorjahresumsatzes. Dieser Einbruch ist durch Umstrukturierungen in der Kulmbacher Gruppe bedingt: Würzburger Hofbräu verkauft sein Bier seit Beginn des Jahres 2015 zu Festpreisen an die Erfrischungs-Getränke Union Kulmbacher Gruppe GmbH, die es dann an die Kunden weiterverkauft und sich um die Rechnungen kümmert.

Komplexe Strukturen, die auch dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland geschuldet sind. „Jeder Deutsche trinkt jährlich im Schnitt 106 Liter Bier. Das sind pro Kopf drei Kisten weniger als im Jahr 1990“, sagt Matthias Klingbeil. Alkoholfreie Getränke sind gefragt, immer öfter greifen Kunden auch zu Mischgetränken oder Leichtbier. Hinzu kommt die Nachfrage nach hochpreisigen, besonderen Bieren, verbunden mit einem Sommelier-Kult, den sonst nur Rotweintrinker pflegen.

Auf dem umkämpften Biermarkt ist Innovationsgeist gefragt

Neue Ideen brauchen Brauereien deshalb nicht nur bei der Organisationsstruktur, sondern vor allem bei den Produkten. Die demografische Entwicklung und der Trend zu gesünderer Ernährung lassen keine andere Wahl, als ständig neue Ideen zu entwickeln. „Es herrscht ein starker Wettbewerb, gerade in Franken, wo wir die höchste Brauereidichte der Welt haben“, sagt Matthias Klingbeil. Ein Ergebnis des Innovationsdrucks ist das „Bürgerbräu Kellerbier“ im Retro-Look, das seit kurzem die klassische Produktpalette aus Pils, Export und Hefeweizen ergänzt. Benannt ist es nach der Brauerei „Bürgerbräu“, bis in die Siebzigerjahre größter lokaler Konkurrent von Würzburger Hofbräu.

Für den Trend zum Experimentieren mit verschiedenen Inhaltsstoffen, der sich insbesondere in der Craft Beer-Szene ausbreitet, hat Matthias Klingbeil wenig übrig. „Wir brauchen keinen Schnickschnack, nur das Reinheitsgebot“, sagt er. Trotzdem habe man als handwerkliche Brauerei für jede Zielgruppe das passende Bier parat. Im Jahr 2013 brachte Würzburger Hofbräu mit „Sternla“ ein Bier auf den Markt, das sich vor allem an eine junge Zielgruppe richtet. Mit Events wie dem Wakeboard-Rennen „Sternla Wake Race“ wirbt die Brauerei im Stile von Red Bull für ihre Produkte. Inzwischen hat sich Sternla über Würzburg hinaus in ganz Bayern etabliert, insbesondere in Studentenstädten wie Bamberg oder Erlangen. Zudem hat Würzburger Hofbräu die Keiler-Brauerei übernommen, im Brauhaus in Lohr entsteht jährlich das Bier für die Spessartfestwoche. „Die Unterfranken feiern gerne“, sagt Matthias Klingbeil, „deshalb liegen uns die Volksfeste sehr am Herzen.“ Gerade erst hat die Brauerei sich für fünf weitere Jahre die Ausschank-Rechte für das Kiliani-Volksfest auf der Würzburger Talavera gesichert, für das sie eigens ein spezielles Festbier braut.

Würzburger Hofbräu investiert in Gastronomie und Sponsoring

„Auch die Gastronomie ist ein wichtiger Partner für uns“, sagt Klingbeil. In das Brauhaus „Alter Kranen“ am Mainufer hat die Brauerei deshalb ebenso investiert wie in den Würzburger Hofbräukeller samt großem Biergarten, der direkt auf dem Brauereigelände liegt. Kunden aus der Gastronomie hat die Brauerei in ganz Deutschland, sogar in Hamburg. Die größten Umsätze erhofft Klingbeil sich aber nach wie vor auf dem unterfränkischen Markt. Die soll auch der der Aufstieg der Würzburger Kickers in die zweite Fußball-Bundesliga weiter anschieben. Bei den Heimspielen der Kickers organisiert Würzburger Hofbräu den Ausschank, ist zudem Sponsor. Zum Relegations-Spiel um den Aufstieg fuhr Matthias Klingbeil, so erzählt er gegen Ende des Brauerei-Rundgangs, gar mit sieben Kollegen gemeinsam in einem Bus nach Duisburg. Dann führt Klingbeil noch ins „Bräustüble.“ Hier enden die Publikums-Führungen, rund 100 sind es jedes Jahr. Nicht selten versacken die Teilnehmer in der urigen Kneipe mitten auf dem Brauereigelände. Für diesen Tag hat sich bereits eine weitere Besuchergruppe angekündigt: Die Autobahnpolizei.

© Main-Magazin 2016 (Fotos: Würzburger Hofbräu)

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