Fairtrade – Wie fair ist mein Kaffee?

Wie fair ist mein Kaffee und wieviel Fairtrade steckt noch in einer Fairtrade-Schokolade? Foto: Martin Müller / pixelio.de

Michael Schmitt von der Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) hat am 20. Mai an den Hochschultagen der FH Fulda einen Vortrag zum Thema „Fairer Handel“ gehalten und über ein KAB-Projekt in Guatemala berichtet. Er erklärt, wieso in manchen Fairtrade-Produkten weniger Fairtrade steckt als früher.

von Lisa-Marie von Keitz

Nueva Armonia – Das KAB-Projekt

Das KAB-Projekt „Nueva Armonia“ (neue Harmonie) soll die Handels- und Arbeitsbedingungen in Guatemala verbessern und das Bewusstsein der Konsumenten für fairen Handel steigern. Die Kunden sollen den Kaffee nicht aus Mitleid oder zu Spendenzwecken gekauft werden, sondern weil es „vernünftige Produkte zu vernünftigen Preisen sind“, so Schmitt. Die KAB lege besonderen Wert auf biologischen Anbau, es würden keine künstlichen und giftigen Dünger verwendet. Eine Alternative für diese sind natürliche Dünger wie die Kaffeekirsche, die laut Schmitts Erfahrung auch einen besseren Erfolg bringt.

Ebenso beschäftige sich die KAB mit alternativen Handelsprodukten aus Guatemala, um die Wirtschaft anzukurbeln. Hierbei werden von Bananenplantagen über Rinderzucht sämtliche Alternativen in Betracht gezogen. Allerdings gibt es durch den Klimawandel lange Trockenperioden und nur sehr starke Regenfälle, die den Anbau erschweren, so Schmitt.

Michael Schmitt sprach über das Kaffee-projekt der KAB in Guatemala. Foto: Lisa-Marie von Seitz
Michael Schmitt sprach über das Kaffee-projekt der KAB in Guatemala. Foto: Lisa-Marie von Seitz

In Fairtrade-Schokolade ist jetzt weniger Fairtrade

Dieser Kaffee erhält unter anderem nicht nur das Bio-, sondern auch das Fairtrade-Siegel. Bis 2011 hat ein Produkt erst ein Fairtrade-Siegel erhalten, wenn 50 Prozent der Inhalte fair gehandelt wurden. Mittlerweile liegt der Wert bei 20 Prozent, „damit ein größerer Markt erschlossen werden kann und um für mehr Produzenten etwas Gutes tun zu können”, so Schmitt. Durch diese Veränderung seien Organisationen wie GEPA ausgestiegen, weil ihrer Meinung nach Produkte, die das Siegel jetzt tragen durften, die Anforderungen dafür nicht erfüllen. Deswegen erstellte GEPA ein „fairtrade +“-Zertifikat, für das die Hersteller schärfere Kriterien erfüllen müssen.

Auf was wird bei Fairtrade geachtet?

Das Siegel steht für faire Preise von Produzenten, „mit denen man seine Familie gut ernähren kann“, so Schmitt. Ebenso garantiert es Mindestlöhne, verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen und verbietet  gesundheitsschädliche Arbeitsweisen und ausbeuterische Kinderarbeit. Durch eine Fairtrade-Prämie, die auf den Preis des Kaffees aufgeschlagen wird, werden soziale Projekte wie Schulbau und medizinische Versorgung unterstützt. Ebenso wird bei fairem Handel auf langfristige Verträge gesetzt, damit die Kleinproduzenten besser planen können.

Der Kaffeepreis

Für das Land Guatemala ist der Handel mit Kaffee sehr wichtig, da es den größten Wirtschaftszweig ausmacht. Deswegen sind die Arbeiter und Bauern der Plantagen vom Kaffeepreis abhängig. Wenn der Börsenpreis sehr niedrig ist, können die Kosten der Produzenten nicht gedeckt werden. Fairtrade Labelling Organization, die Dachorganisation für fairen Handel, setzt den Preis deswegen höher, um die Bauern zu unterstützen. Der derzeitige Börsenpreis für 100 amerikanische Pfund (45,3kg) liegt laut Schmitt bei 124 US-Dollar. Der Preis der Fairtrade Labelling Organization liegt bei 140 Dollar, wobei hier noch eine Fairtrade-Prämie von 20 Dollar und eine Bio-Prämie von 30 Dollar hinzu gerechnet wird. Sobald der Börsenwert größer ist als der Fairtrade-Preis, wird der Börsenpreis zuzüglich der Prämien bezahlt.

Guatemala: 70 Prozent leben unter der Armutsgrenze

Sieben von zehn Einwohner Guatemalas leben unter der Armutsgrenze und könnten ihre Familien nicht ausreichend ernähren, so Schmitt. Dies lasse sich besonders an dem Unterschied zwischen Mindestlohn (300 Euro im Monat) und durchschnittlichen Warenkorb (400 Euro im Monat) erkennen.

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