Hauptversammlung der Deutschen Bank: Fitschen geht, Hoffnungsträger Cryan soll es alleine richten

Stürmische Zeiten: Die Zentrale der Deutschen Bank im Regen. Foto: Rahel Szielis / pixelio.de

Am 19. Mai fand die jährliche Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle Frankfurt statt. Auch in diesem Jahr blickt die Deutschen Bank auf ein ereignisreiches Jahr zurück, mit einem Führungswechsel im Vorstand, vielen Rechtsstreitigkeiten und einem Verlust in Höhe von 6,8 Mrd. Euro nach Steuern.

von Lukas Walasiak

Die Aktionäre waren unzufrieden mit dem Geschäftsjahr und kritisierten Vorstand und Aufsichtsrat scharf. Vor allem der Aufsichtsrat, unter der Leitung von Paul Achleitner, wurde aufgrund des Ausscheidens von Georg Thoma aus dem Aufsichtsrat, des Zinsmanipulations-Skandals (Libor-Affäre), des Mehrwertsteuerbetrugs, der Geldwäscheskandale und der Sanktionsverstöße stark kritisiert. Für Jürgen Fitschen gab es überwiegend warme Worte zur Verabschiedung aus dem Vorstand, nun sei man gespannt, wie John Cryan die alleinige Leitung der Deutschen Bank meistert.

Der Aktienkurs der Bank ist seit Jahren im Fall. Hohe Strafzahlungen und Gerichtskosten belasten das Unternehmen schwer, eine Erholung ist noch nicht in Sicht. Cryan bezeichnete die hohen Rechtskosten als „inakzeptabel“ und versprach Besserung. Er warb um Zuversicht unter den Aktionären und behauptete: „wir sind besser als unser Ruf, viel besser sogar“. Außerdem relativierte er den Bericht der englischen Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA), indem die Deutsche Bank der Geldwäsche und Terrorfinanzierung beschuldigt wird. In Wirklichkeit habe die Deutsche Bank „bereits im Herbst vergangenen Jahres damit begonnen, diese Schwächen erfolgreich zu beheben“, so Cryan. Die Aktionärsvertreter waren sich dennoch einig, dass der von Jürgen Fitschen 2012 angekündigte Kulturwandel noch keine Erfolge hervorgebracht habe. Als Folge der schwachen Zahlen der Bank, wurde das neue Vorstandsvergütungssystem, das höhere Bonuszahlungen an den Vorstand beinhalten sollte, mit einer knappen Mehrheit abgelehnt.

Die zuversichtlichen Worte der Co-Vorstandsvorsitzenden konnten die Anleger über den Ausfall der Dividende und den unsicheren Verlauf des Aktienkurses nicht hinwegtrösten. Über 40 Redner äußerten sich vor allem zum vorgeschlagenem neuen Vorstandsvergütungssystems, dem Rücktritt des Aufsichtsratsmitglieds Thoma und dem angestrebten Vergleich mit dem ehemaligem Vorstandsmitglied Dr. Breuer. Den Fall Georg Thoma, der zuvor sein Verlassen aus dem Aufsichtsrat ankündigte, sahen viele Aktionärsvertreter als Symbol für die unkontrollierten Geschäfte und des Versagens des Aufsichtsrats innerhalb der Bank. Es sei ein Skandal wie mit Thoma umgegangen wurde, waren sich viele auf der Hauptversammlung sicher. Thoma, der seit 2013 im Aufsichtsrat der Bank ist, habe sich aufgrund unterschiedlicher Ansichten zur „Form der Kontrolle und nicht zum Inhalt“, so Fitschen, für einen Rücktritt entschieden.

Auch das „Bloomberg-Interview“ von 2002 stand auf der Tagesordnung. Diesmal ging es um die Zustimmung für einen Vergleich in Höhe von 3,2 Millionen Euro, der mit Rolf Breuer, dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden geschlossen werden soll. Der Aktionär Karl-Walter Freitag ist der Meinung, dass dieser Vergleich einer „Gewährung von Täterschutz durch die Bank“ nahekommt, da Breuer aufgrund seiner Aussagen zur Kreditwürdigkeit von Leo Kirch beim Sender Bloomberg TV zu einem Schaden von knapp einer Milliarde Euro beigetragen habe.

Die Zukunftspläne der Deutschen Bank sind klar. Es soll in den nächsten Jahren viel Geld eingespart werden. Bonuszahlungen an den Vorstand wurden gestrichen, tausende Mitarbeiter werden weltweit entlassen und eine Fokussierung auf das Kerngeschäft wird angestrebt. Cryan verspricht zudem, eine „bessere Deutsche Bank“ zu schaffen, die Vertrauen gewinnt, kundenorientiert arbeitet und verlässlich Dividende auszahlt. Bleibt nun abzuwarten wie es weiter geht mit der größten deutschen Bank, auch im Zuge eines möglichen „Brexit“, auf den die Bank laut eigenen Aussagen vorbereitet sei.

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