J-Pop in D-Dorf: Japantag in Düsseldorf

Fototermin: Domo, das Maskottchen der japanischen Rundfunkanstalt NHK mit Besuchern des Japantags. Foto: Riccardo Meffe.

Düsseldorf – Der „Nihon-Day“, oder Japantag zieht vergangenes Wochenende über eine dreiviertel Millionen Besucher in die Landeshauptstadt von NRW. Zehnmal mehr als Mitglieder der japanischen Gemeinde hier leben.

von Riccardo Meffe

Zum 15. Mal konnten sich Besucher an einem der über 70 Stände über japanische Kultur, Musik und Wirtschaft informieren. Außerdem wurden drei Bühnen aufgebaut. Programmpunkte waren unter anderem ein Auftritt der Trommlergruppe „Tentekko Taiko“ , traditionelle Tänze und ein Cosplay-Wettbewerb, bei dem sich die Teilnehmer als Figuren aus Animes, Mangas und Spielen verkleideten.

Wer ganz mutig war, konnte Karaoke singen und so den Japan-Pop  bekannter machen. Der traditionelle Höhepunkt des Japantags war das 45 minütige Feuerwerk über dem Rhein. Dieses Jahr zu dem Thema  „Bäume, Blumen, Tiere – die Welt der Natur“ in Form von Fischen, Palmen und Blüten.

Besonders viele Stände widmeten sich Mangas und Animes, japanischen Zeichentrickfilmen und Comics, die seit den 90er Jahren mit Son-Goku und Co. das Massenpublikum in Deutschland erreicht haben. Der Markt wächst kontinuierlich: Dem Forschungsinstitut GfK Entertainment zufolge ist der Absatz seit 2010 jährlich um mehr als zehn Prozent gestiegen. In Leipzig hat die Buchmesse den Manga schon vor Jahren eine eigene Halle eingerichtet – mit Extra-Eingang für die Leserschaft. Die DoKomi, eine Fan-Messe in Düsseldorf, verzeichnete Anfang dieses Monats 31.000 Besucher an zwei Tagen in einem Kongresszentrum. Trotz einer erneuten Erweiterung habe man sich den Kapazitätsgrenzen genähert, sagt Veranstalter Benjamin Schulte. Neben den Mangas vertreibt ein Großteil der Stände zusätzlich das Merchandise rund um die Comics und Serien aus Fernost.

Nach London und Paris lebt in Düsseldorf die drittgrößte japanische Gemeinde in Europa. Allein im Stadtgebiet leben 7.000 Japaner. Rund 380 der 600 japanischen Firmen in NRW haben hier ihren Sitz. Insgesamt beschäftigen die Firmen 32.000 Mitarbeiter im Bundesland. Seit 2014 sind Düsseldorf und Tokyo per Direktflug der japanischen Fluggesellschaft ANA miteinander verbunden.

Neben dem Stadtevent findet am 23.Mai ein Wirtschaftstag zum Thema „Industrie 4.0 und Digitale Transformation – Utopie oder Wirklichkeit? Neue Geschäftsmodelle für japanische und deutsche Unternehmen“ statt. Auch abseits dieser eigenen Veranstaltung waren Infostände über den Reiseverkehr, die Manga-Kultur (die in Japan im Jahr 2004 3,7 Milliarden Euro ausmachten) und die Energiewirtschaft vertreten.

Ein Stand widmete sich dem Thema Fukushima und den Folgen der Reaktorkatastrophe 2011. Was weitestgehend unbekannt ist: Fukushima ist der Name einer ganzen Region in Japan. Die Nuklearkatastrophe ereignete sich allerdings im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi der Stadt Ōkuma. Seitdem hat die gesamte Region mit dem schlechten Image zu kämpfen. Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen weltweit (bspw. der Atomausstieg der Bundesregierung) wurden in der öffentlichen Diskussion „Fukushima-Effekt“ genannt.

Nach Angaben eines Mitarbeiters des Projektes „Fukushima Revitalization“ sei Deutschland weiter in der Entwicklung von Solarzellentechnik, Japan in der Windtechnik. „Damit Fukushima komplett auf erneuerbare Energien umsteigen kann, wird ein Dialog und ein Austausch zwischen den Ländern gebraucht.“ Den Grundstein legte die Bekanntmachung, in den Bereichen erneuerbare Energien und Energiespeicherung zusammenzuarbeiten. Diese wurde von der Präfektur Fukushima mit dem Umweltministerium NRW und der Botschaft Dänemarks in Japan unterzeichnet.

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