Die globale Erwärmung verschont auch Franken nicht

Viele, die in Würzburg auf regenerative Energien setzen, entscheiden sich für Solaranlagen. Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Solarzellen auf Privathäusern, ein Bürgerkraftwerk und der Kohleausstieg: Wie Bürger und Stadt in Würzburg die Energiewende angehen.

Solaranlagenbesitzer Thomas Hermann aus Erlabrunn will einen Beitrag zur Energiewende leisten: „Ich habe mich vor exakt 21 Jahren bereits dazu entschieden, meine Warmwasseraufbereitung über die Sonne unterstützen zu lassen.“ Es war damals die Umbruchzeit in Richtung erneuerbare Energien. „Aber auch aus innerer Überzeugung haben wir uns damals für eine Solaranlage, wie auch für die Brauchwassernutzung und andere ökologisch wirksame Hausbewirtschaftungsmöglichkeiten entschieden“, sagt er. Thomas Hermann sieht jedoch auch Probleme bei der Energiewende und sagt: „Schlecht finde ich vielerorts die Art und Weise der Umsetzung der Programme Solar- und Windkraft. Die Programme werden über die entsprechende Lobby im Galopp politisch durchgesetzt, ohne auf andere Werte in unserem unmittelbaren Umfeld zu schauen, oder auf beeinflussende Kriterien zu blicken.“

Die Stadt Würzburg hat im Jahr 2009 einstimmig entschieden, den städtischen CO2-Emissionsausstoß bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 zu halbieren. Um das Interesse und das Engagement der Bürger zu wecken, fand von Mai bis Dezember 2015 im Gebäude der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-Gesellschaft (WVV) eine Ausstellung zum Thema „Energiewende“ statt. Beim Besuch der Ausstellung „Klimawende“ im Dezember wird die Aufteilung in die drei Themenbereiche: „Energie sparen“, „Energieeffizienz “ und „Erneuerbare Energien nutzen“ deutlich.

Würzburgerinnen beim CO2-Ausstoß unter Bundesdurchschnitt

Die CO2-Emissionen in Würzburg sind von 1990 bis 2010 um 500.000 Tonnen gesunken. Im Jahr 2010 lag der Pro-Kopf CO2-Ausstoß in der Stadt Würzburg gute zwei Tonnen unterhalb des Bundesdurchschnitts. Die Stadt hat also einen ersten Beitrag zur Emissionsreduzierung geleistet, wie auch Klimaschutzmanager Philipp Mähler bestätigt: „Der Hauptpunkt war sicherlich die Umstellung des städtischen Kraftwerkparks von Kohle- auf Gasbetrieb.“ Denn diese Umstellung macht alleine 30 Prozent der Emissionsminderung aus. Weitere Gründe für die gesunkenen Emissionen sind aber auch die moderneren Haushalte und der sinkende Stromverbrauch.

Einschränkungen bei der Windkraft

Würzburg ist beim Einsatz von Windkraftanlagen sehr eingeschränkt. Grund hierfür ist die sogenannte 10H-Regelung. Demnach müssen Windräder mindestens ihre zehnfache Höhe von der nächsten Siedlung entfernt errichtet werden. Ein weiterer Grund ist der Würzburger Flugplatz, der von Schutzzonen umgeben ist, in denen keine Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen. Dennoch soll laut einer Studie die Installation von zehn Windkraftanlagen in Würzburg realistisch sein. So könnten jährlich 27.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

„Mit der Solarenergie sieht es besser aus“ teilte Philipp Mähler mit. Würzburg habe eine gute Lage für Solarenergie. Insgesamt könne in Würzburg eine Modulfläche von rund 1.072.000 m² genutzt werden.

Bürger-Solarkraftwerk liefert Energie für 45 Haushalte

Das erste sogenannte „Bürgersonnenkraftwerk“, gehört 18 Privatleuten aus Würzburg und Umgebung und ist auf dem Dach des Werkshofes der Stadtreiniger installiert. Das Dach ist mit 560 Solarmodulen ausgestattet und erzeugt maximal 140 Kilowatt/h Solarstrom. Dies deckt den Bedarf von 45 Haushalten ab. Nebenbei vermeidet die Solaranlage jährlich 100 Tonnen Kohlendioxid. Das Sonnenkraftwerk ist ein gutes Beispiel um zu zeigen, was durch Bürgerinitiative erreicht werden kann. „Dieses Projekt ermöglicht auch Leuten ohne Eigenheim in die Solarenergie zu investieren“, sagt Philipp Mähler. Er sieht in solchen Projekten ein Potenzial.

Werner Panzer aus Mainstockheim ist ebenfalls Besitzer einer Solaranlage. „Der Grund war, dass damals die Gaspreise ständig gestiegen sind und mein Dach optimal nach Süden ausgerichtet ist. Da ein Freund mir dabei helfen konnte, war das eine günstige Gelegenheit, Geld sinnvoll anzulegen. Zudem hatten wir bei der Montage eine Menge Spaß“, beschreibt Werner Panzer seine Motive für die Nutzung der Solarenergie. Besonders positiv sei, dass im Sommer der Brenner nur für die Erwärmung des Warmwassers und des Vorrates benötigt wird. „Durch die solare Erwärmung kann ich den Brenner im Sommer komplett ausschalten und habe trotzdem ausreichend heißes Wasser. Mehr als im Winter, und es kostet nichts.“ Er habe ein gutes Gefühl, wenn er weiß, dass in dieser Zeit keinerlei fossile Brennstoffe benötigt werden. „Das System ist einfach und wenig anfällig. Zusätzlich spielt auch der Gedanke, ein wenig autark zu sein auch eine Rolle. Dies würde ich gerne noch auf die Stromproduktion ausweiten. Dies macht zurzeit auch Sinn. Leider habe ich nicht genug Dachfläche“.

Beitrag zur Energiewende trotz Unsicherheit

Wie Thomas Hermann und Werner Panzer ist auch Peter Hettrich aus Rieden bei Würzburg ein Bürger, der seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte. Er besitzt eine Photovoltaikanlage. „Ich habe mich dafür entschieden, weil ich gegen Atomstrom bin und so meinen Beitrag zu sauberen Energiegewinnung bringen kann“ sagt er. „Neben dem Effekt der sauberen Energiegewinnung wirkt sich natürlich das Geld, welches man vom Staat für die Einspeisung des Stroms erhält, positiv aus.“ Als kritisch hingegen beschreibt er die Finanzierung des Ökostroms aus staatlichen Mitteln. Er sagt:„ Da es keine Gewähr für stabile Preise gibt, weiß man heute leider nicht, wie es nach einigen Jahren weiter geht und ob sich die Anlage dann immer noch in finanzieller Hinsicht rechnet“.

Allerdings sind die Stromeinspeisepreise auf die Dauer von 20 Jahren garantiert. Selbst bei einer Finanzierung der Anlage mit staatlichen oder privaten Mitteln ist die Anlage nach Ablauf dieser Frist bezahlt und hat sich amortisiert. Während der 20 Jahre bringt die Anlage eine Kapitalrendite von 5,5 bis 6,5 Prozent jährlich. Nach 20 Jahren stellt sich allerdings die Frage, ob dann noch eine Stromeinspeisung möglich ist und wer den Strom zu welchem Preis abnimmt.

Für die Stadt Würzburg bietet also die Solarenergie das größte Potenzial. Die Sonnenergie kann aber nur genutzt werden, wenn Bürger und Unternehmen bereit sind, einen Klimaschutzbeitrag zu leisten. Auch Thomas Hermann ist von seiner Solaranlage überzeugt und sagt: „Nachdem ich bis zum heutigen Tag keine Reparaturen hatte, dürfte sich die Anlage längst amortisiert haben.“

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