Gute Ideen sind oft sehr einfach: Wirtschaftsjournalismus im Radio

"Wer vor Kurzem noch behauptete etwas zu wissen, hielt jetzt lieber den Mund.“: Uwe Möller sprach an der Uni Würzburg über die Berichterstattung während der Finanzkrise.

Den Alltag in einer der größten Wirtschaftsredaktionen der ARD erklärte Uwe Möller, Leiter der Programmgruppe Wirtschaft im Radio des Westdeutschen Rundfunks (WDR), am 17. Dezember im Audimax der Universität Würzburg den Studierenden.

In seinem Vortrag in der Reihe „Wirtschaftsjournalisten aus der Praxis“ zeigte er die Stärken und Schwächen des WDR in der Berichterstattung zur Finanzkrise. Er forderte eine bewusste Vereinfachung komplexer Sachverhalte. „Dies öffnet der Erkenntnis den Weg.“, erklärte er.

40 Billionen Euro

Die Finanzkrise 2008/2009 habe die Finanzwelt erschüttert. „Erstmals seit dem zweiten Weltkrieg befand sich die gesamte Welt in einer Rezession.“ erklärte Uwe Möller. Weil keiner mit der Krise gerechnet hatte oder verlässliche Lösungen wusste, taten sich auch die Medien schwer Aussagen über den Krisenverlauf zu treffen. Im Zuge der Krise gingen rund 40 Billionen Euro an Vermögen verloren. „Viele hatten Angst um ihr Geld. Wer vor Kurzem noch behauptete etwas zu wissen, hielt jetzt lieber den Mund.“, führte Uwe Möller weiter aus.

Qualität durch Einfachheit

„Wir haben immer gedacht, ein komplexes Problem erfordert eine komplexe Antwort“ gestand Uwe Möller. Dabei gelten nach Uwe Möller aber einfache Grundsätze: „Jeder weiß, je höher die Rendite einer Geldanlage, desto höher das Risiko. Extrem hohe Rendite, extrem hohes Risiko.“ Auch dass jeder Boom einmal ein Ende hat, sei so ein einfacher Grundsatz. WDR Recherchen wiesen nach, dass Bankberater hauptsächlich versuchten, Produkte mit möglichst hoher Provision für sich selbst und ihre Bank zu verkaufen. „Im Grunde war es eine aufwändige Art, eine ganz banale Erkenntnis zu transportieren.“, fuhr Uwe Möller fort.

Immun gegen Einflussnahme

Die Rolle der Gebührenfinanzierung, Programminhalte und die Gestaltungsart der WDR-Radiobeiträge standen im Mittelpunkt einer intensiven Diskussion mit dem Publikum. Dank der fast ausschließlichen Gebührenfinanzierung sei der WDR relativ immun gegenüber eine Einflussnahme durch Interessenvertreter. „Es hat in der Tat in der Vergangenheit Situationen gegeben, wo man an der Unabhängigkeit von Journalisten der ARD oder Redaktionen der ARD hin und wieder zweifeln konnte.“, gab Uwe Möller zu. Deshalb habe der WDR aber bereits seit geraumer Zeit sehr strenge Verhaltenskodizes für seine Mitarbeiter erlassen. Mit seinem Schlusswort lud Uwe Möller das Publikum nach Köln in die WDR-Redaktion ein. Man sei immer offen und dankbar für neue Impulse.

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