„Mehr Gelassenheit in der Flüchtlingsdebatte“

Die GSik-Tage fanden am Campus Hubland statt. Foto: Burny, Wikimedia Commons

Professor Karl-Heinz Meier-Braun sprach am 7. November in Würzburg über die Rolle Europas in der Flüchtlingskrise. Er rief zu mehr Gelassenheit und Humor in der Flüchtlingsdebatte auf. Dies sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Integration.

Der Vortrag des Integrationsbeauftragten des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) fand anlässlich des vierten „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ (GSik)-Tages am Campus Hubland der Universität Würzburg unter dem Motto „Brennpunkt Migration und Flucht“ statt. Fast 200 Teilnehmer informierten sich bei dem Vortrag mit anschließender Diskussion und Workshops zu den aktuellen Ereignissen des Flüchtlingszustroms.

Deutschland braucht Flüchtlinge

„Wir sind auf die Flüchtlinge angewiesen um unser Sozialsystem aufrecht zu erhalten“, machte Karl-Heinz Meier-Braun mit Nachdruck deutlich. Die Zuwanderung sei eine Chance. Durch sie könne man dem demografischen Wandel der Gesellschaft und der damit einhergehenden Alterung der Bevölkerung entgegenzuwirken. Karl-Heinz Meier-Braun bemängelte zudem, dass der Öffentlichkeit häufig nur die reinen Einwanderungszahlen präsentiert würden. „Diese werden jedoch nicht in Relation zur Zahl der Auswanderer gesetzt.“, erklärte er. Global gesehen sei Deutschland das fünftgrößte Auswanderungsland. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Fortzüge größer als die der Zuzüge gewesen, was einen jährlichen Rückgang der Bevölkerung um circa 25.000 Menschen zur Folge habe.

Asyl-Lotterie beenden

Eine Voraussetzung erfolgreiche Integration ist auch, dass mehr Aufklärungsarbeit stattfindet, als dies in der Vergangenheit der Fallwe gewesen ist. Viele Flüchtlinge kommen mit falschen Vorstellungen nach Europa und sind frustriert, wenn sich ihre Erwartungen nicht erfüllen. Es muss klar geregelt sein, für welche Herkunftsländer Flüchtlinge Chancen auf einen erfolgreiches Asylantrag haben und für welche Staaten nicht. „Die Asyl-Lotterie muss beendet werden durch einheitliche Standards und Kriterien“, forderte Karl-Heinz Meier-Braun.

Deutschland – ein Einwanderungsland

„Es war ein langer Weg, bis sich Deutschland als Einwanderungsland begreifen konnte“, kritisierte Karl-Heinz Meier-Braun. Das Land habe dabei viele Einwanderungswellen durchlebt – angefangen von der größten Zuwanderung der Geschichte nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, gefolgt von den Gastarbeitern in den sechziger und siebziger Jahre bis hin zu der Zuwanderung der Russlanddeutschen nach dem Ende der Sowjetunion. „Zu Beginn sahen sich die Zugewanderten stets mit vielen Vorurteilen und Abneigung konfrontiert“, erklärte Karl-Heinz Meier-Braun. Der Verlauf der Geschichte zeige aber, dass diese Zuwanderungswellen für die wirtschaftliche Stärkung Deutschlands notwendig gewesen seien und die Integration zum größten Teil gut gelungen sei.

 Diskussion über Pegida

In der abschließenden Diskussionsrunde mit den Teilnehmern spielte die Frage nach dem richtigen Umgang mit fremdenfeindlichen Bewegungen wie Pegida eine wichtige Rolle. „Man darf die Gefahr nicht unterschätzen, die von solchen Organisationen ausgeht“, so Karl-Heinz Meier-Braun. Die Stimmung in der Bevölkerung ist bereits sehr angespannt. Die demokratischen Parteien Deutschlands müssten ein einheitliches Bild vermitteln, damit in der Bevölkerung nicht der Eindruck entstehe, dass ihre Zweifel und Ängste berechtigt seien. „Seitens der Flüchtlinge braucht es den Willen zur Integration und seitens der Bevölkerung den Willen diese dabei zu unterstützen“, erklärte Meier-Braun. Veranstaltungen wie der GSiK-Tag würden dabei helfen sich mit den Problemen und den künftigen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Das GSiK-Projekt

Das GSiK-Projekt ist eine Kooperation verschiedener Fachbereiche der Universität Würzburg. Seit dem Wintersemester 2008/09 gibt es ein umfangreiches Lehrangebot zum Erwerb interkultureller Kompetenzen.

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