Mehr Telematik für Bayern

Leiter des Zentrums für Telematik Würzburg

Prof. Dr. Klaus Schilling ist Lehrstuhlinhaber im Bereich Robotik und Telematik an der Universität Würzburg. Er hat mehr als 250 Beiträge in Fachzeitschriften und auf internationalen Konferenzen vorgestellt, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und hat mit namenhaften Institutionen wie der Stanford University zusammengearbeitet. Zudem ist er Präsident des „Zentrums für Telematik“. Wir haben seinen Vortrag  zum Thema „Adaptive industrielle Produktion“ beim Zukunftsforum Technik zum Thema Industrie 4.0 der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt besucht und im Anschluss mit ihm über seine Forderung nach mehr Telematik in Bayern gesprochen.

Herr Prof. Dr.  Schilling, Sie haben in Ihrem Vortrag gefordert, dass mehr Telematik in Bayern angewendet werden sollte. Wo wird Telematik überhaupt eingesetzt und wieso sollten bayrische Unternehmen mehr darauf bauen?

Unsere bayrischen Firmen sind sehr stark exportorientiert. Das heißt, sie verkaufen ihre Produkte in die ganze Welt. Und wenn sie dort mal nicht funktionieren, kann man ja nicht ständig einen Mitarbeiter hinschicken. Allein die Anreise würde zu lange dauern. Da lässt man doch lieber die Daten reisen und kann dann schnell reagieren. Mittels Telematik wird quasi Fehleranalyse vor Ort gemacht. Ich kann also in Würzburg schauen, was gerade beispielweise in Südamerika schief gelaufen ist und dann von hier Hinweise darauf geben, wie der Fehler behoben werden kann.

Das klingt nach einer Sache, die in erster Linie für bereits etablierte, international tätige Unternehmen in Frage kommt. Arbeiten Sie auch mit kleineren Firmen oder Startup Unternehmen in der Umgebung zusammen?

Natürlich. Das machen wir sehr gerne. Mit verschiedenen Spin-offs sind wir in Zukunft sogar im gleichen Gebäude. Da haben wir bereits Kontakte geknüpft und interessante gemeinsame Arbeitsfelder identifiziert.

Fallen Ihnen spontan Startup Unternehmen aus der Umgebung ein, die in diesem Bereich tätig sind?

Es gibt zum Beispiel ein Unternehmen im Bereich der Geowissenschaften, das das Pflanzenwachstum auf den Feldern beobachtet mit dem Ziel Erntehinweise zu geben. Die Beobachtung basiert dabei auf Satellitenbilddaten und in dem Bereich kann man natürlich toll zusammenarbeiten. Das war nur ein Beispiel. Es gibt eine ganze Menge an Kooperationsmöglichkeiten. Wir versuchen einfach fortgeschrittene Technik auf den Weg zu bringen, die den Leuten trotzdem weiterhilft.

Wie kommt es zu einer Kooperation? Kommen die Unternehmen auf Sie zu oder andersherum?

Oftmals kommen wir durch das gemeinsame Thema zusammen. Oder man trifft sich auf Veranstaltungen wie beispielweise hier. Was da immer wichtig ist, ist dass man auch was zum anfassen dabei hat. Auch hier haben wir gerne an der Ausstellung mitgemacht, damit man das Ofenrohr mal streicheln kann und sieht, dass es wirklich klappt.

 

Danke für Ihre Zeit, Herr Prof. Dr. Schilling und viel Erfolg weiterhin.

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