Die haben Angst, dass sie vom Kuchen kein Stück abbekommen

Ein moderner Raum mit hohen Wänden und einer großen Fensterfront. Neben uns zwei junge Frauen, die sich bei einem Kaffee gemütlich auf der Fensterbank unterhalten. Vielleicht über den attraktiven Kollegen, der zwei Reihen weiter vorne sitzt. Er sieht wiederum zum Rednerpult und lauscht interessiert dem, was Christoph Berger über cyber-physische Produktionssysteme und die Produktivitäts- und Flexibilitätssteigerung durch die Vernetzung intelligenter Systeme in der Fabrik berichtet. Berger trägt einen blauen Anzug mit hellblauem Hemd und einer rot-weiß gestreiften Krawatte. Ein junger Mann, der sprachlich seine Herkunft aus Bayern nicht verleugnen kann. Er ist technischer Leiter der Projektgruppe „Ressourceneffiziente mechatronische Verarbeitungsmaschinen“ des Fraunhofer Instituts und heute Redner beim Zukunftsforum zum Thema Industrie 4.0. Gastgeber ist die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt. Wir haben Christoph Berger nach seinem Vortrag gefragt,  wie sich die Zusammenarbeit mit und die Umsetzung von Industrie 4.0 in den Unternehmen aktuell gestaltet. 

Herr Berger, wie intensiv forscht das Fraunhofer Institut zum Thema Industrie 4.0 momentan?

Das Fraunhofer Institut forscht aktuell mit bis zu 10 Instituten zum Thema Industrie 4.0. Die Forschung findet dabei auf allen verschiedenen Ebenen zu Industrie 4.0 statt- von EAP  (ein System zur Effizienzsteigerung und Assistenz bei Produktionsprozessen in Unternehmen auf Basis von Bewegungserkennung und –projektion) bis hin zum einzelnen Sensor.

Wie hoch ist die Nachfrage der Unternehmen zu diesem Thema?

Sehr hoch! Man merkt oft, dass Interessierte von der Angst getrieben sind, die zu uns kommen und sagen, sie möchten was mit Industrie 4.0 machen. Die haben Angst, dass sie vom Kuchen kein Stück abbekommen und bitten uns, was mit ihnen zu machen.

Bei so hoher Nachfrage können sicher nicht alle Projekte unterstützt werden. Wie werden die Projekte dann ausgewählt?

Also aktuell ist das noch alles machbar. Unter anderem weil es oftmals nur bei ersten Gesprächen bleibt. Zunächst schaut man sich ein Unternehmen an, schätzt alle Potenziale ab und sagt dann den Verantwortlichen, was zu tun wäre: IT und Investment zum Beispiel und dann geht eigentlich der erste Schritt schon wieder zurück. Sobald die Leute merken „Okay, das fällt nicht vom Himmel sondern ich muss Geld investieren und etwas tun“ nehmen viele wieder Abstand. Insbesondere wenn kein direkter finanzieller Benefit damit verbunden ist.  Da muss jemand schon richtig Lust drauf haben und das zum Beispiel auch als Prestigeobjekt wahrnehmen.

Finden solche Projekte dann eher auf regionaler oder bundesweiter Ebene statt?

Also unsere Projektgruppe ist aktuell nicht so groß und im Bereich Süddeutschland tätig. Vereinzelt auch mal im restlichen Bundesland, aber eigentlich eher regional. Grund dafür ist, dass es ja überall regionale Institute gibt und insbesondere beim ersten Kontakt ist das ein großer Unterschied, ob ich 500 km oder 100km fahre.

 

Danke für das Interview und viel Erfolg weiterhin, Herr Berger.

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