Porträt mit Prof. Dr. Frank Schwab: „Es ist mir ein bisschen zu friedlich so.“

Frank Schwab ist seit 2010 Professor für Medienpsychologie am Institut Mensch-Computer-Medien der Universität Würzburg. Zuvor hat er Psychologie an der Universität des Saarlandes studiert und dort im Bereich der klinischen Psychologie promoviert, war aber schon damals auch in der Medienpsychologie tätig. In seiner anschließenden Habilitation hat er letztendlich die Brücke zur Medienpsychologie geschlagen und evolutionäre Medienpsychologie zu seinem Steckenpferd gemacht. Unter seinen Studenten ist er vor allem für seine spannenden und unterhaltsamen Vorlesungen rund um die Medienpsychologie bekannt. Lässt man den Blick durch sein Büro schweifen, kann man sich das sehr gut vorstellen. Hinter dem Schreibtisch stehen eine Reihe verschiedener Filme und Serien, an der Wand hängt eine große Leinwand mit einem Bild von Darwin. Auch auf dem Schreibtisch findet sich allesmögliche vom Rentier-Plätzchenausstecher, zum selbstgebastelten Fotokalender bis hin zum Forschungsposter. Langweilig ist es mit diesem Professor sicher nie.

Herr Prof. Dr. Schwab, wussten Sie schon als Kind, dass Sie später „was mit Psychologie“ machen möchten?

Ich habe letztens darüber nachgedacht: es kann gut sein, weil ich eine Märklin Eisenbahn hatte, dass ich Lokführer werden wollte. – Ich würde das mal nicht ausschließen, habe aber keine konkrete Erinnerung daran. Also es gab einen nicht psychologischen Berufswunsch vorher. In der Mainzer Studienstufe fand ich zum Beispiel Physik ganz toll. Ich habe damals dann überlegt, ob ich Physik studieren sollte. Heute würde ich sagen „Oh Gott, gut, dass ich das nicht gemacht habe!“ (lacht). Gleichzeitig war ich aber auch in der Friedensbewegung aktiv und da aus der Physik ja schon manchmal Waffen oder so entstehen können, habe ich mich dann dagegen entschieden und bin in die Psychologie. Ursprünglich habe ich da vor allem an Psychoanalytik gedacht: man hat da eine Couch, viele verrückte Leute und jede Menge Spaß.

Auch in Ihrem beruflichen Werdegang taucht immer wieder die klinische Psychologie auf. Was genau hat Sie dazu bewogen, dieser den Rücken zu kehren und sich der Medienpsychologie zu widmen?

Ich dachte immer Medien- und Organisationspsychologie: das sind die Bösen. Die beuten die Arbeiter aus und die Medien denken sich immer wieder irgendwelche Sachen aus. Als Peter Winterhoff-Spurk, der die Psychologie in Deutschland sehr geprägt hat, dann nach Saarbrücken an meine Uni gekommen ist, bin ich da mal vorbei gegangen, um mir die Bösewichte anzuschauen. Aber der Peter Winterhoff war überhaupt kein Bösewicht, sondern ganz nett und hat unheimlich gute Seminare gemacht. Die fand ich dann weder blöd, noch gemein, sondern ganz interessant. Ich habe daraufhin auch beim ZDF eine Hospitanz in der Medienforschung gemacht. Das war auch ziemlich verrückt und gleichzeitig toll. Während meiner Promotion im Bereich der klinischen Psychologie habe ich daraufhin auch immer zu 50% bei den Medienpsychologen mitgearbeitet. Ich war nie eine Art Vollblutkliniker. Als ich nach der Promotion überlegt habe, wo ich denn jetzt habilitieren kann, gab es die Möglichkeit bei Peter Winterhoff im Bereich der Medienpsychologie und die habe ich auch ergriffen.

Wenn Sie sich jetzt doch gegen die akademische Karriere an der Universität und für die Wirtschaft entschieden hätten- was würden Sie heute machen?

Ich habe immer so eine Doppelstrategie gefahren. Wenn nichts aus mir wird an der Uni, dann muss ich noch irgendwas machen, mit dem man auch außerhalb der Uni Geld verdienen kann. Also wenn das mit der Professur an der Uni nicht klappt, dann gibt es immer noch Fachhochschulen und wenn es da auch nicht klappt, dann werde ich Coach. Das kriege ich auf jeden Fall auch hin und dann werde ich halt kein Professor, sondern werde halt reich. Ich habe das auch schon eine Zeit lang gemacht: so Teamcoaching vor allem im medizinischen Bereich- Ärzteteams etc. Das ist schon ganz witzig und auch ein bisschen belastend. Die sind ja meistens psychisch gesund, wobei man trotzdem Gruppenphänomene hat, über die man sich als Psychologe sehr freut. Außerdem habe ich sogar ein bisschen Ehetherapie und -beratung gemacht, was unheimlich witzig ist. Also die Menschen und Probleme sind natürlich nicht zum lachen, aber es macht schon Spaß. Man hat in diesem Bereich nicht mit Menschen zu tun, die schwerwiegend gestört sind und ist dann eher im subklinischen Bereich. Das fand ich immer ganz interessant. Ich würde vermuten, ich würde heute ganz ähnlich so als eine Art Mediencoach arbeiten. Also genauer gesagt Coaching für Medienunternehmen. Ich kann coachen, ich kenne mich mit Medien aus – das wäre vielleicht eine gute Idee, solche Gruppen zu beraten.

Zurück zur Uni: Was war ihr bisher ihr größter beruflicher Erfolg?

Ich glaube, das war hier die Professur zu bekommen. Das war schon ziemlich cool. Das war echt der größte Glücksgriff. Gerade mein evolutionspsychologisches Zeug mögen nicht alle Leute. Ich hatte zuvor viele Bewerbungen, die auf Grund meinem Hang zur Evolutionspsychologie gescheitert sind. Ich habe daraufhin auch etwas zurückgeschraubt und so ein bisschen die U-Boottaktik verwendet- also nicht immer „Darwin“ und „Evolution“ gesagt, sondern mehr andere Wörter verwendet. Das war aber hier in Würzburg gar nicht nötig. Die waren hier sehr offen, was diese Art von Perspektive angeht. Das war hier in Würzburg wirklich ein Highlight.

Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie die Zusage für die Professur bekommen haben?

Also am Tag des Vorsingens für die Professur hier wurde mir ein Spiegel abgefahren in Würzburg am Röntgenring (lacht). Zurück zur Frage. Man weiß ja schon nach einem Gespräch ungefähr, wie die Chancen stehen. Da wusste ich schon, dass es nicht schlecht gelaufen ist. Aber ich zwinge mich dann immer selbst, mich noch nicht zu freuen. Es könnte immer noch was schief gehen und wer weiß was sonst noch passieren. Ich habe das immer vertagt und nicht zugelassen mich zu freuen. Erst, als ich dann die Urkunde in der Hand hatte- und der Moment war dann allerdings sehr einsam. Also man kriegt da halt eine Urkunde, ganz ohne Trompeten oder irgendwas in der Art.

Ich kann mich vor allem noch an die Verhandlungsgespräche erinnern. Ich stand auf dem Hinweg im Stau und kam zu spät in die Verhandlung. Da saß schon der Dekan da und hat gesagt „Sie sind zehn Minuten zu später, das bedeutet jetzt 10 000 € weniger.“. (lacht). Damals konnte ich mit dem Witz allerdings nichts anfangen, weil ich so gestresst war, dass ich gar nicht lachen konnte. Ich war darauf eingestellt, dass ich im Verhandlungsgespräch um jeden Pfennig kämpfen und alles begründen muss. Das ging dann widererwarten aber ganz rasant. Innerhalb von sieben Minuten hatten die das Vorgespräch geklärt, dann gab es noch mal zehn Minuten mit dem Unipräsidenten, der mich fragte, wann ich anfangen könne. Als ich daraufhin meinte, ich brauche noch einen Termin beim Gesundheitsamt, hatte er seinen Fahrer angerufen, der mich direkt rüber ins Gesundheitsamt gefahren hat. Und dann konnten wir direkt die Verträge fertig machen. Das war sehr „Western-Style“. Da dachte ich mir: wow, die sind hier aber taff drauf!

Was macht Ihnen denn an Ihrem Job hier an der Uni Würzburg besonders viel Spaß?

Naja, also man wird als Professor ja leider so ein bisschen daten- und empiriefern. Ich würde gerne wieder irgendwelches Zeug anschließen und rumfrickeln, das habe ich früher gemacht. Das ist weg. Ich verblöde so ein bisschen technisch. Man muss viel Wissensmanagement und Univerwaltung machen, was ich nicht so spannend finde. Das ist auch ganz nett, so ein bisschen wie bei House of Cards, wer mit wem und so weiter, aber diesen hardcore Verwaltungskram finde ich nicht so toll. Aber die Frage war ja eigentlich was mir Spaß macht. Also ich freu mich immer sehr, wenn ich merke, das funktioniert so, wie ich es mir gedacht habe. Ich bin neulich mit einem Gast hier rumgelaufen und wir haben einen Studenten getroffen, der grad ein Experiment durchgeführt hat. Ich habe ihn dann gebeten, kurz zu erklären, was er da genau macht und dann macht er das einfach. Und wir haben den ausgebildet und der kann das jetzt in einer Art und Weise erklären, bei der man sagen kann: toll. Da freue ich mich immer. Oft braucht man jemand anderes Augen und eine andere Perspektive, um das zu sehen.

Wenn Sie was an Ihrem Job oder den Studenten ändern könnten, was würden Sie ändern?

Ich finde diese Bachelor-Master-Geschichte nicht immer gut. Die vielen Prüfungen nerven die Dozenten und Studenten gleichermaßen. Diese starke Verschulung finde ich suboptimal. Es gab zuvor auch viel mehr Vielfalt in den Seminaren und in der Lehre. Da gab es nicht das selbe Seminar fünfzügig und das jedes Jahr wieder. Das ist heute nicht mehr möglich. Mir kommt es so vor, als wären die Studenten damals auch kritischer. Es ist mir ein bisschen zu friedlich so. Man könnte mehr kritischer und streitbarer diskutieren. Mir ist es so manchmal ein bisschen zu brav und ich denke, das liegt an dieser Verschulung und dem entsprechenden Druck mit den Prüfungen. Wenn man immer so viel Prüfungen vor sich hat und in so engen Gleisen geführt wird, dann ist für die anderen Sachen nicht mehr so viel Platz. Das eigentliche Problem liegt also gar nicht an den Studenten, sondern am System. Das wäre so was, was ich vielleicht ändern würde.

Außerdem hätte ich gerne ein bisschen weniger Verwaltung, um selbst wieder mehr rumfrickeln und basteln zu können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich bin immer dafür, das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Insgesamt ist das ein super Job, Professor zu sein. Auch unter den Bachelor-Master-Bedingung und all den anderen schlimmen Dingen, die man sich vielleicht noch so zusammen reimen kann, kann man sagen: der Job ist klasse. Ich finde das toll.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit!

 

Als meine Kollegin und ich aus dem Büro von Frank Schwab kommen, schauen wir auf die Uhr. Über eine Stunde ist vergangen, in der wir bestens unterhalten wurden und absolut nicht gemerkt haben, wie viel Zeit vergangen ist.

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